Irak: Schiitenführer Muktada al-Sadr fordert Schließung der US-Botschaft
Muqtada al-Sadr hat die irakische Regierung aufgefordert, die US-Botschaft in Bagdad zu schließen. Die Forderung begründete der einflussreiche irakische Schiitenführer am Freitag mit der »bedingungslosen Unterstützung« der USA für Israel im Krieg gegen die Terrororganisation Hamas.
»Wenn die Regierung und das Parlament nicht reagieren, werden wir eine andere Position einnehmen, die wir später bekannt geben werden«, warnte der Geistliche in vager Form im Onlinedienst X (früher Twitter).
Er dürfte damit auf eine Aktion im Juli dieses Jahres anspielen: Da hatten Al-Sadr-Anhänger gewaltsam die schwedische Botschaft in Bagdad gestürmt und in Brand gesteckt. Die Stürmung der Botschaft war eine Reaktion auf Koranschändungen im Sommer in Schweden, die in der islamischen Welt heftige Proteste ausgelöst hatten.
Al-Sadr führt eine der größten islamistischen Bewegungen im Nahen Osten an, die im Irak aus Millionen Anhängern aus vorwiegend ärmeren urbanen Gegenden besteht. Er kann in kürzester Zeit große Massen von Demonstranten auf die Straße bringen. Al-Sadr stand an der Spitze des Kampfs gegen US-Truppen nach ihrer Invasion im Irak 2003 und bekam dabei Unterstützung von Iran. Das Verhältnis zwischen Iran und Al-Sadr hat sich in den vergangenen Jahren aber zunehmend verschlechtert. Sadristen kämpfen inzwischen sowohl gegen den Einfluss der USA als auch Irans im Irak. Al-Sadr ist für seine scharfe Rhetorik gegen die USA sowie Israel bekannt.
Er hatte bereits kurz nach dem Hamas-Angriff zu Protesten gegen Israel aufgerufen. Der einflussreiche Geistliche gehört zwar der Opposition im Irak an, die propalästinensische Haltung haben dort jedoch alle politischen Gruppierungen gemein.
Seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hamas am 7. Oktober hat Iraks Regierungschef Mohammed Schia al-Sudani die »zionistische Besatzung« kritisiert. Israels massiven Beschuss des Gazastreifens infolge des Hamas-Großangriffs bezeichnete er als »Völkermord« an der palästinensischen Bevölkerung.
US-Truppen im Visier proiranischer Milizen
Die Hamas hatte am 7. Oktober vom Gazastreifen aus einen beispiellosen Großangriff auf Israel gestartet. Dabei waren nach israelischen Angaben etwa 1400 Menschen getötet und nach jüngsten israelischen Angaben 229 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden.
Als Reaktion riegelte Israel den Gazastreifen ab und startete massive Luftangriffe auf mutmaßliche Hamas-Ziele. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas geleiteten Gesundheitsministeriums inzwischen mehr als 7300 Menschen getötet. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Die US-Streitkräfte und ihre Verbündeten im Irak sind immer wieder Ziel von Angriffen. Am Donnerstag erklärte das US-Verteidigungsministerium, Stellungen der US-Armee und der internationalen Koalition in Syrien und im Irak gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) seien im Oktober mehr als ein Dutzend Mal angegriffen worden. Das Pentagon machte »vom Iran unterstützte Milizengruppen« für die Angriffe verantwortlich; auch am Freitag kam es zu einem Drohnenangriff.
Zuletzt hatte US-Präsident Joe Biden Iran vor Angriffen auf US-Truppen gewarnt, da diese zu einer Ausweitung des Nahostkriegs führen könnten.

