Taylor Swift und ihre Flugdaten: Wer ist der 21-Jährige, der sie und Elon Musk verärgert?
Jack Sweeney hat Ärger mit einem Megastar, mal wieder. Wie die »Washington Post« jetzt bekannt machte , hat der Student aus Florida im Dezember und Januar Anwaltsschreiben erhalten, die ihn auffordern, die Flugdaten von Taylor Swifts Privatjet nicht länger über seine Social-Media-Accounts zu verbreiten. Onlinekonten wie »Taylor Swift's Jets« hätten der Sängerin und ihrer Familie »direkten und nicht wiedergutzumachen Schaden« zugefügt, heißt es in einem der Schreiben, welches der »Washington Post« zufolge von einer Anwaltskanzlei stammt, die Swift vertritt. »Während dies für Sie vielleicht ein Spiel ist oder ein Weg, von dem Sie sich Reichtum oder Ruhm erhoffen, geht es für unsere Mandantin um Leben und Tod«, wird aus dem Schreiben zitiert. Taylor Swift habe öfter Probleme mit Stalkern.
Während ein solcher Anwaltsbrief andere Internetnutzerinnen und Internetnutzer wohl schnell in Panik versetzen könnte, gibt sich Sweeney gelassen. Der 21-jährige sieht darin einen Versuch, ihn einzuschüchtern, öffentlich verfügbare Daten zu teilen. Seine Accounts lieferten nur eine unvollständige Skizze der Städte, in denen Swift sein könnte, betont er, ähnlich wie öffentliche Hinweise auf ihre Konzerte oder Football-Spiele, die sie besuchen könnte. Die Unterlassungsaufforderung sei zudem zu einem Zeitpunkt verschickt worden, an dem Swift wegen der Auswirkungen ihrer Privatflüge auf die Umwelt in der Kritik stand.
Neu ist die jetzige Drucksituation für Sweeney nicht. Mit Bots zeichnet der Softwareentwickler und Computer-Science-Student der University of Central Florida schon länger online die Flüge Prominenter nach, darunter Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Kim Kardashian und Donald Trump . Und er hat sich wegen genau dieses Trackings auch schon mit dem reichsten Mann der Welt gezofft, mit Elon Musk. Wie nun offenbar auch Swift störte sich der Tesla-Chef sehr daran, dass Sweeney mit ElonJet genannten Accounts darauf hinwies, wo sein Privatjet gestartet und gelandet war.
Musks Flüge tauchen auf X nur noch zeitverzögert auf
Im Zuge seines Streits mit Sweeney hatte Musk 2022 sogar die Plattformregeln von X geändert, der ursprüngliche ElonJet-Account war im Zuge des Konflikts gesperrt worden. Inzwischen ist Sweeney auch wieder auf X aktiv, alle Informationen zu Musks Flügen erscheinen dort jedoch nur noch mit einer künstlichen Verzögerung von mindestens 24 Stunden, über einen Account namens ElonJetNextDay. Das ist auf Mastodon, wo Musk nicht die Hoheit über die Plattform hat, anders – hier sind die Daten aktueller. Als Grundlage für seine Bots nutzt Jack Sweeney sowohl Informationen der US-Luftfahrtbehörde, als auch Daten, die Menschen ins Netz stellen, die hobbymäßig Flugzeuge tracken. Diese Informationen sind prinzipiell öffentlich und finden sich auch auf zahlreichen Flugtracking-Webseiten im Netz.
Anlässlich der Meldung, dass Swifts Anwälte Sweeney angeschrieben haben, kommentierte Elon Musk jetzt auf X, dass der 21-Jährige »ein furchtbarer Mensch« sei. Taylor Swift sei zu Recht besorgt, so der Multimilliardär. Jack Sweeney wiederum konterte Musks Schmähung mit dem Verweis auf einen Medienbericht aus dem November. In dem Artikel von »Business Insider« ging es um Gerichtsdokumente, laut denen eine Person aus dem Anwaltsteam der Musikerin Grimes tagelang Musks Jetflüge getrackt haben soll, damit ihm Sorgerechtspapiere zugestellt werden können. Grimes und Musk haben laut Medienberichten drei gemeinsame Kinder.
Jack Sweeney betonte am Dienstag ebenfalls, dass Elon Musk ihm einst 5000 Dollar dafür geboten haben, seinen Service offline zu nehmen. »Außerdem haben Sie mir gedroht, mich zu verklagen«, schrieb er über X an den Unternehmer, »und hier sind wir, ein Jahr später.« Zuvor hatte Sweeney eine Nachricht des Unternehmers Mark Cuban geteilt, die das Zitat »Integrität ist die Fähigkeit, zu einer Idee zu stehen« enthielt. Man kann das alles interpretieren als: Sweeney will sich nicht kleinkriegen lassen, weder vom reichsten Mann der Welt, noch von der derzeit wohl präsentesten Musikerin der Welt.
Instagram und Facebook haben die Swift-Accounts offline genommen
Zur Frage der »Washington Post«, ob es wohl Belege dafür gebe, dass Stalker von Taylor Swift die Privatjet-Daten genutzt hätten, hieß es derweil von einer Sprecherin aus Swifts Umfeld: »Wir können laufende polizeiliche Ermittlungen nicht kommentieren, aber wir können bestätigen, dass das Timing von Stalkern eine Verbindung nahelegt.« Auch Elon Musk hatte Ende 2022 argumentiert, dass das Projekt ElonJet ein Risiko für seine persönliche Sicherheit darstelle. Mit einem Videoclip machte er damals auf einen Stalking-Vorfall im Umfeld seiner Familie aufmerksam.
Wie es mit den Accounts zu Taylor Swifts Flügen nun weitergeht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Auf Instagram und Facebook sind Sweeneys Swift-Konten aktuell nicht mehr aufzufinden, laut der »Washington Post« hat Meta sie offline genommen. Bei X werden Swifts Flüge ähnlich wie die von Musk nur mit zeitlichem Abstand aufgeführt, während es auf Bluesky, Mastodon und Telegram bisher augenscheinlich keine künstliche Verzögerung bei den Postings gibt.
»Hier geht es nicht darum, jemandem einen GPS-Tracker anzustecken und in seine Privatsphäre einzudringen«, zitiert »Washington Post« noch einen Anwalt Sweeneys. Vielmehr gehe es darum, öffentliche Informationen zu nutzen, um den Jet einer öffentlichen Person zu verfolgen. Die Drohungen von Swifts Anwaltsteam seien ein Mittel, um ein PR-Problem der Sängerin loszuwerden und seinen Mandanten zu schikanieren.
Dass Sweeney weiter an seinen Tracking-Projekten arbeiten möchte, hatte er bereits im November öffentlich zu Protokoll gegeben . Damals hatte ihn »Forbes« auf eine Top-30-unter-30-Liste für Nordamerika gesetzt, im Bereich Verbrauchertechnologie. Ausgezeichnet wurde Sweeney dabei für seine Bots . Der Student habe »Journalisten, Forschern und Hobbyisten geholfen, Flugzeuge über soziale Medien zu verfolgen«, lobte ihn das bekannte Wirtschaftsmagazin.

