Julian Assange: »In Amerika würde Julian lebendig begraben«
Icon: vergrößernJulian Assange: Gericht in London entscheidet über Auslieferung in die USA
Foto: Matt Dunham / picture alliance / ASSOCIATED PRESS
SPIEGEL: Frau Moris, wie war Ihr Weihnachten ohne Julian Assange? Der Vater Ihrer beiden kleinen Söhne ist seit April 2019 im Londoner Belmarsh-Hochsicherheitsgefängnis…
Stella Moris: Die Jungs und ich waren Weihnachten bei meinen Eltern. Wir legten auch Geschenke für Julian unter den Baum, die wir ihm beschrieben, als er anrufen konnte.
SPIEGEL: Wie hat er die Feiertage verbracht?
Moris: Es gibt kein Weihnachten im Belmarsh-Hochsicherheitsgefängnis. Immerhin hat er einen Berg von Briefen bekommen.
SPIEGEL: Ist er weiterhin 23 Stunden am Tag in seiner Zelle eingesperrt?
Moris: Ja. Belmarsh ist eines der härtesten Gefängnisse Großbritanniens, und er sitzt da seit 20 Monaten ein. Jeder fünfte Gefangene dort wurde wegen Mordes verurteilt. Julian muss keine Strafe dort verbüßen, aber im Vereinigten Königreich werden selbst in den Zeiten von Corona keine Gefangenen von der Haft verschont, die nicht schon verurteilt sind.
SPIEGEL: Wie ist die Corona-Situation in diesem Gefängnis?
Moris: Es gab einen Ausbruch im März und jetzt wieder einen im November. Da wurden alle Häftlinge rund um die Uhr in ihren Zellen eingeschlossen. Julian durfte nicht für eine Minute aus seiner Zelle kommen, nicht mal um zu duschen. 97 Gefangene in seinem Gefängnisblock waren Ende Dezember infiziert. Wenn der Gefängnisblock unter Quarantäne gestellt wird, bedeutet das eine verschärfte Isolation in einer ohnehin schon isolierten Existenz. Wenn Sie Ihrer Freiheit beraubt sind, macht jedes kleine Stückchen Freiheit – Sonnenlicht auf Ihrer Haut, ein Windhauch auf Ihrem Gesicht, jede Interaktion mit Menschen – einen enormen Unterschied. Die sensorische Deprivation hat sehr schlimme Auswirkungen.

