Deutsch-amerikanisches Verhältnis nach Donald Trump: »Es kann nur besser werden«
Icon: vergrößernKanzlerin Merkel, Demokrat Biden im November 2009 im US-Kongress in Washington: Geradezu mit Charme überschüttet
Foto: Jason Reed / REUTERS
Wo die Sympathien des Publikums lagen, war an jenem Februartag im prunkvollen Festsaal des Hotels Bayerischer Hof in München überdeutlich. Auf die Rede der deutschen Kanzlerin bei der Münchner Sicherheitskonferenz folgte lang anhaltender Applaus der versammelten Außenpolitiker aus aller Welt. Viele erhoben sich von ihren Sitzen. Als wenig später der amerikanische Vizepräsident Joe Biden seine Ansprache hielt, folgte nicht mehr als pflichtschuldiges Klatschen.
Es war das Jahr 2015, die Ukrainekrise spitzte sich gerade zu, und auf offener Bühne entbrannte zwischen Angela Merkel
und Joe Biden ein Streit über Waffenlieferungen an die ukrainische Armee. Biden drängte darauf, aber Merkel, die eine Eskalation des Konflikts befürchtete, war dagegen – und setzte ihre Meinung später gegenüber US-Präsident Barack Obama durch.
In seinen Memoiren beschreibt Biden unverblümt seine Enttäuschung über die deutsche Bundeskanzlerin, die seiner Meinung nach viel zu lasch gegenüber Putin aufgetreten sei. In dem Buch »Promise Me, Dad« mokiert er sich über Merkels »passive Stimme«, während er selbst seine bis dahin beste Rede gehalten habe. Auch ein Dreiertreffen mit dem ukrainischen Präsidenten verlief offensichtlich wenig harmonisch. »Merkel schien frustriert über mich«, lautet Bidens Fazit.

