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»Aurora«: Italien setzt weiteres deutsches Seenotrettungsboot fest

June 16
01:46 2023

Der Tod von mutmaßlich mehreren hundert Migranten bei einer Bootshavarie im Mittelmeer zwischen Italien und Griechenland hat international Entsetzen ausgelöst. Italien schränkt derweil die Einsatzfähigkeit privater Seenotretter weiter ein.

Wie die in Berlin ansässige Hilfsorganisation Sea-Watch mitteilte, haben die italienischen Behörden mit der »Aurora« ein drittes deutsches Seenotrettungsschiff vorläufig aus dem Verkehr gezogen. Das Boot sei demnach am Mittwochabend in Lampedusa festgesetzt worden.

Als Grund sei angegeben worden, dass das Schiff ein Regierungsdekret missachtet habe. Vor der »Aurora« hatte Rom zuletzt auch schon die »Mare*Go« ebenfalls auf Lampedusa und die »Sea-Eye 4« in Ortona festgesetzt.

Crew lief nicht vorgeschriebenen Hafen an

Hintergrund der Maßnahme ist eine Anordnung der rechtsnationalistischen Regierung in Rom. Demnach müssen private Seenotretter nach einem Einsatz unverzüglich in den Hafen fahren, der ihnen zugeteilt wird. Im Fall der »Aurora« war das Trapani auf Sizilien. Die Crew entschied, trotz der Anweisung das nahe gelegene Lampedusa anzusteuern. Aus Sicht der Aktivisten war dies wegen des körperlichen Zustandes der 39 geretteten Menschen notwendig.

Unter den Migranten waren unbegleitete Minderjährige und eine Schwangere. Sie waren am Montag im Mittelmeer von einem seeuntauglichen Boot gerettet worden, wie es hieß. Treibstoff, Lebensmittel und Wasser seien aufgebraucht gewesen.

Nichtregierungsorganisationen kritisieren seit Wochen das Dekret und werfen der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni Schikane vor. Rom wolle durch die Maßnahmen ausländische Helfer abschrecken, so der Vorwurf. Die Regierung verteidigt ihre Entscheidung und sagt, freiwillige Retter würden Regeln missachten und nicht mit den Behörden kooperieren.

Das verheerende Unglück vor der Küste der griechischen Halbinsel Peloponnes am Mittwoch wirft derweil die Frage auf, ob die Küstenwachen und Sicherheitsbehörden der Anrainerstaaten in dem Gebiet nicht früher hätten eingreifen müssen. Hinweise auf das völlig überfüllte Boot gab es offenbar bereits am Dienstag.

Hätte das Unglück vor Griechenland verhindert werden können?

Nach Angaben der griechischen Küstenwache war den Menschen auf dem völlig überfüllten Boot mehrfach durch die Küstenwache selbst sowie vorbeifahrende Frachter per Funk Hilfe angeboten worden. Der Kapitän habe den Angaben zufolge jedoch abgelehnt und angegeben, nach Italien weiterreisen zu wollen.

Alarm Phone, eine Initiative, die Rufe von in Not geratenen Migrantenschiffen entgegennimmt, teilte indes mit, man habe Kontakt zu Menschen gehabt, die sich ihrer Meinung nach auf demselben Schiff befunden und verzweifelt um Hilfe ersucht hätten.

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