Taiwan-Wahl: William Lai von der Regierungspartei DPP gewinnt Präsidentschaftswahl
William Lai von der Regierungspartei DPP hat die Präsidentschaftswahl in Taiwan gewonnen. Der Kandidat der chinafreundlichen Kuomintang (KMT), Hou You-yi, gestand seine Niederlage ein und gratulierte Lai zum Wahlsieg. Zuvor hatte sich ein Sieg des bisherigen Vizepräsidenten Lai bereits angedeutet.
»Ich möchte den Menschen in Taiwan dafür danken, dass sie ein neues Kapitel in unserer Demokratie schreiben«, sagte Lai in Taipeh. Laut der Nachrichtenagentur CNA sagte Lai weiter, dass sein Sieg wichtig sei, weil Taiwan auf der Seite der Demokratie und nicht des Autoritarismus stehen wird. Das taiwanische Volk habe sich erfolgreich gegen äußere Einflüsse bei den Wahlen gewehrt, sagte er demnach, das Land werde den richtig Weg weitergehen.
»Ich habe euch alle im Stich gelassen«, sagte der Ex-Polizist Hou in Taipeh. Auch der Kandidat der populistischen Taiwanischen Volkspartei (TPP), Ko Wen-je, gestand seine Niederlage ein.
Taiwanischen Medienberichten zufolge lag Lai nach mehr als 85 Prozent der ausgezählten Stimmen bei fast 41 Prozent und damit deutlich vor Hou (33,3 Prozent) und Ko (26 Prozent). Mit dem offiziellen Ergebnis wird am späten Abend (Ortszeit) gerechnet.
Es ist der dritte Sieg der Fortschrittspartei in Folge. Die bisherige Präsidentin Tsai Ing-wen durfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.
Angespanntes Verhältnis mit China
Die Wahl wird vom angespannten Verhältnis Taiwans mit dem mächtigen Nachbarn China überschattet . Das Ergebnis gilt als richtungsweisend für die weitere Beziehung zu China. Dessen regierende kommunistische Partei betrachtet Taiwan als Teil des Festlandgebiets.
Peking drohte mehrfach, militärische Mittel einzusetzen, sollte eine friedliche Wiedervereinigung nicht zustande kommen. Chinas Militär demonstriert fast täglich mit Kampfjets, die in die taiwanische Luftverteidigungszone eindringen, seine Macht.
Die konservative KMT hatte sich im Wahlkampf für eine Wiederaufnahme des Austauschs mit dem mächtigen Nachbarland China ausgesprochen. Allerdings wollte Hou auch weiter die Kommunikation mit den USA aufrechterhalten und mit deren Rüstung in die Verteidigung Taiwans investieren.
Neben den Spannungen mit China ging es im Wahlkampf auch um innenpolitische Themen wie die stockende Wirtschaft, Preise fürs Wohnen oder Arbeitslosigkeit.

