USA: Fed lässt nach zehnter Zinserhöhung in Folge weiteren Kurs offen
Die erneute Zinserhöhung könnte die vorerst letzte gewesen sein. Falls nötig, ist die US-Notenbank laut ihrem Chef Powell aber auch bereit, »noch mehr zu tun.« Entscheidend sei der Ausblick für Wirtschaft und Inflation.
Der künftige geldpolitische Kurs der US-Notenbank Fed ist nach Worten von Fed-Chef Jerome Powell offen. »Unsere Geldpolitik hängt von den kommenden Entwicklungen ab«, sagte er nach dem Zinsentscheid der Fed in Washington. Die Entscheidungen würden von Zinssitzung zu Zinssitzung getroffen. Ausschlaggebend sei der Ausblick für Wirtschaft und Inflation. Zugleich stellte Powell klar: »Wir sind bereit, noch mehr zu tun, falls eine geldpolitische Straffung geboten sein sollte.«
In ihrer Erklärung zum Zinsentscheid strichen die Währungshüter eine wichtige Passage, wonach weitere Zinsanhebungen zu erwarten seien. Allerdings wurden zusätzliche Erhöhungen auch nicht explizit ausgeschlossen. Der geldpolitische Ausschuss werde eingehende Informationen genau beobachten und die Auswirkungen auf die Geldpolitik bewerten, heißt es in der Erklärung.
Zuvor hatte die Zentralbank ihren Leitzins zum zehnten Mal in Folge angehoben. Der Zielsatz für Zentralbankgeld steigt um 0,25 Prozentpunkte und liegt jetzt in einer Spanne von 5,0 bis 5,25 Prozent. Im März 2022 hatte der Leitzins noch an der Nulllinie gelegen.
Die Fed musste bei ihrer Entscheidung abwägen zwischen der Beruhigung der Sorgen im Bankensektor und dem Kampf gegen die hohen Verbraucherpreise. Im vergangenen Jahr hatte die Fed mehrmals den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Damit hatte die Zentralbank ein Tempo vorgelegt wie seit Jahrzehnten nicht. Sie leitete diese Zinswende vor gut einem Jahr ein – damals lag der Leitzins bei nahezu null. Zuletzt setzte die Fed aber auf kleinere Zinsschritte. Die Entscheider der Fed rechnen laut im März veröffentlichter Prognose zum Jahresende im Mittel mit einem Leitzins von 5,1 Prozent. Dieser Wert ist mit der aktuellen Erhöhung erreicht.
Jüngste Daten zeigen, dass die hohe Inflation in der größten Volkswirtschaft der Welt auf dem Rückzug ist. Im März ist die Inflationsrate auf fünf Prozent gefallen, nachdem sie im vergangenen Jahr auf gut neun Prozent gestiegen war. Die Fed strebt eine wesentlich niedrigere Rate von zwei Prozent an.
Die jüngsten Turbulenzen im Bankensektor könnten wegen einer zurückhaltenderen Kreditvergabe einen ähnlichen Effekt haben wie Zinserhöhungen und die Nachfrage dämpfen. Darauf setzte auch Powell zuletzt. Unruhe herrscht aktuell an den Märkten aber auch wegen des Streits über die Schuldenobergrenze. US-Finanzministerin Janet Yellen warnte, dass ein Zahlungsausfall der größten Volkswirtschaft der Welt bereits am 1. Juni drohen könnte, sollte die Schuldengrenze nicht angehoben werden. Auch das belastet die US-Wirtschaft – und könnte das Wachstum drücken.
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Auslöser der Bankenkrise Anfang März war die Abwicklung des auf die Kryptobranche ausgerichteten US-Finanzkonzerns Silvergate Capital. Ein paar Tage später wurde das auf Start-up-Finanzierungen spezialisierte US-Geldhaus Silicon Valley Bank unter die Kontrolle der US-Einlagensicherung FDIC gestellt und geschlossen.

