Sankt Petersburg in Russland: Deutscher festgenommen – was bekannt ist
Ein deutscher Staatsbürger sitzt in russischem Gewahrsam. Der 38-Jährige wurde nach russischen Angaben am Flughafen von Sankt Petersburg mit Gummibärchen aufgegriffen, die in Russland verbotene Cannabinoide enthalten sollen. Nach seiner Festnahme drohen ihm bis zu sieben Jahre Haft.
Was wir wissen
Die bekannten Informationen stammen von den Behörden in Russland. Der russische Zoll teilte mit, dass man bei dem Mann eine Verpackung gefunden habe, auf der eine Cannabispflanze gedruckt war. 20 Gramm wog die Packung demnach, der Inhalt, sechs Gummibärchen, habe den Angaben zufolge stechend gerochen.
Tests zufolge soll Tetrahydrocannabinol enthalten sein, der Hauptwirkstoff von Cannabis. Nach Angaben der Behörden sei ein Strafverfahren wegen Drogenschmuggels eingeleitet worden, darauf steht in Russland eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren.
Der Mann soll von Hamburg über Istanbul nach Sankt Petersburg geflogen sein. Nach Angaben der Behörde wollte er sich mit einer Frau treffen, die er im Internet kennengelernt hat, und durch Russland reisen. Darüber hinaus ist nichts über ihn bekannt.
Der Zoll veröffentlichte ein Video , das offenbar von einer Bodycam eines Zollmitarbeiters stammt. »Weingummi! Wie das hier. (…) Es ist eine andere Sorte, kein Haribo«, sagt ein Mann mit Basecap, T-Shirt und Armtattoo darin auf Englisch, angesprochen auf die verdächtige Packung.
Wie die russische Behörde weiter mitteilte, habe der Mann erklärt, dass er die Gummibärchen in einem Geschäft in Deutschland gekauft habe. Er sei bereits öfter mit den Bonbons gereist, und es habe nie Probleme mit anderen Zollbehörden gegeben. Er aß sie demnach für einen »erholsamen Schlaf« auf langen Flügen.
Was wir nicht wissen
Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Mittwochmorgen lediglich, der Fall sei dem Generalkonsulat in Russland bekannt. Demnach hätten die russischen Behörden die Festnahme des deutschen Staatsbürgers gemeldet, man stehe auch mit dem Anwalt des Beschuldigten in Kontakt.
Nach SPIEGEL-Informationen allerdings verweigert Russland den deutschen Diplomaten bisher den direkten konsularischen Zugang zu dem Festgenommenen in der Untersuchungshaft. Folglich liegen dem Amt auch noch keine Informationen über die Hintergründe der Festnahme vor.
Unklar ist, inwiefern die Festnahme mit der schwierigen diplomatischen Lage zwischen dem Westen und Russland zusammenhängt. Denn wenn auch einiges in diesem Fall unwägbar erscheint, erinnert er doch an die Festnahme der US-Basketballerin Brittney Griner im Februar 2022.
Griner war vor zwei Jahren an einem Moskauer Flughafen festgenommen worden, in ihrem Handgepäck seien Vape-Kartuschen mit geringen Mengen Cannabisöl gefunden worden . Wegen Drogenschmuggels verurteilte ein Gericht sie zu neun Jahren Haft.
Westliche Diplomaten werfen Russland vor , westliche Staatsbürger zu inhaftieren, um im Austausch im Westen einsitzende Straftäter oder davon unabhängige politische Vorteile zu erpressen.
So war auch nach Griners Festnahme spekuliert worden, dass der Kreml die in Russland unter Vertrag stehende Sportlerin als Verhandlungsmasse nutzen könnte. Und tatsächlich kam Griner Ende 2022 im Austausch gegen einen in den USA inhaftierten russischen Waffenhändler frei.
Seit Beginn des Ukrainekriegs wurden im Westen wiederholt russische Spione festgenommen. Moskau veranlasste auf der anderen Seite etwa die Festnahme des »Wall Street Journal«-Journalisten Evan Gershkovich. Im Gespräch mit dem rechten US-Moderator Tucker Carlson deutete Kremlchef Wladimir Putin zuletzt einen Gefangenenaustausch an.

