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Tabaksteuer soll steigen: Wenn 10 Euro pro Packung ein Schnäppchen sind

April 30
19:36 2026

Politik

Tabaksteuer soll steigenWenn 10 Euro pro Packung ein Schnäppchen sind

30.04.2026, 18:15 Uhr Foto-AutorenboxVon Torsten LandsbergArtikel anhören(08:34 min)00:00 / 08:34

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Je nach Erhebung rauchen in Deutschland 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen. (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Die Folgen des Tabakkonsums belasten das Gesundheitssystem jährlich mit 100 Milliarden Euro. Nun erhöht die Bundesregierung die Tabaksteuer. Was das bringt und warum trotzdem noch Luft nach oben ist.

Dafür, dass Maya-Priester bereits 500 bis 600 v. Chr. Tabak rauchten, hat es ziemlich lange gedauert, bis der Rauch nach Deutschland zog. Hier verbreitete sich das Tabakrauchen erst ab dem frühen 17. Jahrhundert. Nicht so lange dauerte es, bis darauf Abgaben anfielen: Die ersten datieren aus dem Jahr 1638, das erste Tabaksteuergesetz folgte 1868.

Seitdem wurden die Steuergesetze mehrfach verändert, nicht nur zum finanziellen Nachteil der Konsumenten: Kau- und Schnupftabak sind seit 1993 von der speziellen Verbrauchsteuer befreit. Die nun vom schwarz-roten Kabinett beschlossene Gesundheitsreform sieht im kommenden Herbst eine Erhöhung der Tabaksteuer um rund 15 Prozent vor. Anfang des nächsten Jahres soll sie in einem zweiten Schritt voraussichtlich um weitere fünf Prozent steigen.

zigTabaksteuer soll erhöht werdenMit diesen Preissteigerungen müssen Raucher rechnen

Verbände wie die Bundesärztekammer und die Deutsche Krebsgesellschaft fordern schon lange, die Steuer auf Tabak drastisch und kontinuierlich zu erhöhen. Schließlich zählt das Rauchen zu den schädlichsten vermeidbaren Einflüssen für das Herz-Kreislauf-System. Es ist Hauptursache für Arterienverkalkung, Herzinfarkte und Schlaganfälle. Jeder fünfte Krebsfall in Deutschland geht auf Tabakkonsum zurück, bei Lungenkrebs ist das Rauchen für rund 90 Prozent der Fälle verantwortlich. Dazu kommen die Lungenkrankheit COPD und weitere chronische Atemwegserkrankungen, auch durch Passivrauchen.

Entlastung durch früheren Tod?

Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. Die Kosten, die durch die Folgen des Tabakkonsums anfallen, beziffert die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen auf knapp 97,24 Milliarden Euro – jährlich. Dazu zählen neben den reinen Behandlungskosten auch Reha-Maßnahmen, Pflegekosten und die volkswirtschaftlichen Folgen durch krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit.

Laut Statistischem Bundesamt hat der Staat im Jahr 2024 durch die Tabaksteuer 14,8 Milliarden Euro eingenommen, die Mehrwertsteuer ist darin noch nicht enthalten. Das klingt gegenüber den Behandlungskosten zulasten der Gemeinschaft nach einem klaren Missverhältnis. Eine genaue Aufrechnung ist allerdings schwierig, weil weitere Faktoren zu berücksichtigen sind. So weist eine 2015 veröffentlichte Studie über die externen Kosten des Rauchens in Deutschland darauf hin, dass Raucher eine kürzere Lebenserwartung haben und damit die Rentenkasse entlasten.

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25 Euro pro Packung in Australien

In der aktuellen Debatte entsteht leicht der Eindruck, in Deutschland werde der Tabakkonsum besonders streng reguliert. Rund zehn Euro wird eine Packung Zigaretten, je nach Marke, nach der nun verabschiedeten Erhöhung kosten. Das Deutsche Krebsforschungszentrum schätzt, dass eine Packung 22,80 Euro kosten müsste, um die Folgekosten des Rauchens zu kompensieren.

Ein Blick in andere Länder zeigt zudem, dass Deutschland bei den Maßnahmen einen Mittelfeld-Platz belegt. Während Länder in Osteuropa eine eher laxe Politik betreiben, haben andere Staaten "rauchfreie Generationen" als erklärtes Ziel formuliert und ihre Politik seit langem auf dieses Ziel ausgerichtet. In Australien kostet eine Packung Zigaretten umgerechnet rund 25 Euro. In Frankreich liegt der Preis nach mehreren kurz aufeinander erfolgten Steuererhöhungen bei rund 13 Euro, ebenso in den Niederlanden.

