SPD: Sozialdemokraten machen Wahlkampf gegen Olaf Scholz
Icon: vergrößernScholz am 24. Januar im Bundestag
Foto: Jens Schicke / imago images/Jens Schicke
Es ist fast genau zehn Jahre her, dass sich ein ehrgeiziger SPD-Politiker in einen denkwürdigen Wahlkampf um die politische Mitte stürzte. Der Mann warb für eine harte Linie bei der inneren Sicherheit. Er machte den Präsidenten der Handelskammer zu seinem Chefstrategen für Wirtschaftspolitik. Und er stellte klar, dass künftig nicht die Ideologen aus der Parteizentrale, sondern er selbst die Richtlinien der Politik bestimmen werde. »Wer Führung bestellt, der bekommt sie auch«, so lautete das Motto, mit dem Olaf Scholz bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg 2011 einen beispiellosen Erfolg einfuhr.
Es war das vorerst letzte Mal, dass ein Sozialdemokrat in Bund oder Land fast 50 Prozent der Stimmen holte, und wenn sich nicht bald Grundlegendes ändert, wird es wohl für lange Zeit das letzte Mal bleiben. Bei der Bundestagswahl im Herbst heißt der Spitzenkandidat zwar ebenfalls Olaf Scholz, doch das ist derzeit auch so gut wie alles, was an die furiose Kampagne von einst erinnert.
Der Mann, der damals Unternehmer und Manager umgarnte, will sie nun höher besteuern. Er schweigt, wenn Parteichef Norbert Walter-Borjans und Fraktionschef Rolf Mützenich die SPD auf einen radikal-pazifistischen Kurs trimmen. Und nichts ist ihm derzeit wichtiger als sich den Genossen, die ihm noch vor einem Jahr bei der Wahl zum Parteichef die Stimme verweigerten, nun als »truly Sozialdemokrat« anzudienen. Der Mann, der den Pragmatismus einst zum Endziel seiner Politik machen wollte, gibt den willfährigen Diener der Partei.

