Kai Wegner: Fünf Fakten über Berlins neuen Bürgermeister
Im Abgeordnetenhaus benötigte Kai Wegner drei Anläufe: Erstmals seit mehr als 20 Jahren wurde wieder ein CDU-Politiker zum Regierenden Bürgermeister der Hauptstadt gewählt. Wer ist der Mann?
Im dritten Durchgang wurde er zum Berliner Regierungschef gewählt: Kai Wegner (CDU) ist neuer Regierender Bürgermeister von Berlin. In einer Koalition mit den Sozialdemokraten regiert er nun die Hauptstadt, seine Vorgängerin Franziska Giffey (SPD) wird wohl Wirtschaftssenatorin. Viele haben es ihm nicht zugetraut, nun steht er in einer Reihe mit Ernst Reuter, Richard von Weizsäcker, Eberhard Diepgen und Klaus Wowereit. Hier sind fünf Fakten über das neue Stadtoberhaupt:
Der Mann vom Stadtrand: Wegner, Jahrgang 1972, wuchs im dritten Stock eines Hochhauses in Hakenfelde auf, an der Grenze von Spandau, am westlichen Ende von Berlin. Dahinter ein bisschen Wald, dann schon die Mauer, jedenfalls in den Siebziger- und Achtzigerjahren, als er hier aufwuchs. Mehr Stadtrand geht nicht . Die Mutter war Verkäuferin, der Vater Eisenflechter auf dem Bau. Als Schulsprecher setzte der junge Kai die Anschaffung einer Tischtennisplatte durch, das war sein erstes politisches Projekt.
Der Unterschätzte: Dass Wegner bei der Wiederholungswahl zum Abgeordnetenhaus als Spitzenkandidat antreten durfte, hatte er vor allem seiner Beharrlichkeit zu verdanken – noch im Herbst gab es das Gerücht, die Bundes-CDU suche nach einem Ersatz, angeblich war Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn im Gespräch. Auch in der Landespartei galt er vielen eher als Notkandidat. Wegner hat quasi eine Strategie daraus gemacht , dass man ihn unterschätzt. Andere haben vielleicht mehr Glamour, aber man braucht in der Politik eben auch einen langen Atem. Und Fleiß. Beides hat Wegner.
Kai aus der Kiste: Wegner galt nach der Wiederholungswahl im Februar als König ohne Thron, seine CDU fuhr zwar mit Abstand das beste Wahlergebnis ein, lag mit 28 Prozent zehn Punkte vor SPD und Grünen – nur koalieren wollte keiner mit ihm . Zunächst schien alles auf eine Neuauflage der rot-grün-roten Koalition hinzudeuten, etwas derangiert durch die Stimmenverluste, aber dennoch mit einer stabilen Mehrheit. Dann kam der Sinneswandel bei Franziska Giffey und ihrer SPD, und nun regiert Schwarz-Rot die Stadt, mit Wegner als Bürgermeister. Die nächste Wahl zum Abgeordnetenhaus ist im Herbst 2026.
Auto-Kai: Eines der wichtigsten Wahlkampfthemen für die CDU war das Auto. Wegner inszenierte sich erfolgreich als Schutzpatron der Autofahrer , punktete damit vor allem in den Außenbezirken der Stadt. Sein Symbolprojekt: die Verlängerung der A100 nach Lichtenberg. Der rot-rot-grüne Senat war einmütig gegen den Ausbau am Rande der Innenstadt quer durch dicht besiedelte Wohngebiete, Bürgerinitiativen und Anwohner machen mobil. Doch die CDU will die hochumstrittene Fernstraße verlängern. Kostenpunkt: bis zu einer Milliarde Euro. Das wären dann die teuersten 4,1 Kilometer Asphaltpiste der deutschen Autobahngeschichte.
Das Feindbild der Linken: Wegner unterstützte einst den rechtslastigen Berliner Innensenator Heinrich Lummer, 2001 machte er mit dem Slogan »Für ein starkes Spandau. Dynamisch. Demokratisch. Deutsch« Wahlkampf. Später verteidigte er Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen gegen Kritik aus der CDU. Wobei Wegner inzwischen weit weniger konservativ daherkommt, nun unterstützt er das Parteiausschlussverfahren gegen Maaßen, und als seine CDU nach der Neuköllner Silvesternacht vom Senat die Vornamen der Straftäter wissen wollte, reagierte Wegner eher verhalten. Die Wut der in Berlin traditionell sehr renitenten Alternativszene ist ihm dennoch sicher.

