RTL/ntv-Trendbarometer: Union und Merz sacken ab, AfD hat erstmals fünf Punkte Vorsprung
Politik
RTL/ntv-TrendbarometerUnion und Merz sacken ab, AfD hat erstmals fünf Punkte Vorsprung
28.04.2026, 13:00 Uhr Artikel anhören(06:26 min)00:00 / 06:26
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Unmittelbar vor einer entscheidenden Phase dieser Regierung ist die politische Stimmung in Deutschland so schlecht wie selten: Noch nie stand die AfD im Trendbarometer so weit vor der CDU/CSU. Und noch nie waren so viele Deutsche mit der Arbeit von Kanzler Merz unzufrieden.
Umfragen sind nur Momentaufnahmen, wiegeln Politiker gern ab, wenn die politische Stimmung gegen sie läuft. Diese Momentaufnahme allerdings hat es in sich: Erstmals steht die AfD im RTL/ntv-Trendbarometer fünf Prozentpunkte vor der Union. Und erstmals liegt die Union in der Einschätzung der politischen Kompetenz hinter der AfD.
Im Vergleich zur Vorwoche fallen CDU und CSU in der sogenannten Sonntagsfrage um zwei Prozentpunkte zurück, die AfD legt einen Punkt zu. Auch die Linke gewinnt einen Punkt. Die Werte der anderen Parteien haben sich nicht verändert.
Konkret könnten die Parteien mit folgendem Ergebnis rechnen, wenn in dieser Woche ein neuer Bundestag gewählt würde: AfD 27 Prozent (Bundestagswahl im Februar 2025: 20,8 Prozent), CDU/CSU 22 Prozent (28,5 Prozent), Grüne 15 Prozent (11,6 Prozent), SPD 12 Prozent (16,4 Prozent), Linke 12 Prozent (8,8 Prozent), FDP 4 Prozent (4,3 Prozent), sonstige Parteien 8 Prozent (4,6 Prozent).
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Der Anteil der Nichtwählerinnen und Nichtwähler sowie der Unentschlossenen liegt mit aktuell 26 Prozent weiter deutlich über dem Anteil der Nichtwähler bei der vergangenen Bundestagswahl (17,9 Prozent).
Bei 27 Prozent stand die AfD bereits im vergangenen September. Damals jedoch kam die Union noch auf 24 Prozent. Die aktuell 22 Prozent sind der schlechteste Wert von CDU und CSU seit Anfang Dezember 2021. Zu diesem Zeitpunkt hatten SPD, Grüne und FDP gerade ihren Koalitionsvertrag veröffentlicht; die CDU befand sich nach ihrer Wahlschlappe im innerparteilichen Wahlkampf um einen neuen Vorsitzenden, aus dem Friedrich Merz siegreich hervorging.
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Vor dem Hintergrund der allgemeinen politischen Stimmung ist es kein Wunder, dass auch die Zufriedenheit mit der Arbeit des Bundeskanzlers auf einem neuen Tiefpunkt steht. Nur noch 15 Prozent der Deutschen sind mit Merz' Arbeit zufrieden. 83 Prozent sind es nicht.
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Selbst unter den Anhängern der Union ist eine Mehrheit unzufrieden mit der Arbeit des Kanzlers. So schlechte Werte wie aktuell für Merz hat das Trendbarometer für seinen Vorgänger Olaf Scholz zu keinem Zeitpunkt gemessen.
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In der Bewertung ihrer politischen Kompetenz ist die Union ebenfalls abgerutscht. Auf die Frage, welche Partei mit den Problemen in Deutschland am besten fertig wird, nennen nur noch 13 Prozent die CDU/CSU. Die AfD legt einen Punkt zu und kommt auf 14 Prozent. Alle anderen Parteien sind einstellig: Grüne 8 Prozent, SPD und Linke jeweils 5 Prozent, sonstige Parteien 3 Prozent. Mehr als die Hälfte der Deutschen sagt, dass keine Partei mit den Problemen fertig werde.
Der ebenfalls erhobene Themenradar verweist auf einen Teil der Gründe für das schlechte Abschneiden der Regierungsparteien im Trendbarometer: Für 42 Prozent der Befragten ist der Iran-Krieg aktuell das wichtigste Thema, gefolgt von der allgemeinen ökonomischen Lage (37 Prozent). Die Arbeit der Bundesregierung nennen 29 Prozent als wichtiges Thema. Auf Platz vier stehen mit 21 Prozent die Benzinpreise.
Auch der zuletzt erkennbar zunehmende Streit zwischen Union und SPD bei zentralen Themen wie dem Tankrabatt dürfte stark zur Unzufriedenheit der Wähler mit dem Kanzler und den Regierungsparteien beigetragen haben: Wähler schätzen es nicht, wenn Koalitionen sich zerlegen, das musste schon die Ampel erfahren.
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Auch notwendige, aber unbeliebte Reformen tragen nicht zur Beliebtheit von Koalitionen bei. Das trifft aktuell Schwarz-Rot, wie weitere Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Forsa für das Trendbarometer zeigen. So lehnt eine große Mehrheit der Deutschen die von Merz verwendete Formulierung ab, die gesetzliche Rentenversicherung könne künftig nur noch eine "Basisabsicherung" sein. Noch größer ist der Anteil jener, die erwarten, dass die anstehende Gesundheitsreform vor allem zulasten der Versicherten geht.
Unverändert schlecht sind auch die wirtschaftlichen Erwartungen der Deutschen. Lediglich 13 Prozent erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland in den kommenden Jahren verbessern. 67 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Vor allem seit Beginn des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran haben sich die ohnehin mauen Wirtschaftserwartungen noch einmal verschlechtert.
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Die Daten zum RTL/ntv-Trendbarometer wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland zwischen dem 21. und dem 27. April erhoben. Datenbasis: 2503 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 2,5 Prozentpunkte. Datenbasis der politischen Kompetenz: 1008 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 3 Prozentpunkte.
Weitere Informationen zu Forsa hier.

