News zum Russland-Ukraine-Krieg: Das geschah in der Nacht zu Montag (1. Mai)
Zahlreiche Menschen in der Ukraine sollen derzeit in Schutzräumen bleiben. Aus Kiew, Dnipropetrowsk und Sumy werden Explosionen gemeldet. Und: Der Vatikan ist offenbar an einer Friedensinitiative beteiligt. Der Überblick.
Was in den vergangenen Stunden geschah
Am frühen Montagmorgen ist in der gesamten Ukraine nach Angaben der Rettungsdienste Luftalarm ausgelöst worden. Laut ukrainischen Medienberichten waren in den Regionen Kiew, Dnipropetrowsk und Sumy Explosionen zu hören. »Die Luftabwehrsysteme sind im Einsatz«, schrieb die Kiewer Regionalverwaltung auf Telegram. »Ruhe bewahren! Bleibt in den Schutzräumen, bis der Luftalarm vorbei ist!«
Stabschef Andrij Yermak warnte zudem via Telegram davor, die ukrainische Luftabwehr nicht zu kompromittieren. »Achten Sie auf Ihre Sicherheit, machen Sie die Arbeit der Luftabwehr nicht publik.«
Am Sonntagabend traf zudem russische Artillerie die Großstadt Nikopol in der Oblast Dnipropetrowsk im Süden der Ukraine. Dabei kam nach Angaben der Behörden ein Mensch ums Leben, zwei weitere Personen wurden schwer verletzt. Mehrere Gebäude seien beschädigt worden, hieß es.
In Russland wiederum meldete die Grenzregion Brjansk vier Tote infolge von ukrainischem Beschuss. In dem betroffenen Dorf Susemka sei der Notstand ausgerufen worden, schrieb Gouverneur Alexander Bogomas auf Telegram.
In der ukrainischen Stadt Uman sind am Sonntag Opfer einer russischen Attacke vom Freitag beerdigt worden. Familienangehörige und Freunde nahmen an den Särgen Abschied. Vor dem zerstörten Wohnhaus legten zahlreiche Menschen Blumen und Fotos der Opfer nieder.
Am Freitagmorgen waren zwei russische Raketen in ein neunstöckiges Wohnhaus in der zentralukrainischen Stadt eingeschlagen. Die Zahl der Todesopfer liegt bei mindestens 23, darunter sind sechs Kinder.
Das sagt Kiew
Ukrainische Streitkräfte halten offenbar weiterhin Teile der umkämpften Stadt Bachmut. Dort werde nach wie vor heftig gekämpft, erklärte die stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin Hanna Malyar bei Telegram. Der Feind sei trotz massivster Bemühungen – und einiger Erfolge – nicht in der Lage, die Kontrolle über die Stadt zu übernehmen.
Das ukrainische Militär macht keine genauen Angaben darüber, wie viel von der Stadt in russischer Hand ist.
Auch Serhiy Cherevatyi, ein Sprecher der ukrainischen Truppen im Osten, äußerte sich zur Lage in Bachmut. Gegenüber dem Sender ICTV erklärte er, es sei noch immer möglich, die Verteidiger der Stadt mit Lebensmitteln, Munition und Medikamenten zu versorgen und die Verwundeten zu evakuieren.
Aus Russland hieß es am Sonntag, man habe vier weitere Stadtteile im Westen Bachmuts eingenommen. Die Berichte können nicht unabhängig überprüft werden.
Bachmut wird seit Monaten gemeinsam von der russischen Armee und der Söldnertruppe Wagner angegriffen. Inzwischen kontrollieren die Angreifer eigenen Angaben zufolge rund 85 Prozent des Stadtgebietes.
Der ukrainische Armeechef Walerij Saluschnyj hat sich mit dem Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa, Christopher Cavoli, beraten. Er habe den US-General ausführlich über die Lage entlang der Fronten in der Ukraine informiert, teilte Saluschnyj am Sonntag auf Telegram mit. »Ich habe mögliche Szenarien, Bedrohungen und Voraussetzungen für unsere zukünftigen Aktionen beschrieben.« Saluschnyj machte keine Angaben zum Ort des Treffens. Experten gehen davon aus, dass sich die Ukraine aktuell auf eine Frühjahrsoffensive zur Rückeroberung besetzter Gebiete vorbereitet.
Internationale Reaktionen
Papst Franziskus hat vage angedeutet, dass der Vatikan mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine an einer Friedensinitiative beteiligt ist. »Alle wollen einen Weg zum Frieden. Ich bin bereit, alles zu tun, was nötig ist. Derzeit läuft eine Mission, die aber noch nicht öffentlich ist«, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag auf dem Rückflug von seiner Ungarn-Reise vor Journalistinnen und Journalisten. Weitere Details nannte er nicht. »Wenn es so weit ist, kann ich mich dazu äußern«, sagte er.
Der 86-Jährige hatte am Wochenende den Metropoliten Hilarion von Budapest und Ungarn getroffen, der früher Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats und ein Vertrauter von Patriarch Kyrill war. »Sie können sich vorstellen, dass wir bei dem Treffen nicht über Rotkäppchen geredet haben, sondern über alles«, sagte Franziskus. Mit Kyrill, der den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine verteidigt, will sich der Papst schon länger treffen.
Franziskus warb darum, diplomatische Beziehungen aufrechtzuerhalten und immer im Gespräch zu bleiben, um gemeinsam Wege zum Frieden zu suchen. »Ich denke, zu Frieden gelangt man, indem man Kanäle aufmacht. Frieden bekommt man nie, wenn man sich verschließt.«
Der Heilige Stuhl hatte sich seit Kriegsbeginn im Februar 2022 immer wieder als Vermittler angeboten. Große diplomatische Erfolge blieben bislang aber aus. Der Papst sagte, der Heilige Stuhl habe bereits bei Gefangenenaustauschen als Vermittler agiert und könnte dies nun auch tun im Zusammenhang mit der Rückführung ukrainischer Kinder, die nach Russland verschleppt wurden.
Sonstige Meldungen zum Thema
Am Abend des 13. Mai findet in diesem Jahr der Eurovision Song Contest (ESC) statt – und zwar in Großbritannien statt in der Ukraine. Die ukrainische Band Kalush Orchestra hatte 2022 den ESC gewonnen, daher hätte in diesem Jahr eigentlich die Ukraine den Wettbewerb ausrichten dürfen. Wegen des Kriegs wurde die Veranstaltung aber an Großbritannien vergeben, das mit Sänger Sam Ryder den zweiten Platz belegt hatte.
Aus Solidarität mit der Ukraine ruft nun eine Kampagne zum gemeinsamen Singen im Internet und im realen Leben auf: Chöre, Musiker und die Öffentlichkeit sollten den bekannten Song »With A Little Help From My Friends« der Beatles aufnehmen und hochladen, hieß es von HelpUkraineSong . Dies sei »die perfekte Möglichkeit«, dem Land angesichts des andauernden russischen Angriffskriegs Unterstützung auszudrücken, so die Organisatoren.
Am Mittag des 13. Mai soll im Museum of Liverpool ein »Flashmob« das Lied vortragen. Zeitgleich sind Aktionen an bekannten britischen Sehenswürdigkeiten wie dem Riesenrad London Eye geplant.

