Zweite Corona-Welle in Italien: »Ich sollte einen Covid-Plan verfassen? Das wusste ich nicht«
Icon: vergrößernProvisorische Notaufnahme in Palermo: »Wären wir besser ausgestattet, könnten wir die Pandemie leichter bewältigen«
Foto: Francesco Militello Mirto / dpa
Giuseppe Riccardo Spampinato sitzt in seinem Sprechstundenzimmer und versteht die Welt nicht mehr. Genauer gesagt: Italien. Und noch präziser: seine Heimat Sizilien. »Jeder normale Staat hat eine Armee, Bomben, Jagdflieger. Er ist auf einen Krieg vorbereitet, den er hoffentlich niemals führen muss«, sagt der Professore. Ebenso verhalte es sich mit Seuchen. Jedenfalls sollte es so sein. »Aber wir haben kein Arsenal bereitgehalten, um eventuelle Pandemien zu bekämpfen«, schimpft Spampinato. »Nicht mal ein Stück Papier mit Verhaltensregeln.«
Es ist Mittwochnachmittag. Spampinato hat schon einige Operationen in der Klinik hinter sich, gleich beginnt die Sprechstunde in seiner privaten Praxis im Zentrum von Catania, am Fuß des Ätna. Zwischendurch kümmert sich der Chirurg – er ist Regionalsekretär im Medizinerverband Cimo – um die Corona-Sorgen seiner Kollegen. Und die sind gerade riesengroß.
Vor wenigen Tagen enthüllten er und sein Verband einen Skandal, der Sizilien blamierte und italienweit für Erstaunen sorgte. Es ging um Intensivstationen. Die Regionalregierung in Palermo hatte stolz neue Intensivbetten nach Rom gemeldet. 817 statt bisher 418 solcher Posten sollte es nun auf der Fünf-Millionen-Einwohner-Insel geben.

