Rohrpostanlage im Kanzleramt bleibt im Betrieb – auch aus Schutz gegen Spionage
Rund 1000 Sendungen im Monat werden im Kanzleramt noch über die Rohrpostanlage übermittelt und das soll, anders als lange Zeit geplant, auch erst mal so bleiben. Die Anlage soll in Betrieb bleiben – auch aus Schutz gegen Spionage im Zuge der Zeitenwende durch Russlands Krieg in der Ukraine zusammen, soll die Anlage in Betrieb bleiben, wie die »Süddeutsche Zeitung« berichtet. Bei den Sendungen »handelt es sich in der Regel um eilige Vorgänge, die nicht elektronisch oder per Hausbotendienst weitergeleitet werden können, zum Beispiel, weil sie der Geheimhaltung unterliegen oder im Original unterschrieben werden müssen«, so ein Regierungssprecher.
Eine Ablösung des Systems sei wegen der beschriebenen Vorteile »derzeit nicht vorgesehen«. In den Vorjahren hatte es dagegen immer wieder geheißen, mit der vollständigen Einführung der elektronischen Akte solle das mit Druckluft betriebene Kommunikationssystem im Kanzleramt 2025 abgeschaltet werden. Für den Unterhalt der Anlage sind derzeit laut Kanzleramt rund 15.000 Euro im Jahr erforderlich.
Die Rohrpost geht auf eine Technik aus dem 19. Jahrhundert zurück. Die Rohrpostanlage im Kanzleramt ist seit Inbetriebnahme im Jahr 2001 uneingeschränkt in Nutzung, über die zylinderförmigen Behälter können wichtige Schriftvorgänge durch das ganze Haus verschickt werden. Es ist ein Zweiliniensystem mit 36 Stationen und einer Länge von rund 1300 Metern – vom Kanzler über den Kanzleramtschef bis zu Referatsleitern und dem Ostbeauftragten sind wichtige Mitarbeiter per Rohrpost miteinander vernetzt. Die Anlagen verbergen sich in der Regel in den Vorzimmern, in rotbraunen Einbauschränken aus Holz. Kanzler Olaf Scholz (SPD) ist über die Rohrpostnummer »1« zu erreichen, der Kabinettssaal über die »2«. In dem geplanten Erweiterungsbau des Kanzleramts auf der anderen Spreeseite ist einem Regierungssprecher zufolge aber keine neue Anlage vorgesehen.

