Corona in Brasilien: Impfskandal in der Pandemie mit schweren Folgen für Alte
Icon: vergrößernImpfen gegen das Virus: Eine alte Frau wird in São Paulo geimpft (Symbolbild)
Foto: Miguel Schincariol / Getty Images
Auf den ersten Blick schien nichts besonders an den Bildern, die die Abendnachrichten des Senders Globo in den vergangenen Tagen zeigten, zu oft hatte man sie schon gesehen, seit in Brasilien die Impfkampagne angelaufen ist.
Ein Auto fährt an einem Drive-thru vor, ein alter, leicht desorientiert wirkender Mann mit dicken Brillengläsern entblößt seinen Arm auf dem Beifahrersitz, eine Impfhelferin erscheint in weißer Schutzkleidung. Dann die Spritze, der aufgedrückte Wattebausch, schnelle, routinierte Handgriffe, auf die ein kurzer Jubel im Inneren des Wagens folgt.
Dass etwas nicht stimmte, fiel der Familie erst auf, als sie sich die Aufnahmen auf ihrem Handy zu Hause noch mal ansah. Es ist ein nicht ganz unwesentliches Detail, das tatsächlich erst nach mehrmaligem Spulen auffällt: Die Impfhelferin hat zwar die Spritze in den Arm gestochen. Sie hat aber den Kolben nicht gedrückt.
Es war kaum zu glauben.
Nachdem zahllose verunsicherte Brasilianer noch einmal die Archive ihrer Smartphones sichteten, fanden diverse weitere Videos den Weg an die Öffentlichkeit. Egal ob sie aus Rio de Janeiro sind, aus Alagoas oder aus Goiânia: Die Sequenzen ähneln sich auf unheimliche Weise. Immer sieht man, wie eine Nadel in den faltigen Arm eines Greises taucht. Immer folgt darauf ein kaum wahrzunehmender Schwindel. Mal sind die Ampullen voll, aber die Schwester drückt den Kolben nicht. Mal drückt sie ihn, aber im Spritzenzylinder fehlt die Flüssigkeit.

