USA beschuldigen proiranische Miliz als Drahtzieher von Drohnenattacke
Seit dem tödlichen Angriff auf amerikanische Soldaten in Jordanien sind zahlreiche Fragen offen. Wann werden die USA reagieren? Wie genau? Und vor allem: gegen wen? Zumindest letztere Frage ist nun beantwortet, die US-Regierung hat eine Gruppe als verantwortlich identifiziert.
»Wir glauben, dass der Anschlag von einer Dachorganisation namens ›Islamischer Widerstand im Irak‹ geplant, finanziert und durchgeführt wurde«, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, am Mittwoch in Washington. Die Organisation umfasse mehrere Gruppen, unter anderem die proiranische Miliz Kataib Hisbollah.
Bei dem Drohnenangriff auf den abgelegenen Stützpunkt Tower 22 in der Nähe der syrischen Grenze waren am Sonntag drei US-Soldaten getötet worden. Zahlreiche weitere Soldaten wurden verletzt. Biden machte »radikale, von Iran unterstützten militanten Gruppen« für den Angriff verantwortlich und drohte mit Vergeltung.
»Wir werden zum angemessenen Zeitpunkt und auf eine unserer Ansicht nach angemessene Weise reagieren«, sagte auch Kirby. »Nur weil Sie in den letzten 48 Stunden nichts gesehen haben, heißt das nicht, dass Sie nichts sehen werden«, fügte er hinzu.
Der »Islamische Widerstand im Irak« bekannte sich zu dem Angriff. Es handelt sich um eine Art Dachgruppe für proiranische Milizen im Irak, die seit dem 7. Oktober gemeinsam unter diesem allgemeinen Namen auftreten. Die von Iran unterstützte Kataib Hisbollah zählt zu den stärksten Milizen im Irak. Sie fordert den Abzug der US-Truppen aus dem Land.
Kataib Hisbollah hatte sich schon kurz nach der Attacke geäußert und eine Aussetzung aller Angriffe auf amerikanische Truppen angekündigt. Man wolle die Regierung in Bagdad nicht in Verlegenheit bringen, teilte die Gruppe am Dienstag mit.
Nach Angaben der irakischen Regierung gingen der Ankündigung von Kataib Hisbollah Verhandlungen von Ministerpräsident Mohammed Schia Al-Sudani mit dem Ziel voraus, eine Eskalation zu verhindern. Aus Regierungskreisen in Bagdad hieß es, der Angriff sei »offensichtlich ein Schritt zu viel« gewesen. Nun stünden alle am Scheideweg.
Seit Beginn des Gazakrieges zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Oktober haben proiranische Milizen fast täglich Angriffe auf US-Militärstützpunkte im Irak und in Syrien verübt. Die US-Regierung hat darauf mit Luftschlägen in beiden Ländern reagiert. Außerdem greifen die jemenitischen Huthi – aus Solidarität mit der Hamas – immer wieder Frachter im Roten Meer an. Als Reaktion darauf hatten die USA und Großbritannien mit der Unterstützung Verbündeter Militärschläge gegen die von Iran unterstützte Miliz im Jemen ausgeführt.
Druck auf Biden wächst – und Fragen zur Flugabwehr offen
US-Präsident Joe Biden ist im Wahljahr durch den Angriff innenpolitisch unter Druck geraten: Die Republikaner haben ihm Untätigkeit vorgeworfen. Biden beschuldigte Iran, die Waffen für den tödlichen Drohnenangriff beschafft zu haben. »Ich mache sie insofern verantwortlich, als dass sie den Leuten, die das getan haben, die Waffen zur Verfügung gestellt haben«, sagte Biden. Teheran hatte jegliche Verbindung zu dem Angriff von sich gewiesen.
Auch zum Ablauf des Angriffs sind noch Fragen offen: Unter anderem das »Wall Street Journal« , die »New York Times« und der Sender »Fox News« berichteten am Montag unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, die feindliche Drohne der Attacke habe sich zeitgleich mit einer US-Überwachungsdrohne dem Stützpunkt genähert. Deshalb sei zunächst unklar gewesen, ob es sich um eine eigene oder feindliche Drohne gehandelt habe. In der Folge sei die Luftabwehr nicht sofort zum Einsatz gekommen, hieß es.
Zwei weitere Drohnen an Orten in der Nähe wurden den Berichten zufolge hingegen abgeschossen. Das Pentagon hatte am Montag auf Nachfrage erklärt, der Vorfall werde derzeit noch untersucht.

