Gendergerechte Sprache: Der Kulturkampf um die deutsche Sprache
Die einen sagen, dass die Uno den Anfang gemacht habe, als sie 1995 das Gender-Mainstreaming zum Leitbild für die ganze Welt erhob. Bald darauf sei in der deutschen Sprache etwas ins Rutschen gekommen.
Andere blicken nach Karlsruhe, wo das Bundesverfassungsgericht 2017 entschied, dass die Zweiteilung der Menschen in Frauen und Männer für manche diskriminierend sei. »Divers« heißt darum inzwischen die dritte Option im Geburtsregister und in Stellenanzeigen. Um dieser Gruppe auch sprachlich gerecht zu werden, verwenden mittlerweile nicht mehr nur Aktivist(*)innen besondere Schreibweisen wie dieses Gendersternchen.
Aber vielleicht begann alles schon mit Luise Pusch. 1980 veröffentlichte die Sprachwissenschaftlerin gemeinsam mit drei weiteren Linguistinnen die ersten deutschen »Richtlinien zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs«. Ihr Ziel war es, die Sprache weiblicher zu machen, damit die Frauen sichtbarer würden – Gleichberechtigung mit den Mitteln von Wortschatz und Grammatik.
Die deutsche »Männersprache« verstecke die Frauen besser als eine Burka, hat Pusch einmal polemisiert. Heute ist sie 77 Jahre alt und beobachtet nach wie vor aufmerksam, wie die Deutschen mit ihrer Sprache umgehen, worüber sie streiten, was sich verändert. Am Ziel sieht sie sich noch nicht. »Heftigen Gegenwind gab es schon immer«, sagt sie, freut sich aber, dass inzwischen Feministinnen in führende Ämter aufgestiegen seien und der Debatte Nachdruck verliehen.

