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Ein Jahr Kanzler bei “Miosga”: “Ruf vorher an und frag …”: Mit dieser Kritik konfrontierte Merz US-Präsident Trump

May 04
01:26 2026

Politik

Ein Jahr Kanzler bei "Miosga""Ruf vorher an und frag …": Mit dieser Kritik konfrontierte Merz US-Präsident Trump

03.05.2026, 22:22 Uhr imageVon David BedürftigArtikel anhören(08:49 min)00:00 / 08:49

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Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich bei "Caren Miosga" unter anderem zu seinem Streit mit Donald Trump. (Foto: ARD/ Thomas Ernst)

Donald Trump zofft sich mit Friedrich Merz – doch der Kanzler will bei Caren Miosga seine kritischen Sätze nicht wiederholen. Er kommt ins Stottern, macht Trump ein Angebot und teilt dennoch einmal aus gegen den US-Präsidenten.

362 Tage. So lange ist es her, dass Friedrich Merz im zweiten Wahlgang zum Bundeskanzler gewählt wurde. Weil die Bilanz bisher ernüchternd ausfällt, fragt die ARD-Talkshow "Caren Miosga" am Sonntagabend: Wie schwer ist Regieren, Herr Merz?

In der diesmal nicht live ausgestrahlten, sondern am Nachmittag aufgezeichneten Sendung ist Merz der einzige Gast und der CDU-Chef gibt mit Blick auf sein erstes Regierungsjahr direkt im ersten Satz zu: "Ja, es war klar, dass es schwierig wird." Deutschland und Schwarz-Rot hätten schon damals vor großen Herausforderungen gestanden, aber "viele äußere Umstände" hätten die Situation noch einmal verkompliziert. Was Merz meint: den enormen Einfluss von US-Präsident Donald Trump und seiner gefährlichen Politik auf die Weltlage.

Den Krieg im Iran spricht der Kanzler gleich zu Beginn an, auch wenn sich erst das letzte Drittel der Talksendung um die Beziehungen zu den USA dreht. Nach Angriffen von Merz auf den Koalitionspartner SPD ("Das sollte die SPD nicht zu dem Gedanken verleiten, sie könnte mit uns machen, was sie will."), Absagen an Lars Klingbeils Pläne für höhere Steuern für Besserverdiener ("Er muss wissen, dass das mit der CDU/CSU nicht geht. Auch mit mir nicht."), Mahnungen in Richtung von Arbeitsministerin Bärbel Bas mit Blick auf die Sozialpolitik ("Kompromisse sind keine Einbahnstraße") und einem Geraderücken seiner Renten-Aussagen ("Niemand in diesem Land schlägt Kürzungen der Rente vor").

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Merz muss schlucken

Dann kommt das Thema auf den Tisch, das in der vergangenen Woche weltweit die Schlagzeilen dominierte. Merz' Zoff mit Donald Trump. Nach den Aussagen des Kanzlers in einer Schule im Sauerland, die "Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie" im Iran-Krieg und die Islamische Republik habe die USA in den Verhandlungen "gedemütigt", schoss der US-Präsident mit öffentlicher Häme zurück. Ob ihn das beunruhige, wenn Trump ihn öffentlich so harsch kritisiert, möchte Talkmasterin Miosga wissen.

Merz schluckt schwer. "Wir versuchen, mit unseren unterschiedlichen Möglichkeiten ein Problem zu lösen", probiert er sich an einer ersten Antwort. Er meint: Sowohl die USA als auch Deutschland wollen den Krieg so schnell wie möglich beenden. Der Kanzler erklärt, er habe Trump beim letzten Treffen und in Telefonaten gesagt, dass der Krieg erhebliche Auswirkungen auf Deutschland habe und dass "wir auch Hilfe anbieten" für Lösungen nach Kriegsende.

Miosga hakt ein: "Trump hätte gerne jetzt schon Ihre Hilfe." Merz erzählt daraufhin von einer direkten Kritik, die er Trump am Telefon mitgeteilt habe. "Wenn du willst, dass wir dir bei einem solchen Konflikt helfen, dann ruf uns vorher an und frag uns." Dann hätte man eine Form der Hilfe "im Detail" besprechen können. Der Kanzler möchte nicht übergangen werden, es geht ihm um gemeinsame Absprachen, wie etwa nach dem 11. September 2001, als man in gemeinsamer Absprache "mit Amerika in den Krieg gezogen" sei, gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida in Afghanistan. Auch wenn Deutschland diesmal keinen Krieg führen und keine Soldaten entsenden will.

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"Amerikaner sind die wichtigsten Partner"

Merz spricht von einer "schwierigen Lage", aus der er hofft "herauszukommen". Immer wieder erwähnt er, wie viel ihm das transatlantische Verhältnis wert ist. Ein wenig Appeasement-Politik. "Ich muss akzeptieren, dass der amerikanische Präsident zu diesen Themen eine andere Meinung hat. Aber das ändert nichts daran, dass meine Überzeugung bleibt: Die Amerikaner sind für uns die wichtigsten Partner im Nordatlantischen Bündnis." Außerdem gebe es in Washington auch Gesprächspartner, die die Sorgen der Europäer verstehen und die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges erkennen.

