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Regime Change like it’s ’84?: Trump zwingt der Welt einen Krieg aus der Vergangenheit auf

March 11
23:06 2026

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Regime Change like it’s ’84?Trump zwingt der Welt einen Krieg aus der Vergangenheit auf

11.03.2026, 17:29 Uhr imageEin Kommentar von Roland PetersArtikel anhören(07:56 min)00:00 / 07:56

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US-Präsident Donald Trump – was hat er noch vor? (Foto: AP)

Sinn, Unsinn, Widersinn? Im Krieg im Nahen Osten kulminieren Trumps Obsessionen aus der Vergangenheit, die er mit militärischer Gewalt in die Welt trägt. Dabei war die ohne ihn schon viel weiter. Sie muss nun die Folgen ertragen.

Manchmal verändert die Macht den Menschen. Manchmal holt sie aber auch nur hervor, was schon vorhanden war. Donald Trump hatte sich schon lange vor seinen Amtszeiten als US-Präsident immer wieder zu politischen Themen und Überzeugungen geäußert. Vieles hatte den typischen Ton von „Wenn ich entscheiden dürfte“. Das darf er nun schon eine Weile, und seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus wirkt es, als wolle er alles auf einmal tun, was er früher nicht konnte.

Der Iran-Krieg kombiniert gleich mehrere seiner Obsessionen aus einer anderen Zeit. Imperiale Ansprüche, eine Fixierung aufs Öl und eine Vorliebe für militärische Machtdemonstrationen. Damit ist Trump, man denke nur an Russlands Staatschef Wladimir Putin, nicht der Einzige. Aber der Einflussreichste.

Trumps innerer Kompass stammt aus den 1980er Jahren. Schon damals, kurz nach der Islamischen Revolution, hatte er gefordert, die USA hätten Irans Ölfelder militärisch unter ihre Kontrolle bringen sollen. Aktuell sinniert er erneut laut darüber, es heißt, der Krieg im Nahen Osten werde sich lohnen, weil durch ein neues Überangebot an Öl die Energie- und damit alle Verbraucherpreise sich verringern würden. Alle sollten ihm für den Krieg dankbar sein, forderte der Präsident. Dafür kommandiert Trump sein Militär durch die Welt, es soll einfache Lösungen für komplizierte Konflikte bringen.

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Bomben bis zur Kooperation

Kaum auszumalen, was passiert wäre, wenn Trump etwa 1984 Zugang zum roten Knopf gehabt hätte. Damals war der Kalte Krieg kurz vor der atomaren Eskalation. Es gibt Parallelen zum damaligen Präsidenten Ronald Reagan, schreibt ein Kommentator in der „Washington Post“: Trump vermeide, wie damals Reagan im Nachgang des Vietnamkriegs, neue Bodeneinsätze des Militärs. Er verwende zunächst Sanktionen und Zölle, um „Gegnern der USA“ den Willen Washingtons aufzuzwingen. Geben sie nicht nach, wende er militärische Gewalt an, um die Regierungen zu „enthaupten“. Wenn die nachfolgende nicht besser sei, griffen die USA wieder aus der Luft an. So lange, bis eine kommt, die mit dem Weißen Haus kooperiert. Doch auch diese Vorgehensweise ist umstritten: Der Krieg der USA gegen den Iran ist bei Wählern der unbeliebteste, der je mit Umfragen gemessen wurde.

Für den Kriegs hat sich Trump laut eigener Aussage nach Gesprächen mit seinem Schwiegersohn Jared Kushner, seinem Sondergesandten Steve Witkoff, Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth entschieden. Kushner und Witkoff sind Immobilienunternehmer mit Geschäftsinteressen im Nahen Osten, sie interpretieren Diplomatie als Business-Meetings. Hegseth ist ein radikaler, Gewalt predigender Christ, der in seinen Pressekonferenzen auftritt, als halte er sich für eine Actionfigur. Man mag sich gar nicht vorstellen, mit welchen Argumenten die Unterhaltungen im Weißen Haus ablaufen, auf deren Basis dann Trump abwägt. Sollte Rubio der letzte sogenannte Erwachsene im Raum sein – seine Argumente hätten wohl kaum eine Chance.

