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Umfrage in Sachsen-Anhalt: Warum die Verwandten-Affäre der AfD nicht schadet

May 07
19:36 2026

Politik

Umfrage in Sachsen-AnhaltWarum die Verwandten-Affäre der AfD nicht schadet

07.05.2026, 17:12 Uhr RTL01231-1Von Volker PetersenArtikel anhören(07:37 min)00:00 / 07:37

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Siegmund (l.) und Schulze (r.) trafen am Mittwochabend bei einer Diskussion zur Wirtschaft in Sachsen-Anhalt aufeinander. (Foto: picture alliance/dpa)

AfD-Abgeordnete haben kreuz und quer Verwandte beschäftigt. In Sachsen-Anhalt nahm die Affäre ihren Anfang. Trotzdem liegt die Partei in einer neuen Umfrage deutlich vorn. Ein Experte weist auf einen möglichen Denkfehler hin.

Kann die AfD sich alles erlauben? Seit Monaten verzeichnet die Partei einen Aufwärtstrend in den Umfragen. Gerade bestätigte eine Erhebung den starken Zuspruch in Sachsen-Anhalt. Dort ist am 6. September Landtagswahl. Derzeit sieht es danach aus, dass die Rechtspopulisten um ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund stärkste Kraft werden. Selbst die absolute Mehrheit scheint möglich. 41 Prozent der Wählerinnen und Wähler würden ihr Kreuz bei der AfD machen. Das sind noch einmal zwei Punkte mehr als im vergangenen Herbst. AfD-Chefin Alice Weidel zeigte sich bei ntv überaus selbstbewusst. "Wir rechnen mit einer absoluten Mandatsmehrheit", sagte sie.

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Dabei steckt der Partei ein handfester Skandal in den Knochen. Viele Landesverbände sind betroffen, auch die Bundestagsfraktion. Ihren Ausgang nahm die Affäre allerdings in Sachsen-Anhalt: Reihenweise beschäftigten AfD-Abgeordnete Verwandte von Parteifreunden, auch Siegmunds Vater fand einen Job im Bundestag. Korruption? Missbrauch von Staatsgeld? Zumindest moralisch fragwürdig? Mit breitem Lächeln wies Siegmund das alles zurück. Der Spitzenkandidat behauptete, es sei eben schwierig, gutes Personal zu finden.

Was jeder anderen Partei schwer geschadet hätte, scheint an der AfD einfach abzuperlen. Auf Bundesebene zog sie neulich an CDU und CSU vorbei. Im Trendbarometer von RTL und ntv liegt sie in der Wählergunst derzeit fünf Prozentpunkte vor den Unionsparteien. In Sachsen-Anhalt sind es sogar 15 Punkte. Die CDU kommt nur auf 26 Prozent. Zusammen würden CDU, SPD und Linke derzeit zusammen 45 Prozent der Stimmen erreichen.

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AfD hat jetzt Stammwähler

Der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne hat eine Erklärung für den kaum sichtbaren Schaden durch die Verwandtenaffäre. "Wer darin Hoffnung gesetzt hat, versteht womöglich die Mechanismen der zunehmenden AfD-Unterstützung zu wenig", sagt er ntv.de. Die AfD werde wegen ihre anti-systemischen Haltung gewählt, nicht nach dem Auftreten ihrer Vertreter.

Mittlerweile verfüge die AfD über eine wachsende Zahl von Stammwählern. Die seien loyal und hielten ihrer Partei auch dann die Stange, wenn sie mit einzelnen Funktionären oder Programmpunkten nicht einverstanden seien. Das Wählerreservoir der AfD verfestige sich mehr und mehr.

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"Maximal hätte ich mir einen geringen Effekt bei den Menschen vorstellen können, die sich an der Wegscheide zum Rechtspopulismus befinden, also noch nicht ideologisiert sind", sagt Höhne. Schließlich gebe die Partei vor, man wolle sich von der vermeintlichen korrupten politischen Klasse abgrenzen. "Mit den Vetternwirtschaftsvorgängen ist dieses Einstiegsnarrativ zusammengebrochen." Doch den Einstieg haben die allermeisten AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt bereits hinter sich.

