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Sudan: Kämpfe dauern an, US-Konvoi erreicht Hafen, Briten beenden Rettungsaktion

April 30
05:36 2023

Die Waffenruhe im Sudan ist brüchig, in der Hauptstadt Khartum ist die Versorgungslage der zurückgebliebenen Menschen katastrophal. Ein von den USA organisierter Buskonvoi ist in Port Sudan angekommen. Der Überblick.

Im Sudan hat es trotz einer vereinbarten Waffenruhe am Samstag wieder heftige Kämpfe gegeben. Über die Hauptstadt Khartum flogen Kampfflugzeuge, wie ein Bewohner der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Als Reaktion auf die Luftangriffe seien Luftabwehrgeschosse abgefeuert worden. Ein anderer Augenzeuge sagte, die Kämpfe seien am Morgen fortgesetzt worden, unter anderem an der Zentrale des staatlichen Rundfunksenders in Khartums Nachbarstadt Omdurman. Über dem Flughafen von Khartum hing Rauch.

Im Sudan kämpfen seit nun drei Wochen Armeeeinheiten unter dem Kommando von Armeechef Abdel Fattah al-Burhan gegen die RSF-Miliz, die von General Mohamed Hamdan Daglo – genannt Hemeti – angeführt wird. Insgesamt kamen bei den Gefechten im Sudan nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang mindestens 512 Menschen ums Leben, fast 4200 wurden verletzt. Die wahre Zahl der Opfer dürfte aber deutlich höher liegen.

Am Dienstag war eine unter Vermittlung der USA ausgehandelte 72-stündige Feuerpause in Kraft getreten, die am Donnerstag kurz vor Ablauf noch einmal um 72 Stunden bis Sonntag um Mitternacht verlängert wurde. Allerdings wurden bisher alle Waffenruhen gebrochen.

In Khartum versuchen viele Menschen weiterhin, vor den Kämpfen zu fliehen. Strom und Leitungswasser gibt es nicht mehr, Internet und Telefon funktionieren nur noch sporadisch. Benzin, Bargeld und Lebensmittel werden knapp. 61 Prozent der Gesundheitseinrichtungen in Khartum sind laut dem Uno-Nothilfebüro Ocha geschlossen und nur 16 Prozent arbeiteten wie gewohnt, sodass Millionen Menschen keinen Zugang zur medizinischen Versorgung hätten. Mehrere Zehntausend Flüchtlinge sind bereits in den Nachbarländern angekommen, vor allem in Äthiopien und Ägypten.

US-Bürger auf dem Weg nach Saudi-Arabien

Die Evakuierung von Ausländern läuft inzwischen überwiegend über das Meer. Am Samstag erreichte ein von den USA organisierter Fahrzeugkonvoi die Hafenstadt Port Sudan. Wie das US-Außenministerium mitteilte, waren neben US-Bürgern auch Ortskräfte aus dem Sudan und Staatsangehörige verbündeter Länder an Bord. Sie sollten von Port Sudan aus über das Rote Meer nach Dschiddah in Saudi-Arabien gebracht werden. US-Medien hatten bereits am Freitag über den Konvoi berichtet, mit dem rund 300 Menschen, vor allem US-Amerikaner, nach Port Sudan gelangen sollten.

Das US-Militär habe Aufklärungs- und Überwachungsarbeit geleistet, um die Evakuierungen abzusichern, erklärte das Pentagon. Es würden in der Region auch Militärschiffe verlegt, falls deren Unterstützung entlang der Küste benötigt werde. US-Medien berichteten, der Konvoi sei von bewaffneten US-Drohnen des US-Militärs begleitet worden.

Bereits vor dem jüngsten Konvoi hätten mehrere hundert US-Amerikaner zusätzlich zum Botschaftspersonal den Sudan über Land, zur See oder auf dem Luftweg verlassen, sagte ein Sprecher der US-Außenministeriums am Freitag. Die Botschaftsmitarbeiter und deren Angehörige waren bereits am vergangenen Wochenende vom US-Militär direkt aus Khartum evakuiert worden.

Großbritannien verkündete indessen, die Evakuierung von Staatsangehörigen und anderen infrage kommenden Personen aus dem Sudan am Samstag einzustellen, da die Nachfrage nach Plätzen in seinen Flugzeugen zurückgegangen sei. Wie das britische Außenministerium mitteilte, waren seit Beginn der Evakuierungsaktion am Dienstag auf 21 Flügen rund 1900 Menschen aus dem Sudan herausgebracht worden.

Hoffnung beim Uno-Sonderbeauftragten

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock sagte am Freitag, dass nach der Evakuierung von Hunderten Menschen durch die Bundeswehr nur noch »eine sehr, sehr geringe Zahl« an Deutschen in Khartum seien. Für diese bestehe die Chance, noch von anderen Nationen ausgeflogen zu werden, sollten sie das Land verlassen wollen. Insgesamt brachte die Bundeswehr binnen vier Tagen mehr als 700 Menschen aus mehr als 40 Nationen in Sicherheit.

Trotz der erneut gebrochenen Waffenruhe sieht der Uno-Sonderbeauftragte Volker Perthes einen Hoffnungsschimmer für ein Ende der Kämpfe im Sudan. Die beiden rivalisierenden Militärgruppen seien inzwischen offener für Verhandlungen. Zudem hätten die sudanesische Armee und die paramilitärische RSF-Miliz akzeptiert, dass die vor zwei Wochen ausgebrochene Kämpfe nicht fortgesetzt werden könnten.

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