Japan: Der Fall Rina Gonoi – Gericht spricht drei Ex-Soldaten wegen sexueller Gewalt an Kameradin schuldig
Ein japanisches Gericht hat drei ehemalige Armeeangehörige wegen eines sexuellen Übergriffs schuldig gesprochen. Die Männer wurden laut der BBC in Fukushima zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.
Opfer ist die 24 Jahre alte Rina Gonoi, deren Kampf internationales Aufsehen erregt hatte. Die einstige Soldatin hatte angegeben, während ihrer Zeit in der Armee 2021 Opfer des Übergriffs geworden zu sein. Die drei Männer hätten sie zu Boden gedrückt, ihre Beine auseinandergeschoben und sich abwechselnd gegen sie gepresst, um einen Geschlechtsakt zu simulieren.
Sie habe sich bei ihren Vorgesetzten beschwert, es sei jedoch nichts unternommen worden. Der BBC sagte Gonoi, ein Dutzend Kameraden sei anwesend gewesen, statt einzugreifen, hätten manche gelacht. Sie verließ die Armee.
Gonoi machte den Vorfall im vergangenen Jahr öffentlich. Das japanische Verteidigungsministerium bat um Entschuldigung und erklärte, dass fünf Männer, die mit dem Vorfall zu tun gehabt hätten, entlassen worden seien. Vier weitere seien bestraft worden. Das Ministerium begann eine umfassende Untersuchung zu sexuellen Übergriffen im Militär. Man habe, berichtete die BBC, gut 100 Verdachtsfälle sexueller Belästigung im Geschäftsbereich des Ministeriums gefunden.
Gonoi wurde vom »Time Magazine« auf die Liste »Time 100 Next« genommen, die »künftige Führungspersönlichkeiten« ehrt. Auch die BBC ehrte sie als eine der 100 einflussreichsten Frauen.
»Gut für die japanische Gesellschaft«
Der Fall wurde auch deshalb groß, weil er grundsätzliche Themen berührt. In Japan gilt es noch immer als Tabu, sexuelle Gewalt zu thematisieren. Gonoi habe die Tür für weitere »Überlebende« solcher Übergriffe aufgestoßen, schrieb »Time«. Außerdem versucht die Regierung des Landes, mehr Frauen für den Dienst zu rekrutieren, der Männeranteil in der Armee beträgt laut »Time« 90 Prozent. Das Land will sein Militär auch deshalb stärken, um seine mächtigen Nachbarn China und Nordkorea abzuschrecken.
Gonoi sagte nach dem Urteil: »Ich denke, es war gut für die japanische Gesellschaft, dass das Gericht ein Schuldurteil gefällt hat und die Forderungen, die ich von Anfang an gestellt habe, akzeptiert hat.«