Mehr Wechselwähler bei anderen Parteien

Für Ministerpräsident Sven Schulze ist die Umfrage ein Rückschlag. Seit er im Januar das Amt von Reiner Haseloff übernahm, arbeitet er an der Aufholjagd. Im Interview mit ntv.de attackierte er die AfD für die Verwandtenaffäre: "Das Ausmaß an Vetternwirtschaft wie bei der AfD in Sachsen-Anhalt gab es noch nie", sagte er. Und er sagte das, was alle Wahlkämpfer sagen, die in Umfragen zurückliegen: "Die Wahl wird am 6. September entschieden, nicht ein halbes Jahr vorher."

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Doch wenn Politikwissenschaftler Höhne Recht behält, wird es schwer, AfD-Wähler noch umzustimmen. Zunächst einmal muss Schulze um die eigenen Wähler kämpfen. Denn bei CDU, SPD, Grünen und Linken ließen die Parteibindungen nach, wie Höhne erläutert. So gebe es mehr und mehr Wechselwähler. "Dieser entscheidet im Extremfall erst in der Wahlkabine, welche Partei er wählt", sagt er.

Ein "Schulze-Effekt" ist ebenfalls ausgeblieben. Der Zuspruch für die CDU stagniert – nach einem Rückgang im vergangenen Jahr. Der stellte sich ein, als der langjährige und sehr beliebte Ministerpräsident Haseloff angekündigt hatte, nicht noch einmal zu kandidieren. Zunächst wollte er bis zum Ende der Legislatur im Amt bleiben. Nach einer ähnlich deutlichen Umfrage im vergangenen Herbst wurde die Kritik daran lauter. Im Januar dann der Umschwung: Haseloff gab sein Amt doch vorzeitig auf. Im Landtag wählte die schwarz-rot-gelbe Koalition Schulze zu seinem Nachfolger.

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Der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne vertritt derzeit eine Professur an der TU Chemnitz. (Foto: Franziska Höhnl/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild)

Zu spät, meinte Höhne schon damals. "Ein Landesvater-Image aufzubauen, ist in der verbleibenden Zeit bis zur Wahl nicht möglich", sagt er auch jetzt. Das zeigt sich auch in Zahlen aus der Umfrage: "Bei einer Direktwahl würden nach der aktuellen Umfrage 36 Prozent Schulze wählen, seinen Kontrahenten von der AfD 32 Prozent. Dieser Abstand ist nicht gerade riesig", so Höhne.

Bessere Ausgangslage für kleinere Parteien

Hoffnungslos ist die Lage aus CDU-Sicht aber auch nicht. AfD-Spitzenkandidat Siegmund werde fast nur im AfD-Milieu gestützt. "Schulze kann versuchen, im Elektorat der anderen Parteien zu punkten", meint Höhne. So wie es Dietmar Woidke für die SPD in Brandenburg und Michael Kretschmer für die CDU in Sachsen taten. Im vergangenen Jahr traten sie in ihren Wahlkämpfen als Bollwerk gegen die AfD auf – und warben um die Stimmen anderer Parteien, zu Lasten kleinerer Konkurrenten. Die Grünen schafften beispielsweise in beiden Ländern nicht den Wiedereinzug.

In Sachsen-Anhalt stehen sie in der neuen Umfrage bei vier Prozent. Auch die SPD spricht zwischen Elbe und Saale nur noch sieben Prozent der Wähler an. Doch beide können noch hoffen – gerade weil Schulze nicht das Standing eines langjährigen Landesvaters hat und die Wahl daher voraussichtlich nicht so sehr auf Personen zugeschnitten sein wird, wie es das in Brandenburg, Sachsen und zuletzt auch in anderer Konstellation in Baden-Württemberg war. Höhne: "Dies ist eine Chance für die kleineren Parteien, nicht unter die Räder zu geraten."

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Das muss kein Nachteil für Schulze sein. "Schließlich sollte auch gesehen werden, dass die AfD aufgrund ihres Vorsprungs mit jeder kleinen Partei, die die Fünf-Prozent-Hürde verfehlt hat, der absoluten Landtagsmehrheit näherkommt." Umgekehrt heißt das: Schaffen es Grüne und SPD in den neuen Landtag, bleibt die absolute Mehrheit für die AfD außer Reichweite.

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