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Israel stimmt Feuerpause zu – Hamas lässt mindestens 50 Geiseln frei

November 22
06:56 2023

Israels Regierung hat einer viertägigen Feuerpause im Gazakrieg sowie dem Austausch von Geiseln gegen palästinensische Häftlinge zugestimmt. Eine Mehrheit des Kabinetts stimmte für eine entsprechende Vereinbarung mit der islamistischen Hamas, teilte das Büro von Regierungschef Benjamin Netanyahu mit.

Demnach werden mindestens 50 Frauen und Kinder freigelassen, die seit Anfang Oktober als Geiseln im Gazastreifen festgehalten werden. Die Hamas bestätigte die Freilassung der 50 Geiseln und teilte mit, das Abkommen sehe im Gegenzug die Freilassung von 150 palästinensischen Gefangenen vor.

Vor der Bekanntgabe des von Katar vermittelten Deals sagte Netanyahu, US-Präsident Joe Biden habe geholfen, das vorläufige Abkommen zu verbessern, sodass es mehr Geiseln und weniger Zugeständnisse umfasse. Israelischen Medien zufolge soll es sich um 30 Kinder, acht Mütter sowie zwölf ältere Frauen handeln. Mindestens drei von ihnen sollen die US-Staatsbürgerschaft besitzen.

Die Vereinbarung soll auch eine mögliche Verlängerung der Feuerpause vorsehen. Pro Tag müsste die Hamas dann jeweils zehn weitere Geiseln freilassen. Israel geht davon aus, dass so insgesamt 80 Geiseln freikommen könnten.

In Israel wird erwartet, dass die schrittweise Freilassung der Geiseln bereits am Donnerstag beginnen könnte. Nach Angaben eines Regierungssprechers können Angehörige von Terroropfern innerhalb von 24 Stunden Einspruch beim Obersten Gericht gegen die Freilassung von Häftlingen einreichen. Es wird nicht erwartet, dass das Oberste Gericht gegen die Entscheidung der Regierung vorgehen wird. Medienberichten zufolge sollen keine Häftlinge freigelassen werden, die wegen Mordes verurteilt wurden. Das Parlament muss der Vereinbarung nach Angaben des Regierungssprechers nicht zustimmen.

Nach der Feuerpause sollen die Kampfhandlungen im Gazastreifen fortgesetzt werden. Der Krieg werde weitergehen, »bis wir alle unsere Ziele erreicht haben«, sagte Netanyahu am Dienstagabend vor der Abstimmung im Kabinett. Zu den Zielen Israels gehörten die Eliminierung der Hamas sowie die Rückkehr aller Geiseln. Zudem dürfe es in Gaza keine Bedrohung für Israel mehr geben.

Freilassung in fünf Schritten

Bereits am Nachmittag waren Details der Vereinbarung durchgesickert . Demnach sollen auch 300 Lastwagen mit Lebensmitteln, medizinischen Gütern und Treibstoff in den Gazastreifen gelassen werden.

Nach Angaben israelischer Medien ist ein Zugang von Mitarbeitern des Internationalen Roten Kreuzes zu den noch verbliebenen Geiseln Teil der Vereinbarung, einschließlich deren Versorgung mit Medikamenten. Demnach soll die Übergabe der israelischen Geiseln in fünf Schritten erfolgen. Zunächst soll die Hamas die Geiseln an Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes übergeben. Diese bringen sie dann zu Angehörigen der israelischen Streitkräfte, welche die Geiseln medizinisch untersuchen sollen.

Im nächsten Schritt sollen die Geiseln auf fünf unterschiedliche Kliniken in Israel aufgeteilt werden. Dort hätten sie auch Gelegenheit Familienangehörige zu treffen. Nach den Untersuchungen sollen israelische Mediziner und Militärs entscheiden, ob zumindest einige der Geiseln direkt befragt werden könnten. Alle, die nicht vernehmbar sind, sollen in einem fünften Schritt zu einem späteren Zeitpunkt verhört werden.

Dabei ist der Verbleib mancher Geiseln unklar. So meldet der israelische TV-Kanal Channel 12, dass die Hamas zehn der Kinder, die seit den Angriffen vom 7. Oktober vermisst werden und in der Hand der Terroristen vermutet wurden, nicht sofort ausfindig machen konnte. Nach eigenen Angaben habe die Hamas 210 der rund 240 entführten Geiseln in ihrer Gewalt, darunter etwa 40 Kinder. Die Terrorgruppe »Islamischer Dschihad« soll viele der verbleibenden Geiseln in seiner Gewalt haben.

Unterdessen hat der »Islamische Dschihad« bekannt gegeben, dass eine seiner Geiseln gestorben sei. So sei die 76-jährige Katzir H. an den Folgen medizinischer Komplikationen gestorben. H. war aus der Stadt Nir Oz im Süden Israels entführt worden. Der »Islamische Dschihad« beschuldigte Israel, die Verhandlungen über eine Freilassung hinausgezögert zu haben und am Tod von H. schuldig zu sein.

Terroristen der Hamas und anderer Extremistengruppen hatten am 7. Oktober in Israel etwa 1200 Menschen ermordet und rund 240 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Seitdem greift Israel Ziele im Gazastreifen aus der Luft und mit Bodentruppen an. Die Befreiung der Geiseln gilt als eines der Hauptziele der Militäroperation.

Seit Kriegsbeginn wurden vier weibliche Geiseln von der Hamas freigelassen. Eine junge Soldatin konnte vom Militär befreit werden. Die Armee fand zudem die Leichen zweier Frauen. Unter den Entführten sind zahlreiche Ausländer oder Doppelstaatsbürger, darunter mehrere Deutsche. Wie viele noch am Leben sind, ist unklar.

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