Alexej Nawalny in Strafkolonie in der Polarregion verlegt
Der russische Politiker Alexej Nawalny, über dessen Verbleib 19 Tage lang nichts bekannt war, wurde in der Strafkolonie Nr. 3 »Polarwolf« im Dorf Charp im Autonomen Bezirk der Jamal-Nenzen gefunden. Das berichtete Nawalnys Pressesprecherin Kira Jarmisch.
»Wir haben Alexej Nawalny gefunden. Er befindet sich in der Strafkolonie 3 im Dorf Charp im Autonomen Bezirk der Jamal-Nenzen. Heute wurde er von seinem Anwalt gesehen. Alexej geht es gut«, schrieb sie in X (früher Twitter).
Der Direktor der von Nawalny gegründeten »Stiftung für Korruptionsbekämpfung« Iwan Schdanow erklärte, dass Nawalnys Mitarbeitende 618 Anträge gestellt hätten und dass die Anwälte »jedes Untersuchungsgefängnis, manchmal mehrmals« durchsucht hätten, um Nawalny zu finden.
Eine der abgelegensten Kolonien Russlands
Anwälte, Verwandte und Bekannte von Alexej Nawalny wussten fast drei Wochen lang nicht, wo er war. Am 6. Dezember brach die Kommunikation mit ihm ab. In den ersten Tagen wurden seine Anwälte unter verschiedenen Vorwänden nicht in die Kolonie gelassen, woraufhin das Gericht erklärte, dass Nawalny am 11. Dezember »die Region Wladimir verlassen« habe, ohne genau zu sagen, wohin.
Das abgelegene Dorf Charp mit der Strafkolonie liegt mehr als 1800 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Moskau. Laut Schdanow ist die Strafkolonie Nr. 3 »eine der nördlichsten und abgelegensten Kolonien überhaupt«. Sie liegt in der Permafrostzone, das Klima ist rau, der Weg dorthin schwierig. Gefangene sind weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten, das digitale Briefzustellsystem über die Gefängnisbehörde funktioniert laut Schdanow nicht.
Es ist kein Zufall, dass Nawalny in die Strafkolonie gebracht wurde – für den 17. März sind Präsidentschaftswahlen angesetzt, Putin will sich erneut im Amt bestätigen lassen. Nawalny soll diesen Prozess nicht stören – er hatte, obwohl er sich in Haft befindet, immer wieder mit politischen kritischen Botschaften über seine sozialen Medien auf sich aufmerksam gemacht, die er über seine Anwälte an seine Mitstreiter übermitteln konnte.
Die Strafkolonie Nr. 3 wird von den Behörden schon lange als Kolonie für besonders angebliche »gefährliche Rückfalltäter« benutzt, wie die kremlkritische Zeitung »Nowaja Gaseta« bereits im Jahr 2006 schrieb. Als solcher war Nawalny im Prozess wegen angeblichen Extremismus eingestuft und zu 19 Jahren Haft verurteilt worden. In der Kolonie hatte auch Platon Lebedew, Geschäftspartner des Putin-Gegners und früheren Oligarchen Michail Chodarkowski, einen Teil seiner Haftstrafe verbringen müssen.

