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Entschuldigung war nur Anfang: Orbans Lügenpresse bricht in sich zusammen

July 09
20:16 2026

Politik

Entschuldigung war nur AnfangOrbans Lügenpresse bricht in sich zusammen

09.07.2026, 18:54 Uhr verstlVon Lea VerstlArtikel anhören(05:00 min)00:00 / 05:00

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Mit seiner Abwahl hat Orban zugleich die Kontrolle über verschiedene Fernsehsender verloren. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

In ungarischen Fernsehsendern rollen die Köpfe, die Günstlinge von Ex-Premier Orban werden ausgetauscht. Besiegelt wird der Neuanfang mit einer öffentlichen Entschuldigung für all die Lügen während Orbans Amtszeit. Doch der Wandel reicht weiter – bis hinein in die Finanzströme von Fidesz.

"300 Lügen pro Tag" habe der staatliche Rundfunk während des Wahlkampfs über ihn verbreitet, sagt Peter Magyar. Ungarns Regierungschef war oft die Zielscheibe von Schmutzkampagnen auf Fernsehsendern, als diese noch von Anhängern seines Amtsvorgängers Viktor Orban kontrolliert wurden. Mit den Lügen ist nun Schluss. Das zeigt Magyar mit einer klaren Botschaft, die er am Mittwochnachmittag über die Bildschirme des Senders M1 flimmern ließ: "Die öffentlich-rechtlichen Medien dürfen nicht lügen. Es tut uns leid, dass wir dies über viele Jahre hinweg dennoch getan haben!", hieß es in dem Text.

Die staatlichen Medien würden nun reformiert, um Unabhängigkeit und Vertrauenswürdigkeit zu gewährleisten. Das Nachrichtenprogramm sei daher ausgesetzt. "Bitte bleiben Sie dran." Magyar setze auf "starke Symbole" im Kampf gegen Orbans Propagandaapparat, sagt der grüne EU-Abgeordnete Daniel Freund ntv.de. Das allein reiche jedoch nicht aus. Es brauche zudem "enorme Reformen", auch um "europäische Standards" wieder einzuhalten.

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Magyars Regierung arbeitet bereits fleißig daran, die Medienlandschaft komplett umzukrempeln. Zum einen fokussiert sie sich auf die gesetzlichen Grundlagen für den Umbau. Zum anderen müssen Köpfe rollen. So wurde nicht nur die Chefetagen in der öffentlich rechtlichen Holding MTVA und den ihr unterstellten Sendern komplett ausgewechselt, sondern auch einige Verantwortliche beim privaten Sender TV2.

Orbans Jugendfreund Mészáros profitiert von Propagandaapparat

Das alles hat auch immense finanzielle Folgen für das Netzwerk von Orbans Partei Fidesz. "Eine unerwartet positive Entwicklung besteht darin, dass sich nicht nur der öffentlich-rechtliche Rundfunk rasch erneuern könnte, sondern auch andere Elemente der Fidesz-Propagandamaschinerie offenbar mangels staatlicher Werbeeinnahmen zusammenbrechen", sagt der parteilose ungarische Oppositionspolitiker Ákos Hadházy ntv.de. Die Regierung und staatsnahe Unternehmen wurden während Orbans Amtszeit zu den mit Abstand größten Werbekunden in Ungarn, mehrere Sender waren von ihnen abhängig. Profitiert haben Vertraute Orbans, etwa sein Jugendfreund Lőrinc Mészáros, der vom Gasinstallateur zum reichsten Mann Ungarns wurde – durch Staatsaufträgen im Bau , Energie und Mediensektor.

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Ungarns gesamte Wirtschaft ist von Orbans Günstlings-System verseucht. Personalfragen sind deshalb der Schlüssel für einen glaubwürdigen Wandel in der Medienlandschaft. Den freiwillige Rücktrick des MTVA-Generaldirektors Dániel Papp sieht Hadházy als einen Schritt in die richtige Richtung. Nach den Entlassungen habe die Regierung eine Interimsführung eingesetzt, die unabhängig arbeiten könne. "Das endgültige Ergebnis wird allerdings davon abhängen, wie die neu ernannten Personen ihre Aufgaben erfüllen", fügt Hadházy hinzu.

Integrität neuer Mitarbeiter für Sender entscheidend

Ágnes Urbán sieht das genauso. Zwar gebe es im geänderten Mediengesetz streng geregelte Auswahlverfahren für den neuen Direktor, die mit der EU-Gesetzgebung konform seien, sagt die Leiterin der ungarischen Medienbeobachtungsorganisation Martek Media Monitor. "Aber die wichtigste Erfahrung der letzten 16 Jahre unter Orbans Regierung ist: Gut ausformulierte Regeln reichen nicht." Die professionelle und moralische Integrität der neuen Mitarbeiter sind zentral. Bereits das alte Mediengesetz habe blumige Formulierungen über unparteiische und objektive öffentliche Medien beinhaltet – sie blieben reine Worte. "Was im Gesetz steht, hilft nur dann, wenn die Menschen im System es ernst nehmen", so Urbán.

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Urbán bewertet Magyars Entscheidung, eine Entschuldigung für die Lügen zu senden, als klugen Schachzug, damit die Zuschauer die Tiefe des Problems im öffentlich rechtlichen Rundfunks vor Augen zu führen. Sie hofft, dass der symbolische Bruch den Beginn einer neuen Ära markiert.

Die Chancen stehen gut – beim Publikum hat jedenfalls ein grundlegendes Umdenken stattgefunden. Urbán verweist auf Umfragen, wonach die Unterstützung für Magyars Tisza-Partei bei rund 70 Prozent liegt – und Fidesz mit nur 20 Prozent weit hinterherhinkt. Die Parlamentswahl im April gewann Tisza bereits mit der nötigen Zweidrittelmehrheit. Für Urbán ein klares Zeichen: "Die Mehrheit der Bevölkerung hat verstanden, wie sehr die Staatsmedien sie belogen haben."

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