Israel-Gaza: Tote und Verletzte bei Raketeneinschlägen im Gazastreifen
Beim Einschlag eines Geschosses in einer Uno-Schule im nördlichen Gazastreifen soll es am Samstag zahlreiche Tote gegeben haben. Ein Sprecher des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums in Gaza berichtete von vielen Toten und Verletzten in der Schule im Flüchtlingsviertel Dschabalia. Er warf der israelischen Armee vor, das Gebäude angegriffen zu haben. Das Militär teilte mit, man prüfe die Berichte.
Online verbreitete Aufnahmen zeigten mit Staub und Blut befleckte Leichen in dem Gebäude, wo Matratzen unter Schulbänken ausgebreitet waren.
Auch das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) hat nach eigenen Angaben Bilder von einem Angriff auf die Schule im Norden des Gazastreifens erhalten. Zahlreiche Menschen seien getötet oder verletzt worden, schrieb UNRWA-Generalkommissar Philippe Lazzarini auf der Plattform X, vormals Twitter. Die Fotos und Filmaufnahmen seien entsetzlich. »Diese Angriffe können nicht zur Normalität werden, sie müssen aufhören.« Eine humanitäre Waffenruhe dürfe nicht länger aufgeschoben werden.
Die israelische Nachrichtenseite ynet schrieb, es sei unklar, ob es sich um einen israelischen Angriff oder eine fehlgeleitete Rakete palästinensischer Terroristen handelte. Aus dem Gazastreifen wurden am Samstag nach israelischen Militärangaben erneut mehrere Raketen auf israelische Grenzorte sowie die Küstenstadt Aschkelon abgefeuert. Nach Darstellung der israelischen Armee geht etwa ein Fünftel der abgefeuerten Raketen im Gazastreifen nieder.
Der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza sagte zudem, es habe auch einen zweiten Angriff auf eine Schule gegeben, im nördlichen Beit Lahia. Es habe Tote und Verletzte gegeben. Die Armee teilte mit, auch hier würden die Berichte geprüft. Israels Armee fordert die Einwohner des nördlichen Gazastreifens seit mehr als einem Monat immer wieder dazu auf, zu ihrer eigenen Sicherheit in den Süden des Küstenstreifens zu fliehen.
Auch im Süden des Gazastreifens gab es nach palästinensischen Angaben Tote. Bei israelischen Luftangriffen auf Wohnblocks wurden demnach mindestens 32 Menschen getötet. In der Nacht habe es bei einem Luftangriff auf ein mehrstöckiges Gebäude im Gebiet Chan Junis 26 Tote und 23 Verletzte gegeben, teilte der der Hamas unterstehende Gesundheitsdienst mit. Einige Kilometer entfernt seien sechs Palästinenser nach einem Luftangriff auf ein Haus gestorben.
Das israelische Militär äußerte sich zu den Angaben zunächst nicht. Es hat wiederholt behauptet, die Hamas-Kämpfer würden Wohnhäuser im dicht besiedelten Gazastreifen als Deckung nutzen.
Tanklaster erreichen Gazastreifen
Einen Tag nach der Zusage Israels, für humanitäre Zwecke täglich die Einfuhr einer begrenzten Menge Treibstoff in den Gazastreifen zu erlauben, sind nach Angaben von Helfern mit Diesel befüllte Tankwagen angekommen. Der Generalsekretär des Ägyptischen Roten Halbmondes (ECR), Raed Abdel Nasser, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Samstag, dass drei mit rund 129 000 Litern Diesel beladene Lastwagen eingetroffen seien. Das Uno-Hilfswerk für Palästinenser (UNRWA) erklärte, für humanitäre Einsätze sei viel mehr nötig als die Menge, die angekommen sei.
Nach UNRWA-Angaben erlaubten die Israelis nur die Einfuhr von rund 120.000 Litern aus Ägypten in das abgeriegelte Küstengebiet – also etwas weniger, als vom Roten Halbmond angegeben. Wieso die Mengenangaben etwas unterschiedlich ausfielen, ließ sich zunächst nicht abschließend klären. UNRWA erklärte, die aktuelle Lieferung »ist viel zu wenig, um den Bedarf der Entsalzungsanlagen, Kläranlagen, Krankenhäuser, Wasserpumpen in Unterkünften, Lastern für Hilfsgüter, Krankenwagen, Bäckereien und für das Kommunikationsnetzwerk ohne Unterbrechung zu decken«.
Nach Angaben von Uno-Nothilfekoordinator Martin Griffiths sind für eine minimale humanitäre Versorgung täglich rund 200.000 Liter nötig. Israel hatte am Freitag die Einfuhr von Diesel für humanitäre Zwecke in den Gazastreifen genehmigt. Am Mittwoch war erstmals seit Beginn des Gazakriegs wieder ein Tankwagen in den Gazastreifen gelangt. Er hatte rund 23.000 Liter Treibstoff an Bord. Dem Roten Halbmond zufolge gab es zudem am Freitag eine Lieferung mit rund 17.000 Litern.
Al-Schifa-Krankenhaus offenbar weitgehend geräumt
Am vierten Tag eines israelischen Militäreinsatzes im Al-Schifa-Krankenhauses in der Stadt Gaza haben am Samstag hunderte Menschen die Klinik verlassen. Die Menschen flohen zu Fuß in Richtung Süden, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Das von der radikalislamischen Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium erklärte, es seien nur noch etwa 120 Verletzte und eine nicht näher genannte Zahl von Frühgeborenen in der Klinik.
Dazu, wer die Evakuierung angeordnet hatte, wurden widersprüchliche Angaben gemacht: Am Samstagmorgen riefen israelische Soldaten nach Berichten eines AFP-Journalisten im Krankenhaus über Lautsprecher zur Evakuierung der Einrichtung »binnen einer Stunde« auf. Krankenhausleiter Mohammed Abu Salmija sagte AFP, er sei von der israelischen Armee angewiesen worden, »die Evakuierung von Patienten, Verletzten, Vertriebenen und medizinischem Personal« sicherzustellen.
Die israelische Armee wies die Darstellung zurück, wonach sie die Evakuierung angeordnet habe. Das Militär habe lediglich dem »Ersuchen des Direktors des Schifa-Krankenhauses« stattgegeben, die Evakuierung weiterer Menschen aus dem Krankenhaus zu ermöglichen, hieß es in einer Erklärung.
Die Armee sucht auf dem Klinikgelände seit Tagen nach der Hamas-Einsatzzentrale, die sie unter dem weitläufigen Komplex vermutet. Uno-Angaben zufolge befanden sich vor Eintreffen der israelischen Armee auf dem Gelände am Mittwoch rund 2300 Patienten, Verletzte und Vertriebene in dem Krankenhauskomplex.
Krankenhausvertreter sagten AFP, einige Mitarbeiter seien in der Klinik zurückgeblieben, um die verbliebenen Menschen zu versorgen. Schlangen von Kranken und Verletzten, Ärzte, Pflegepersonal und Flüchtlinge waren beim Verlassen des Krankenhauses Richtung Küste zu sehen. Rund um die Einrichtung ertönten Explosionen.

