Ukraine: Verletzte bei russischem Luftangriff auf Kiew – Kinderkrankenhaus offenbar beschädigt
Bei einem russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew in der zweiten Nacht in Folge sind nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko zwölf Menschen verletzt – mehrere von ihnen durch Trümmer abgeschossener Raketen. Dabei wurde laut dem Politiker auch ein Kinderkrankenhaus beschädigt.
Die Bewohner eines Hauses seien evakuiert worden und die Rettungskräfte bemühten sich, mehrere Brände zu löschen, die durch die herabfallende Raketenteile verursacht worden seien, teilte Klitschko über den Nachrichtendienst Telegram mit. Mehrere Autos gerieten in Brand. In der Nacht waren im Zentrum Explosionen von Flugabwehrraketen zu hören.
Die Ukraine wehrt seit über 21 Monaten eine russische Invasion ab. Das ukrainische Hinterland wird dabei fast täglich von russischen Drohnen und Raketen angegriffen. Die ukrainische Flugabwehr wurde inzwischen mit westlicher Hilfe massiv verstärkt.
Die Lage um die seit Wochen umkämpfte Stadt Awdijiwka im Osten der Ukraine hat sich nach Militärangaben noch einmal verschärft. »Es ist sehr heiß. Tatsächlich ist es heute noch heißer als gestern und vorgestern«, sagte der Chef der örtlichen Militärverwaltung, Witalij Barabasch, am Dienstag im ukrainischen Fernsehen. Die neue Angriffswelle der Russen hängt seinen Angaben nach mit dem durch den jüngsten Frost hart gewordenen Untergrund zusammen, der den Angreifern den Einsatz gepanzerter Fahrzeuge erlaubt. Die Verteidiger haben seinen Worten nach bereits Dutzende Fahrzeuge abgeschossen. Der Druck der Angreifer bleibe aber hoch, auch durch den Einsatz der Luftwaffe.
USA schätzen russische Opfer auf 315.000
Dass Awdijiwka derzeit das Zentrum der russischen Angriffsbemühungen ist, geht auch aus dem abendlichen Lagebericht des ukrainischen Generalstabs hervor, der 37 Attacken allein in diesem Raum verzeichnet. Nach offiziellen Angaben aus Kiew wurden alle abgewehrt. Weiter südlich in der Region Donezk wurde auch die schwer zerstörte Stadt Marjinka weiter von russischen Truppen angegriffen. Im Norden, im Gebiet Charkiw, versuchen die russischen Angreifer den Druck im Raum Kupjansk zu erhöhen.
US-Geheimdienste gehen davon aus, dass seit Beginn des Ukrainekriegs im Februar 2022 315.000 russische Soldaten verletzt oder getötet wurden. Aus Parlamentskreisen in Washington verlautete am Dienstag unter Berufung auf freigegebene Dokumente der Dienste, dies entspreche 87 Prozent der vor dem Krieg 360.000 Soldaten zählenden Streitkräfte. Die russische Armee habe überdies 2200 ihrer vor Kriegsbeginn 3500 Panzer verloren.
Präsident bittet in Washington um Hilfe
Die Informationen wurden zeitgleich mit dem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj publik, der am Dienstag in Washington um weitere US-Militärhilfe im Krieg gegen Russland warb.
Er zeigte sich vorsichtig optimistisch. »Ich habe die Signale erhalten, sie waren mehr als positiv«, so Selenskyj nach Gesprächen im US-Kongress. »Aber wir wissen, dass wir Worte von konkreten Ergebnissen trennen müssen.«
Derzeit laufen die Finanzmittel für Militärhilfen für die Ukraine langsam aus. Biden hatte den Kongress deswegen schon im Oktober um neue Hilfen für Kiew in Höhe von rund 61 Milliarden Dollar gebeten. Bei den oppositionellen Republikanern stößt dies aber auf Ablehnung.
Die Konservativen machten dies am Tag von Selenskyjs Washington-Besuch erneut deutlich. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, äußerte sich nach seinem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten. Biden verlange vom Kongress Milliarden von Dollar »ohne angemessene Aufsicht, ohne klare Siegesstrategie (…)«, sagte Johnson.

