Nachrichten in der Welt


Nachrichten der Welt

News des Tages: Wladimir Putin lobt Joe Biden, Boris Pistorius ist beliebt, Johanna von Koczian ist tot

February 16
00:47 2024

1. Die Landung auf dem Roten Satz

Wladimir Putin sähe lieber Biden als Trump im Weißen Haus – ist das einer dieser Radio-Eriwan-Witze , über die mein Schwiegervater sich immer so freut? Was wäre die Pointe? Im Prinzip ja, nur umgekehrt?

Nein, Putin hat das wirklich gerade in einem Interview gesagt : »Biden, er ist erfahrener. Er ist vorhersehbar, er ist ein Politiker der alten Schule.« Zudem wirkt es fast, als verteidige Putin den US-Demokraten gegen Häme wegen seines hohen Alters. »Als ich Herrn Biden vor drei Jahren getroffen haben, haben die Leute tatsächlich bereits über seine Unzulänglichkeiten gesprochen, aber ich habe nichts dergleichen gesehen.« (Wie Bidens Leute ihn doch noch auswechseln könnten, lesen Sie hier .)

Will Putin mehr Chaos stiften im US-Wahlkampf? Immerhin scheinen da schon jetzt viele Leute viel Quatsch für wahr zu halten: Fast jeder Fünfte glaubt wohl die Verschwörungsmythen über Taylor Swift (hier mehr dazu). Oder ist es lediglich eine Propagandabehauptung, um Trumps Leuten Munition für den Wahlkampf zu liefern? Das hätte funktioniert: Trumps Sohn Donald Junior schlachtet die Zitate schon aus und behauptet, Putin könne Biden manipulieren (»play him like a fiddle«).

So eindeutig sei die Sache nicht, sagt meine Kollegin Ann-Dorit Boy aus unserem Auslandsressort: »Für Russlandexperten kommt Putins Absage an Trump nicht überraschend.« Anders als viele glauben, hoffe Putin nicht unbedingt auf Trumps Sieg. »In Moskau haben sie es wahrscheinlich wirklich lieber mit einem berechenbaren Amerika zu tun«, sagt Ann-Dorit. »Und Putin geht ohnehin davon aus, dass die Vereinigten Staaten dem Untergang geweiht sind.« Deshalb spiele es für ihn keine große Rolle, wer das Land führe.

Anfrage an Radio Eriwan: Ist die Sendung »Moskau. Kreml. Putin«, in der das Interview lief, ein unabhängiges journalistisches Format? Im Prinzip ja, es darf nur nicht frei berichten. Und die Moderatoren dürfen keine Kritik üben. Alles andere stimmt.

2. Der Ranglistenhöchste

Die Sicherheitskonferenz in München beginnt, zahlreiche Spitzenpolitiker reisen an, natürlich auch Boris Pistorius. Dessen Beliebtheitswerte erstaunen das sonst so abgeklärte politische Berlin, wie meine Kollegin Marina Kormbaki und mein Kollege Matthias Gebauer berichten, manche wähnen ihn schon auf dem Weg zur Kanzlerschaft : »Man muss die Zufriedenheitswerte für Kanzler Olaf Scholz, Vizekanzler Robert Habeck und Finanzminister Christian Lindner addieren, um in etwa auf die gut 50 Prozent von Pistorius zu kommen.« Ein formidabler Wert auf der fiktiven Helmut-Schmidt-Skala (die in Bayern natürlich Strauß-Maß hieße).

Traumwerte für einen Ampelpolitiker. Schließlich blicken die Deutschen auf ihre Regierung in etwa so wie Fußballfans auf die DFL und ihren Investorenbeschluss (dazu mehr hier ). Dazu kommt: Pistorius überbringt beunruhigende Botschaften. Er will Deutschland »kriegstüchtig«, in »fünf bis acht Jahren« könnte Russland ein Nato-Land angreifen. »Die Leute mögen Pistorius, obwohl er solche Zumutungen ausspricht«, schreiben Marina und Matthias. »Vielleicht aber auch gerade deshalb.«

Doch die Euphorie könne schnell in Enttäuschung umschlagen. »Nicht wenige in seinem Ministerium und in der Bundeswehr lästern schon«, berichten die beiden. »Pistorius’ Tatendrang sei ja beeindruckend, nur fehle es an Arbeitsaufträgen zur Umsetzung seiner Ideen.« Er müsse aufpassen, am Ende nicht als reiner Ankündigungsminister in die politischen Annalen einzugehen. Vielleicht muss sich noch niemand nach einem Flughafen umsehen, durch dessen Umbenennung sich der Verteidigungsminister ehren ließe.

3. Das bisschen Sozialhaushalt

Johanna von Koczian ist tot, sie wurde 90 Jahre alt. Sie war ein Star des deutschen Fünfzigerjahre-Kinos, in den Siebzigern brachte der Schlager »Das bisschen Haushalt« ihr neue Popularität (hier mehr). Der Songtitel wiederum schaffte es noch einmal im Dezember in die Schlagzeilen, als Ampelkoalition und Opposition über die Staatsfinanzen stritten.

