Russland und Deutschland: Die Beziehungen stehen an einem historischen Tiefpunkt
Icon: vergrößernMerkel und Putin zu Beginn dieses Jahres im Kreml. Da war das Verhältnis schon belastet, aber das Reden noch einfacher
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Pavel Golovkin / dpa
Eigentlich hatte das Jahr 2020 nicht schlecht begonnen in den deutsch-russischen Beziehungen. Auf dem verschneiten Roten Platz drehte sich noch das Kettenkarussell vom Weihnachtsmarkt, als Angela Merkel Mitte Januar zu Gesprächen mit Wladimir Putin eintraf. Die Kanzlerin brauchte Moskaus Hilfe, nur damit ließe sich jener große Libyengipfel durchführen, mit dem sich Deutschland noch im selben Monat als Friedensstifter präsentieren wollte.
Erstaunlich entspannt und freundlich war die Atmosphäre des Treffens. Dass Moskau und Berlin gerade erst gegenseitig Diplomaten ausgewiesen hatten, wurde mit keinem Wort erwähnt. Kein Wort auch von Berlins Verdacht, dass staatliche russische Stellen im Sommer 2019 ein Verbrechen in der deutschen Hauptstadt organisiert hatten: Der Mord an Zelimkhan Khangoshivili, einem tschetschenischstämmigen Asylbewerber, belastete zwar die Beziehungen – aber nicht stark genug, um eine Zusammenarbeit auf anderen Feldern zu verhindern.
Merkels Moskaubesuch war ein Musterbeispiel traditioneller deutscher Russlandpolitik. Deren paradoxer Grundsatz lautet: Man kann auch mal gute und schlechte Beziehungen zugleich haben, wenn man die Dinge säuberlich trennt.