Als Talkmasterin Miosga wissen möchte, ob Merz die Iran-Sätze aus dem Sauerland trotz des daraus folgenden diplomatischen Störfeuers noch einmal sagen würde, trinkt der Kanzler erst einmal einen großen Schluck Wasser. Zeit gewinnen. Dann holt er tief Luft. Er stottert leicht, was selten bei ihm der Fall ist.

"Wir haben eine unterschiedliche Betrachtung dieses Krieges", sagt Merz. "Das ist auch kein Geheimnis. Wir haben ein gemeinsames Ziel und das lautet: Der Iran darf nicht in den Besitz der Atombombe kommen." Auch bei einer erneuten Nachfrage weicht der Kanzler aus und klärt in der Sendung nicht auf, ob und inwiefern der Iran die USA nun demütige.

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Trumps Respekt? Merz gibt nicht auf

Hat sich Merz' Strategie im Umgang mit den USA denn geändert, weil solch deutliche Kritik zuvor ja nicht aus Deutschland zu hören war? Der Kanzler leckt sich die Lippen. Nein, sagt er, und erzählt, wie er bei seinem ersten Treffen mit Trump in dessen Gegenwart die Ursache für den Ukraine-Krieg anders benannt habe als der US-Präsident. "Das hat er akzeptiert. Zu einer guten Partnerschaft gehört, dass man unterschiedliche Meinungen respektiert. Ich tue das und er tut das auch." Miosga aber findet, Trump zeige momentan, er respektiere die Meinung des Kanzlers nicht. "Im Augenblick mal etwas weniger", meint daraufhin Merz. Ist der Zoff also übermorgen wieder vorbei?

Erneut stottert Merz ein wenig. Er versucht, einen Satz zu formen und will wohl nicht noch einmal die falschen Worte wählen, wenn es um Trump geht. Ein Zeichen, dass er sich eines Fehlers im Umgang mit dem US-Präsidenten wohl doch bewusst ist. Am Ende kommt dabei heraus: "Ich gebe die Arbeit am transatlantischen Verhältnis und auch die Zusammenarbeit mit Donald Trump nicht auf." Die Frage, ob er in der letzten Woche mit Trump gesprochen habe, beantwortet der Kanzler nicht.

Einen Zusammenhang zwischen dem von Trump angekündigten Truppenabzug aus Deutschland und seinen Iran-Aussagen will Merz nicht erkennen. Schon wieder muss er schlucken und sagt: "Da wird etwas zugespitzt", aber neu sei das ganze Thema nicht. Man habe das Versprechen, "Tomahawk-Raketen geliefert zu bekommen", von Trumps Vorgänger Joe Biden erhalten, aber "die Zusage hat Donald Trump nie wiederholt".

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Bei dieser Frage lacht Merz herzlich

Diese Aussagen nutzt Miosga als Überleitung zum Thema Verteidigung. Bei der Frage, ob Deutschland je Tomahawk-Marschflugkörper erhalten werde, schenkt sich Merz schnell noch Wasser nach, aber gerade noch rechtzeitig fällt ihm auf, dass das Glas von Talkmasterin Miosga auch leer ist und er gießt zunächst ihr ein. "Die Amerikaner haben zurzeit selbst nicht genug", sagt er. "Das sind sehr kostspielige Waffen. Ein Stück kostet zwei Millionen Dollar. Wir entwickeln zurzeit auch eigene Systeme in Europa."

Angesichts von russischen Raketen bräuchte Deutschland doch aber Gegenabschreckung, regt Miosga an. "Die haben wir", kommt es diesmal wie aus der Pistole geschossen. Merz verweist auf die nukleare Teilhabe mit den USA, dabei gäbe es auch aktuell "überhaupt keine Abstriche". Und bei Wladimir Putin sieht er ohnehin derzeit keinen Grund zur Freude. Die Nachrichten aus Russland seien alles andere als positiv: "Die Kritik wird lauter, die Wirtschaft ist im freien Fall, die Versorgung der Bevölkerung wird immer kritischer." Dazu verliere Russland jeden Tag 1000 Soldaten im Krieg.

Zum Abschluss muss der CDU-Chef auch einmal herzlich lachen, nachdem seine Miene zuvor meist ernst wirkte. Miosga fragt, wann er das nächste Mal mit Trump sprechen und ihm dann sagen werde: "Hör mal, reg dich nicht so auf über meine Sätze in der Schule". Der Kanzler erklärt, er werde bald die Gelegenheit für ein Gespräch haben, den US-Präsidenten in diesem Jahr noch mehrfach sehen und auch die Einladung für einen Deutschland-Besuch stehe nach wie vor. Dann trinkt Friedrich Merz einen letzten Schluck Wasser.

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