Boeing: US-Luftfahrtbehörde erlässt Flugverbot für 171 Maschinen nach Vorfall bei Alaska Airlines
Dem US-Flugzeughersteller Boeing steht nach einem dramatischen Zwischenfall, bei dem ein großes Kabinen-Teil während eines Flugs in den USA herausbrach, neuer Ärger mit seinem Flugzeugtyp 737 Max 9 ins Haus. Die US-Luftfahrtbehörde FAA teilte am Samstag mit, bestimmte Maschinen des Typs, die von US-Airlines oder auf US-Gebiet betrieben würden, müssten überprüft werden. Dabei gehe es um 171 Flugzeuge. Die Fluggesellschaft Alaska Airlines, zu der die betroffene Maschine gehörte, hatte zuvor mitgeteilt, dutzende der Flugzeuge des Airbus-Rivalen zunächst am Boden zu lassen.
Am Freitag war bei einer erst wenige Wochen alten 737 Max 9 der Alaska Airlines mit 177 Menschen an Bord in knapp 4900 Metern Höhe ein Teil herausgebrochen. Von Passagieren verbreitete Videos zeigen ein Loch in der Größe einer Flugzeug-Tür auf der linken Flugzeug-Seite auf Höhe der Sitzreihen. Der Sitz direkt neben dem Loch war laut Medien-Berichten unbesetzt gewesen. Durch das Loch im Rumpf war die schwarze Nacht zu sehen, eine Sitzreihe dahinter angeschnallte Passagiere mit aufgesetzten Sauerstoff-Masken.
»Wir erklären einen Notfall«
Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass der Pilot unmittelbar reagierte: »Wir erklären einen Notfall«, hieß es in einem Funkspruch an die Flugsicherung. Man müsse zunächst auf 3000 Meter Höhe absinken. Damit bezog sich der Pilot auf die Höhe, unterhalb derer das Atmen für gesunde Menschen ohne zusätzlichen Sauerstoff als möglich gilt. Die Maschine war auf dem Weg von Portland, Oregon, nach Ontario in Kalifornien. Der Pilot drehte nach dem Vorfall um und konnte die Maschine sicher landen. Berichte über mögliche Verletzte gab es zunächst nicht.
Es ist das jüngste Vorkommnis mit Boeings meistverkauftem Modell, das nach Abstürzen 2018 und 2019 in Indonesien und Äthiopien mit insgesamt 346 Toten aus Sicherheitsgründen fast zwei Jahre lang am Boden bleiben musste. Es stellte sich heraus, dass eine mangelhafte Cockpit-Software für die Abstürze verantwortlich war. Der Zwischenfall am Samstag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Boeing und ein wichtiger Zulieferer mit Produktions- und Qualitätsproblemen kämpfen.
Türförmige Lücke hinterlassen
Es blieb zunächst offen, was genau aus der Maschine herausgebrochen war. Fotos von Passagieren zeigen, dass ein Teil des Rumpfes, der manchmal für eine optionale Tür in der Mitte der Kabine verwendet wird, weggerissen wurde und eine türförmige Lücke hinterließ. Eine zusätzliche Tür wird in der Regel von Billig-Airlines eingebaut, die zusätzliche Sitze verwenden und mehr Wege für die Evakuierung benötigen.
Alaska-Airlines-Chef Ben Minicucci erklärte kurz nach dem Vorfall, die Flotte von 65 ähnlichen Boeing-Maschinen werde erst nach Sicherheitsinspektionen wieder in Betrieb gehen. Später teilte die Airline mit, mehr als ein Viertel der Inspektionen seien abgeschlossen. Dabei seien keine Probleme festgestellt worden. Laut »FlightRadar24« waren mehrere der Flugzeuge wieder in der Luft.
Bei Boeing hieß es ebenfalls, man untersuche den Vorfall und sammele weitere Informationen. Die 737 MAX 9 war erst Ende Oktober an Alaska Airlines ausgeliefert worden.

