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Sputnik V: Jens Spahn will mit Russland über Impfstoff verhandeln

April 08
13:36 2021
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Alle schauen auf diese Vakzine: Ein Mann in Moskau erhält vor Fotografen eine Dosis vom russischen Impfstoff Sputnik V

Foto: Pavel Golovkin / AP

Die Europäische Union plant bislang keinen Vorvertrag zum russischen Impfstoff Sputnik V – anders als bisher mit den anderen Impfstoffanbietern. Nun will Deutschland womöglich eigenmächtig einen Vertrag für den Ankauf der Vakzine aushandeln. Das hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im WDR5-»Morgenecho« angekündigt.

Demnach plane er bilaterale Gespräche mit Russland über eventuelle Lieferungen von Sputnik V für den Fall einer EU-Zulassung. Man müsse sehr aufpassen, dass dies nicht zu einer »Fata-Morgana-Debatte« werde, sagte Spahn. Zunächst gehe es um die Zulassung durch die EU. »Dafür muss Russland Daten liefern.« Solange dies nicht geschehe, könne es keine Zulassung geben.

Die zweite Frage sei dann die der Bestellung, sagte Spahn. Die EU-Kommission habe am Mittwochabend erklärt, dass sie über Sputnik V nicht Verträge schließen werde wie mit den anderen Herstellern wie etwa Biontech. »Daraufhin habe ich auch im EU-Gesundheitsministerrat für Deutschland erklärt, dass wir dann bilateral auch mit Russland reden werden, und zwar erst mal darüber, wann überhaupt welche Mengen kommen könnten«, sagte Spahn.

Verbindliche Zusagen aus Moskau fehlen

»Um wirklich einen Unterschied zu machen in unserer aktuellen Lage, müsste die Lieferung schon in den nächsten zwei bis vier, fünf Monaten kommen – ansonsten haben wir so oder so mehr als genug Impfstoff.« Insofern erwarte er von Russland verbindliche Aussagen dazu, »wann welche Menge konkret nach einer Zulassung auch Deutschland erreichen könnte«.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff begrüßt den Plan zum Ankauf des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V. »Das ist der richtige Weg, ich begrüße das Vorgehen des Bundes«, sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters. »Ich habe immer gesagt, dass entweder die EU oder die Bundesregierung hier vorangehen sollten«, sagte Haseloff. In Deutschland sei der Bund für die Impfstoffbeschaffung zuständig.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, sagte im ZDF-»Morgenmagazin«, die publizierten Daten zu Sputnik V »sehen sehr gut aus«, er wisse aber nicht, was der EU-Arzneimittelbehörde EMA noch an zusätzlichen Daten vorliege. »Wenn der Impfstoff geprüft und zugelassen wird, hätte ich persönlich dagegen nichts einzuwenden.«

Streit über Impfwettbewerb

Über den von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigten Vorvertrag über eine bilaterale Sputnik-Beschaffung sagte er: »Dass das jetzt wieder als bayerischer Alleingang geplant sein sollte, wenn das denn so ist, davon bin ich nicht so sehr überzeugt.« Söder hatte sich am Mittwoch eigenmächtig um erste Dosen bemüht. »Sollte Sputnik zugelassen werden in Europa, dann wird der Freistaat Bayern über diese Firma zusätzliche Impfdosen – ich glaube, es sind 2,5 Millionen Impfdosen – wohl im Juli erhalten, um die Impf-Zusatzkapazitäten in Bayern zu erhöhen«, sagte der CSU-Politiker in München. Der Vorgang hatte auch in der Politik für Unverständnis gesorgt.

Der Impfstoff von AstraZeneca soll nach Spahns Worten in Deutschland auch weiterhin nicht bei Menschen unter 60 Jahren eingesetzt werden. »Wir bleiben dabei, dass wir den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission folgen«, sagte er. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hatte am Mittwoch trotz sehr seltener Fälle von Blutgerinnseln in Hirnvenen jüngerer Menschen weiterhin uneingeschränkt grünes Licht für die Anwendung des Impfstoffes gegeben. Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland dagegen hatte AstraZeneca zuletzt erst für Menschen ab 60 Jahren empfohlen.

»Wenn wir nur AstraZeneca als Impfstoff hätten und keine Alternative für die unter 60-Jährigen, dann käme man in der Abwägung – wie ist die Empfehlung – möglicherweise zu einem anderen Ergebnis«, sagte Spahn. Da es aber ja alternative Impfstoffe gebe, könne man aus Vorsicht bei der Empfehlung bleiben, AstraZeneca bei jüngeren Menschen nicht anzuwenden. Ähnlich argumentierte auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, im ZDF-»Morgenmagazin«.

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