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Großbritannien hat die Steuern bereits seit den 1990er-Jahren kontinuierlich erhöht, eine Packung kostet dort umgerechnet rund 20 Euro. Vor wenigen Tagen verabschiedete das britische Parlament zudem ein Gesetz, das Menschen, die nach 2008 geboren wurden, den Kauf von Tabak lebenslang untersagt. Auf den Malediven gilt ein gleichlautendes Gesetz für alle nach 2006 Geborenen. Neuseeland hatte 2022 ebenfalls ein solches Gesetz verabschiedet, das die Nachfolgerregierung 2024 allerdings im Eilverfahren kippte – die entgangenen Einnahmen der Tabaksteuer fehlten, um andere Steuersenkungen zu finanzieren.

In Australien sank die Raucherquote um ein Drittel

Neben einer hohen Steuerlast gibt es weitere Maßnahmen, die nicht auf hohe Einnahmen, sondern eine Senkung des Konsums abzielen. So dürfen Zigaretten unter anderem in Australien, Kanada, Norwegen, den Niederlanden und Frankreich nur in neutralen und standardisierten Verpackungen verkauft werden. Vielerorts gelten für das Rauchen in Außenbereichen strengere Vorschriften. Und es wird, anders als in Deutschland, nicht zwischen den Tabakarten unterschieden: Während Dreh- und Stopftabak in Deutschland geringer besteuert wird als Zigaretten und 30 Gramm Drehtabak hier aktuell 5 bis 7 Euro kosten, zahlt man in Frankreich für die gleiche Menge zwischen 17 und 20 Euro.

In Ländern mit strengen Maßnahmen sanken die Raucherquoten signifikant: in Australien um ein Drittel innerhalb von 15 Jahren. Kanada hat die Quote seit den 1990er-Jahren, Großbritannien innerhalb der letzten zwanzig Jahre halbiert.

In Deutschland rauchen 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen

Auch in Deutschland war die Raucherquote lange rückläufig. Im Jahr 2000 lag sie bei 35 Prozent, aktuell rauchen laut Bundesgesundheitsministerium 20,1 Prozent der Erwachsenen ab 18 Jahren. Der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zufolge sind es 21,8 Prozent, was mehr als elf Millionen Menschen entspricht. Unter den 12- bis 17-Jährigen rauchen laut Bundesgesundheitsministerium rund 6,8 Prozent.

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Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf erhebt in der DEBRA-Studie zweimonatlich aktuelle Zahlen in repräsentativen Erhebungen und kommt auf höhere Werte. Bei den Erwachsenen pendelt die Quote kontinuierlich um 30 Prozent, bei den Jugendlichen lag sie zuletzt bei 9,5 Prozent.

WHO sieht Preiserhöhungen als wirksame Maßnahme an

Die Rauchverbote für nachfolgende Generationen etwa in Großbritannien zeigen, dass es nicht nur um eine Erhöhung der Steuereinnahmen geht, sondern um Gesundheitsschutz, gerade auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Laut Weltgesundheitsorganisation sind Preissteigerungen die effektivste Einzelmaßnahme zur Senkung des Konsums. Insbesondere junge Menschen und Gelegenheitsraucher würden von hohen Preisen abgeschreckt. Die damalige französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn sagte im Zuge der Steuererhöhungen 2017: "Die Preiserhöhung ist eine der wirksamsten Maßnahmen, um junge Menschen vom Rauchen abzuhalten."

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Zahlreiche Länder haben das Ziel ausgegeben, die Raucherquote bis 2030 oder 2035 auf fünf Prozent oder darunter zu senken. Irland, Neuseeland und Schweden wollten diese Marke bereits bis 2025 erreichen. In Deutschland ist so eine konkrete Zielsetzung bislang nicht formuliert worden.

Während sich der Konsumrückgang nach Preiserhöhungen recht schnell abzeichnet, werden die Effekte auf das Gesundheitssystem erst langfristig sichtbar. Studien zeigen, dass sich Herzinfarkte und akute Krankenhausaufenthalte infolge von signifikanten Steuererhöhungen nach einem bis zu drei Jahren reduzierten. Nach fünf bis zehn Jahren ist ein Rückgang chronischer Lungenerkrankungen wie COPD, nach zehn bis zwanzig Jahren ein spürbarer Rückgang von Lungenkrebs-Erkrankungen zu erwarten.

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