Hochwasser in Deutschland: Braunschweig erwartet Flutwelle
Überschwemmte Straßen, durchweichte Böden, nasse Keller: In vielen Teilen Deutschlands kommen Menschen über Weihnachten nicht zur Ruhe, weil sie gegen Hochwasser kämpfen. In einigen Regionen entspannt sich die Lage zwar langsam, in anderen kann davon noch keine Rede sein. Flüsse drohen weiterhin über die Ufer zu treten.
Im niedersächsischen Braunschweig wird in den späten Abendstunden eine neue Hochwasserwelle der Oker erwartet. Wegen der drohenden Flut hat die Stadt mehrere Straßen in Flussnähe gesperrt, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Autofahrer wurden aufgefordert, dort parkende Fahrzeuge umzuparken. Straßen, die zur Oker führten, dürften überflutet werden, hieß es.
Am Vormittag war die Okertalsperre im Harz vollgelaufen, seither werde dort Wasser in den Fluss abgeleitet. Die maximale Kapazität der Okertalsperre ist den Angaben zufolge erreicht. Der vorgesehene Überlauf der Staumauer war teilweise geöffnet worden, sodass sich die Abgabe von bisher rund 16 Kubikmetern Wasser pro Sekunde auf derzeit etwa 30 Kubikmeter pro Sekunde erhöht hat.
Dies habe, so die Stadtverwaltung, mit entsprechender Verzögerung Auswirkungen auf die Hochwasserlage in Braunschweig. Die durch die Oker und ihre Nebenflüsse verursachten Überschwemmungen würden sich den Prognosen zufolge allerdings wohl auf die ausgewiesenen Überschwemmungsgebiete beschränken, hieß es.
Die in den Gebieten wohnenden Menschen seien aufgerufen, eigene Schutzvorkehrungen zu treffen. Das heißt unter anderem: Sandsäcke füllen und gegen die drohenden Wassermassen zum Einsatz bringen. Braunschweig hat an drei Stellen im Stadtgebiet Sand aufgeschüttet, an dem sich die Menschen bedienen können. Säcke würden gestellt, Schaufeln und Handschuhe seien mitzubringen.
Erster Ort wurde geräumt
In Sachsen-Anhalt wurden die etwa 180 Bewohner der Ortschaft Thürungen wegen drohender Überschwemmungen am vollgelaufenen Stausee Kelbra und an der Helme aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Alle Einwohnerinnen und Einwohner waren aufgerufen, bis spätestens 18 Uhr ihre Häuser zu verlassen. Wer nicht bei Verwandten oder Bekannten unterkam, konnte eine Notunterkunft in Kelbra nutzen. Auch in anderen Orten der Region sollten sich die Einwohner auf mögliche Evakuierungen vorbereiten.
Der Landrat des Landkreises Mansfeld-Südharz, André Schröder (CDU), hatte zuvor den Stab für außergewöhnliche Ereignisse einberufen. Die Ausmaße der Überschwemmungen seien schwer absehbar, so eine Sprecherin des Landkreises. Das Technische Hilfswerk werde unter anderem mit einer Sandsackbefüllmaschine helfen.
An der Elbe in Sachsen-Anhalt stehen die höchsten Wasserstände dieser Hochwasserwelle aus Richtung Sachsen erst noch bevor. Aus der Sächsischen Schweiz kommend wird die Alarmstufe drei in Dresden am Mittwochmorgen erwartet. Grund seien die Schneeschmelze und starke Niederschläge im Riesengebirge. Am Elbe-Pegel Barby wird aufgrund des Zuflusses aus der Saale für Mittwoch die Alarmstufe zwei erwartet.
Bei der Alarmstufe zwei richten Städte und Gemeinden einen Kontrolldienst ein, ab der Stufe drei gibt es einen ständigen Wachdienst, und es wird mit Maßnahmen der Deichverteidigung begonnen. Mit der Stufe vier besteht Gefahr für die Allgemeinheit, für Wirtschaft und für die Funktionstüchtigkeit wasserwirtschaftlicher Anlagen.
Die Stadt Dresden wappnet sich bereits für den weiteren Anstieg der Elbe. Die Feuerwehr sei im Einsatz und schütze das Laubegaster Ufer mit Sandsäcken, teilte die Stadt mit.
Im niedersächsischen Rinteln im Landkreis Schaumburg waren Bewohner einer Straße direkt an der Stadtmauer schon am Morgen vor Hochwasser in Sicherheit gebracht worden. In der betroffenen Straße seien die Keller vollgelaufen. Die Feuerwehr sei mit Pumpen vor Ort und staple Sandsäcke.
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte sich am Dienstag ein Bild von der Hochwasserlage im Land gemacht. Beim Besuch in Northeim, wo ein Damm gebrochen war, dankte er den Zehntausenden Helfern für ihren Einsatz über die Weihnachtsfeiertage.
Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gibt noch keine Entwarnung. »Tatsächlich ist die Lage in ganz Niedersachsen sehr angespannt«, sagte NLWKN-Direktorin Anne Rickmeyer. In vielen Teilen des Landes sei auch in den kommenden Tagen mit steigenden Pegelständen zu rechnen: »Wir haben ja einmal Hochwassersituationen in den großen Flüssen, aber wir haben natürlich auch überall im ganzen Land viele kleine Bäche, die anschwellen.«
Betretungsverbot für Windehausen in Thüringen
Im thüringischen Windehausen mussten Menschen bereits am ersten Weihnachtsfeiertag ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Der Ort wurde aufgrund der kritischen Hochwasserlage am Montag geräumt. Von den knapp 500 Einwohnern seien schätzungsweise noch 100 in dem Ort, so Matthias Marquardt, Bürgermeister der Stadt Heringen, zu der Windehausen gehört.
Am Dienstagnachmittag wurde für Windehausen ein Betretungsverbot verhängt. Damit sollten die begrenzte Zufahrt für die Rettungskräfte frei- und Katastrophentouristen abgehalten werden, sagte Marquardt: »Die Lage ist derzeit noch kritisch, aber stabil.«
Auch die Hochwasserlage in Nordrhein-Westfalen bleibt angespannt. »Wir haben überwiegend steigende oder gleich bleibende Hochwasserpegel«, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Düsseldorf. Dies führe zu Druck auf die Deiche.
Die Wasserstände an Flüssen und Bächen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland hingegen gehen bis auf wenige Ausnahmen zurück – und das dürfte in den kommenden Tagen auch erst mal so bleiben. »Die Tendenz ist fallend«, sagte ein Sprecher des Hochwassermeldedienstes in Mainz. Möglicherweise könnte es zum neuen Jahr wieder einen Anstieg geben: »Das ist aber noch Zukunftsmusik.«
Für die nächsten Tage erwartete auch der Deutsche Wetterdienst nicht die großen Regenmengen. Am Oberrhein waren Höchststände laut Hochwasservorhersagezentrale am Dienstag bereits erreicht, am Mittelrhein wurden die höchsten Stände im Verlauf des Dienstags erwartet, anschließend sollte das Wasser auch hier zurückgehen.
Auch in Bayern und in Hessen entspannt sich die Hochwasserlage tendenziell. An den für das Bundesland relevanten Pegeln seien den Prognosen zufolge die Höchststände zum großen Teil erreicht oder bereits durchlaufen, teilte das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) mit. Nur am Main werde der Scheitel noch erwartet.