Wofür sich der Präsident da entschieden hat, ist ohnehin vage, was einen Rattenschwanz an Fragen nach sich zieht. Die Kriegsziele ändern sich mitunter stündlich, da Trump im wahrsten Sinne des Wortes herumpalavert. Mehr als 30 Einzelinterviews hat der Präsident laut „Politico“ in den ersten zehn Tagen nach Kriegsbeginn gegeben, dazu Fragen zwischen Tür und Angel beantwortet, eine Pressekonferenz gegeben und sich in sozialen Medien geäußert. Dazu kommen noch die Äußerungen seiner Sprecherin. All die Kommunikation ist sinnlos, wenn überhaupt, dann ist nur ein Muster möglich: kalkuliertes Chaos, damit alle nach seiner Pfeife tanzen. Flood the zone.

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Interessen überschneiden sich

Das Problem von Trumps Weltsicht ohne internationale Regeln und Institutionen ist, dass sich die Einflusssphären und Interessen der vermeintlich starken Männer der Welt überschneiden. Iran liefert sein Öl insbesondere nach China, dem größten Rivalen der USA. Die Vereinigten Staaten wollen sich aus Ukraine-Krieg heraushalten, wegen des selbst ausgelösten Ölpreisschocks lockern sie jedoch ihre Sanktionen gegen den dortigen Aggressor Russland. Die Ukraine hilft zugleich den Staaten im Nahen Osten bei der Drohnenabwehr gegen den mit Russland verbündeten Iran. Mit den Folgen muss sich auch Europa herumschlagen.

Kaum etwas fixt Trump mehr an als der schwarze Rohstoff, obwohl der ein Konzept von gestern ist. Ja, Öl und Gas sind weiterhin nötig, fossile Brennstoffe gehören noch immer in jeden Energiemix, aber nein, sie sind nicht die Energie der Zukunft. Wer sich unabhängig vom Öl macht, wird auch unabhängiger von den Weltmachtlaunen alter Männer. Das ist effektive Risikoverringerung, die umso wichtiger wird, weil dieselben Personen anscheinend nichts Besseres zu tun haben, als ihre geopolitischen Machtspiele auf dem Rücken aller auszutragen. Trump wird im Juni 80 Jahre alt, Putin ist wie Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu 76, Chinas Staatschef Xi Jinping mit 72 ein junger Hüpfer.

Trump schimpft bitterlich über Erneuerbare Energien und insbesondere die böse Windkraft – in Deutschland der wichtigste Energieträger –, und wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, dass der Klimawandel menschliches Leben bedroht, wirft er in den Müll. Bloß nicht die alten Machtdynamiken verändern, ja nicht die alte Profitmaschine riskieren, auf keinen Fall etwas Neues wagen. Vorwärts in die Vergangenheit, denn nur da kennt Trump sich aus. Es ist, als wäre er der Realität nicht hinterhergekommen und klammere sich mit aller Gewalt an alte Mechanismen.

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Ein Schlachtschiff in seinem Namen

In diese Vergangenheit gehört auch seine wachsende Besessenheit mit dem Militär und Machtsymbolik. Ein Arc de Trump, ein Ballsaal wie in Versailles, seine Obsession mit Gold, es ist nicht nur bizarr, sondern wirkt auch, als wolle Trump das Klischeebild eines Politikers nachzeichnen, den man primär aus Geschichtsbüchern zu kennen glaubte. In Washington ließ er sich im Juni zu seinem Geburtstag eine stundenlange Militärparade vorführen – sie fiel mit dem 250. Jahrestag der Armeegründung zusammen. Im Dezember verkündete er den Bau eines "Trump Class"-Schlachtschiffs.

Das Militär habe er bereits in seiner ersten Amtszeit wieder aufgebaut, nun kämpfe es, brüstet Trump sich im aktuellen Krieg. Dafür wurde das Budget des Pentagon erhöht (das allein im September für 6,9 Millionen Dollar Hummerschwänze und 15,1 Millionen Dollar Steaks bestellte), unliebsame Kommandeure sowie Militärstaatsanwälte wurden gefeuert, die darauf achten sollten, dass Gesetze eingehalten werden. Alles hinderlicher Kram, wenn Pete und Donald in den Krieg ziehen. Wann der endet? Niemand weiß es. Aber die Vergangenheit kann sich hinziehen.

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