Corona-Folgen: »Einsamkeit ist für die einen Fluch, für die anderen Segen«
Icon: vergrößernAleida Assmann
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SPIEGEL: Frau Assmann, wie feiern Sie Weihnachten?
Assmann: Eigentlich wollten wir zu einem Weihnachtsgottesdienst unter freiem Himmel gehen, mit warmem Mantel und Decke. Auf einer Waldlichtung in einer alten Freiluftkirche, bestehend nur aus einem überdachten Chorgestühl ohne Wände, durch das der Wind bläst. Aber vielleicht fällt auch dieser romantische Ausweg der Corona-Verordnung zum Opfer.
SPIEGEL: Was dann?
Assmann: Wir werden auf jeden Fall mit unserer jüngsten Tochter – pars pro toto – zusammen sein. Zu dritt kann man ganz gut singen, und das ist neben Kerzen und Stollen für uns das Wichtigste an diesem Fest.
SPIEGEL: Das Corona-Jahr als bittersüße Erinnerung?
Assmann: Corona hat Dinge erzwungen und ermöglicht, die vorher undenkbar waren, auch durch den Schub in der Digitalisierung. Ein Beispiel: Eine Studentin, die vor zehn Jahren Konstanz verließ und im Norden Australiens in einer abgelegenen Aboriginal community mit mittlerweile zwei Kindern lebt, tauchte im Herbst in einem Seminar auf, das wir auf Zoom veranstalteten. Das Thema war der biblische Prophet Hiob. Im kommenden Jahr wird die Studentin in Konstanz ihren Abschluss machen können.