»Da konnte leicht der Eindruck entstehen, der deutsche Sozialstaat habe in den vergangenen Jahren übermäßig zugelegt«, sagt mein Kollege Florian Diekmann. »Als sei er inzwischen, um im Bild zu bleiben, ein Übergewichtiger, der dringend abspecken muss.« Kindergrundsicherung, Inflationsausgleich beim Bürgergeld: »Es geht eben nicht mehr alles«, polterte CDU-Chef Friedrich Merz.

Aber was ist dran? Florian hat eine Datensammlung des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts ausgewertet . Sie zeigt: Die deutschen Sozialausgaben sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht schneller gewachsen als die Wirtschaftsleistung. »Das hat mich als Fachredakteur wenig überrascht – etwas anderes aber schon«, sagt er. »Im Vergleich zu anderen Industrienationen hat sich der deutsche Sozialstaat sogar sehr bescheiden entwickelt.«

Gut möglich, dass es in Zukunft schwierig werden wird, die Sozialsysteme zu finanzieren, besonders die Rente. »Aber zumindest im Augenblick kann von einem aufgeblähten Sozialstaat in Deutschland noch keine Rede sein.«

Was heute sonst noch wichtig ist

Mein Lieblingsheft heute: »Dein SPIEGEL«

Die Politik ist für Kinder nicht immer leicht zu durchschauen. Was hilft: Nachrichten gucken, hören und lesen. Mit offenen Augen durch die Welt gehen. Und ab und an spielerisch prüfen, wie gut man sich auskennt. In »Dein SPIEGEL«, dem Nachrichtenmagazin für junge Lesende, gibt es 30 Fragen, mit denen Kinder (und Erwachsene) ihr Wissen über das Weltgeschehen testen können. Außerdem im Heft: Besuch in einer der größten Tierkliniken Europas. Und: Die KiKa-Programmgeschäftsführerin Astrid Plenk erzählt, wer entscheidet, was im Kinderprogramm zu sehen ist.

Das Heft gibt es am Kiosk und Sie können es hier bestellen.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

  • Das jüngste Ampelopfer: Ana-Maria Trăsnea verlor bei der Wiederholungswahl in Berlin ihr Mandat. Nur neun Monate saß die Sozialdemokratin im Bundestag. Und jetzt?

  • »Ein mir bekanntes Saunabad hat sogar einen Sicherheitsdienst beauftragt«: Mit Klamotten in die Sauna, Gäste mit dem Handy filmen, mangelnde Hygiene: Berichten zufolge kommt es immer wieder zu Regelverstößen in Saunen. Wie groß ist das Problem? Der Geschäftsführer des Sauna-Bundes weiß Antworten .

  • Die deutschen Wurzeln der Luxusmarke Hermès: Das Unternehmen Hermès ist berühmt für Handtaschen und Seidenschals. Gegründet wurde es vom Sohn eines Krefelder Kneipenwirts. Forscher fanden nun heraus: Die Familie lebte weit länger am Niederrhein, als bisher bekannt war .

  • Sie ist ein Star, holt sie aus Wolfsburg raus: Von Wolfsburg zu den Bayern, von einem Spitzenverein zum anderen: Lena Oberdorfs Wechsel ist spektakulär und so teuer wie wohl keiner zuvor in Deutschland. Wie kam es dazu? Eine Analyse aus drei Perspektiven .

Was heute weniger wichtig ist

You say Goodbye, I say J-Lo: Jennifer Lopez, 54, hat sich nach eigenen Angaben erschreckt, als sie zum ersten Mal in der Öffentlichkeit erkannt und angesprochen wurde. Dem US-Magazin »Variety« sagte sie: »Ich war so schockiert. Ich dachte mir ›Oh Gott, ich bin nicht mehr anonym. Ich kann nicht mehr einfach die Straße entlanggehen.‹«

Mini-Hohlspiegel

Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.

Cartoon des Tages

Und heute Abend?

Könnten Sie kochen und zugleich das Jahr des Drachen feiern, das gerade in China begonnen hat, wie unsere Kolumnistin Verena Lugert schreibt. Sie empfiehlt Dan Dan Nudeln: »Die schmecken mit ein wenig Hack, herbem Pak Choi und vor allem mit dieser süchtig machenden Soße aus scharfem chinesischem Crispy Chili Oil, erdig-tiefem schwarzem Reisessig und süß-mildem Sesamöl nicht nur absolut köstlich.« Sie würden auch ein langes Leben versprechen (hier mehr dazu ).

Bis Dan! Ihnen einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion

Neueste Beiträge

13:56 Zitat aus Angreifer-Manifest: Trump fährt aus der Haut: “Ich bin kein Vergewaltiger”

0 comment Read Full Article