Ukraine: Wolodymyr Selenskyj tauscht Armeespitze aus
Die Ukraine ordnet laut Präsident Wolodymyr Selenskyj die Führung ihrer Armee neu. Er habe sich mit Generalstabschef Walerij Saluschny getroffen und ihm gesagt, es sei an der Zeit, dass jemand Neues die Armee anführe.
Er habe Saluschny aber gebeten, im »Team« zu bleiben, schrieb Selenskyj auf X, vormals Twitter. Saluschny selbst sagt, es seien Entscheidungen getroffen worden, um Taktik und Strategie zu ändern. Die Aufgaben in diesem Jahr seien andere als im Jahr 2022. Jedermann sollte sich den neuen Realitäten anpassen.
Auch die Nachfolge ist bereits geregelt. Neuer Armeechef wird Olexsandr Syrskyj. Der 58-Jährige war bislang Kommandeur der Landstreitkräfte. Er machte sich bei der Verteidigung von Kiew im Frühjahr 2022 und der Rückeroberung des Charkiwer Gebiets im Herbst 2022 verdient.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg teilte mit, es handle sich selbstverständlich um eine Entscheidung der Ukraine. Er begrüße die Aussage von Außenminister Kuleba, dass Wechsel nichts an der Beziehung der Ukraine zu Partnerländern und der Nato änderten. Man werde die Unterstützung der Ukraine fortsetzen.
Zerwürfnis zwischen Selenskyj und Saluschny
In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Berichte über ein Zerwürfnis zwischen Selenskyj und Saluschny gegeben. In mehreren Punkten soll es Differenzen zwischen den beiden gegeben haben.
Das Präsidentenbüro verdächtigte Saluschny oder zumindest dessen Umfeld, politische Ambitionen zu hegen. Das Vertrauensverhältnis der beiden galt spätestens als belastet, nachdem Saluschny im November in der britischen Zeitschrift »Economist« einen ausführlichen Artikel zum Kriegsverlauf samt Interview veröffentlicht hatte. Dies geschah laut Präsidentenbüro ohne Absprache. Der Armeechef zeichnete ein düsteres Bild von einem Patt, ähnlich dem Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg – Selenskyj verbreitete auf der Suche nach westlichen Waffen zu der Zeit noch Optimismus. Er widersprach Saluschny.
Ein weiterer Streitpunkt waren unterschiedliche Auffassungen zum weiteren militärischen Vorgehen. Selenskyj fehlen Erfolge an der Front im vergangenen Jahr und offenbar auch konkrete Pläne, wie besetzte Territorien zu befreien sind.
Einen Konflikt gab es auch wegen des Personalbedarfs des Militärs. Saluschny hatte Selenskyj unter anderem aufgefordert, rund eine halbe Millionen mehr Menschen für das Militär einzuziehen, um die erschöpften Soldaten an der Front zu entlasten. Selenskyj sagte im Dezember bei einer Pressekonferenz, dafür brauche er Argumente. Im Januar lehnte das Parlament in Kiew ein entsprechendes Gesetz ab.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hatte sich erst vor wenigen Tagen für Saluschny eingesetzt. »In vielerlei Hinsicht ist es Saluschny zu verdanken, dass die Ukrainer wirklich an unsere Streitkräfte geglaubt haben«, schrieb Klitschko im Messengerdienst Telegram. Der General habe dabei während des Krieges mehrfach schwierige Situationen überstanden.
Die Ukraine wehrt seit fast zwei Jahren eine russische Invasion ab. Saluschny werden hohe Verdienste bei der Verteidigung von Kiew und der Rückeroberung von Gebieten in der Ost- und Südukraine zugeschrieben. In Umfragen ist der General beliebter als Präsident Selenskyj.

