Greta Thunberg: Linken-Politiker stellen sich hinter Klimaaktivistin
Bei den Linken nehmen mehrere führende Politiker die in die Kritik geratene Klimaaktivistin Greta Thunberg in Schutz. Die Partei trifft sich dieser Tage zum Europaparteitag in Augsburg und will auch über Israel und den Krieg diskutieren, es werden Kontroversen erwartet.
Thunberg stellte sich im Nahostkonflikt deutlich auf die Seite der Palästinenser. So trat Thunberg mit einem Palästinensertuch bei einer Klimademonstration in Amsterdam auf und skandierte: »Keine Klimagerechtigkeit auf besetztem Land«. In Deutschland distanzierten sich Aktivisten und Politiker von Thunberg.
Ex-Linkenchef Bernd Riexinger allerdings, der sich besonders mit dem Klimathema beschäftigt, verteidigt Thunberg. »Der Umgang mit ihr ist zu hart. Es ist berechtigt, Israel für den Umgang mit der Zivilbevölkerung in Gaza zu kritisieren«, sagte er dem SPIEGEL. Es handele sich um eine humanitäre Katastrophe. »Das ist kein Antisemitismus und auch keine Relativierung des furchtbaren Terrors der Hamas.« In anderen Ländern, die nicht die Verantwortung für den Holocaust haben, sei es »selbstverständlicher, die israelische Politik zu kritisieren, ohne des Antisemitismus verdächtigt zu werden«.
Die Klimabewegung sollte sich nicht durch den ungelösten Konflikt im Nahen Osten spalten. »Sie kann unterschiedliche Standpunkte aushalten, ohne ihr Ziel einer konsequent klimagerechten Politik aus dem Fokus zu verlieren«, so Riexinger.
Linkenvorstand Luigi Pantisano befindet, der Umgang mit Thunberg sei »heuchlerisch«. »Ich bin mit Greta Thunberg solidarisch. Ihre Aussagen und ihre Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung und gegen die Besatzung Israels sind gedeckt von vielen Beschlüssen der Uno.«
Es sei selbstverständlich, dass »die globale Bewegung für Klimagerechtigkeit sich auch gegen den tausendfachen Tod von Kindern im Gazastreifen« äußere. Das gebiete allein schon die Menschlichkeit. »Das ist kein Antisemitismus.«
Auch Didem Aydurmus, ebenfalls im Bundesvorstand der Linken, sieht die Debatte als falsch an: »Grundsätzlich ist erkennbar, dass der deutsche Diskurs, was sagbar ist, ein anderer ist als der internationale Diskurs.« Und weiter: »Wenn jetzt Leute sagen, Greta solle nicht politisch sein, muss ich schmunzeln. Das zeigt, wie sehr das Thema Klimagerechtigkeit missverstanden wird.«

