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Kremlchef adelt AfD und Schröder: Putin gibt in Ukraine-Frage keinen Millimeter nach

June 05
12:16 2026

Politik

Kremlchef adelt AfD und SchröderPutin gibt in Ukraine-Frage keinen Millimeter nach

05.06.2026, 10:14 Uhr Artur WeigandtVon Artur Weigandt

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Allles zu seinen Bedingungen: Wladimir Putin beim Treffen mit Vertretern internationaler Nachrichtenagenturen. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Wladimir Putin lässt sich von internationalen Journalisten befragen und liefert eine Demonstration der Unbeirrbarkeit. Die Ukraine werde verlieren, ihren Präsident verspottet er und in Deutschland sieht der Diktator nur zwei potenzielle Partner: seinen Angestellten Gerhard Schröder und die AfD.

Beim St. Petersburger Wirtschaftsforum präsentierte sich Wladimir Putin, wie er sich am liebsten sieht: gelassen, unangefochten, auf der Gewinnerseite der Geschichte. Vor einer ausgewählten Runde internationaler Medienvertreter parierte er knapp zwei Stunden lang Fragen zum Ukraine-Krieg, Eskalationsrisiken und Diplomatie. Er vermittelte dabei den Eindruck eines Mannes, der keinen Druck verspürt, irgendetwas zu ändern. Dass die Live-Übertragung mit fast drei Stunden Verspätung begann, passte ins Bild der Machtdemonstration: Der Kreml nutzte das Forum wie schon in den Vorjahren als sorgfältig inszenierte Bühne – kein Krisentreffen, keine Defensive, sondern die selbstbewusste Demonstration eines Staatschefs, der den Takt vorgibt, auch beim Sendestart.

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Auf Fragen zu den ukrainischen Drohnenangriffen auf St. Petersburg und den Grenzen militärischer Eskalation antwortete Putin mit einer Kaskade militärischer Kennziffern. Russland habe inzwischen 2440 zusätzliche Quadratkilometer unter Kontrolle. Die Ukraine verliere monatlich rund 40.000 Soldaten durch Gefallene und Verwundete – Verluste, die weder durch Mobilisierung noch durch Freiwillige ausgeglichen werden könnten. Dazu kämen etwa 20.000 Desertionen pro Monat. "Motivation: keine", kommentierte Putin knapp.

Diese Zahlen stammen ausschließlich aus russischen Quellen und sind unabhängig nicht überprüfbar. Ihre eigentliche Funktion liegt jedoch auf der Hand: Sie sollen das Narrativ eines Abnutzungskriegs zementieren, den Russland langsam, aber sicher gewinnt – nach innen wie nach außen. Die Botschaft an die eigene Bevölkerung und an internationale Beobachter lautet: Die Zeit arbeitet für Moskau.

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Verhandlungen nur zu seinen Bedingungen

Bemerkenswert war Putins Umgang mit dem Oreschnik-Hyperschallsystem. Die Rakete sei bislang nicht regulär in der Ukraine eingesetzt worden – nur "dort, wo es bequem war, das Ergebnis zu beobachten". Eine typisch putinsche Formulierung: Sie verbindet eine unausgesprochene Drohung mit demonstrativer Zurückhaltung und dem Gestus technischer Überlegenheit. Kombiniert mit Aussagen zur russischen Dominanz bei Luftabwehr und Angriffssystemen entsteht das Bild einer Armee, die dosiert eskalieren kann, ohne selbst existenzielle Risiken einzugehen. Es ist die Rhetorik der kontrollierten Stärke – die Drohung, die keine sein will, und eben deshalb umso wirkungsvoller ist.

Auch bei der Frage nach Verhandlungen gab sich Putin gesprächsbereit – allerdings ausschließlich zu seinen Bedingungen. Ein Waffenstillstand vor Gesprächen sei nicht nötig. Als Grundlage nannte er das, was mit US-Präsident Donald Trump beim Treffen in Alaskas Metropole Anchorage besprochen worden sei. Damals hatte sich Trump weitgehend den russischen Forderungen ergeben, bis Kiew und die großen europäischen Staaten dem US-Präsidenten deutlich machten, dass es so nicht geht.

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Die diplomatische Tür, die Putin damit öffnete, hat er gleichzeitig mit einem eigenen Rahmen versehen: Anchorage wird nicht als Ausgangspunkt für Kompromisse definiert, sondern als russische Vorbedingung. Wer verhandeln will, muss zuerst liefern. Diese Taktik ist klassisch moskauisch: Fakten schaffen, Vorbedingungen formulieren, die Gegenseite in eine Position bringen, in der sie Vorleistungen erbringen muss, bevor echte Gespräche überhaupt beginnen können.

Putin stellt Selenskyj als Verhandlungspartner infrage

Parallel dazu stellte Putin erneut die Legitimität Wolodymyr Selenskyjs infrage. Dessen Mandat als Staatschef sei abgelaufen; "historische Dokumente" könnten nur mit legitimen Vertretern unterzeichnet werden. Man werde schon jemanden finden, mit dem man unterzeichnen könne – wen genau, ließ er demonstrativ offen. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern Kalkül: Die Frage des Verhandlungspartners bleibt als Hebel erhalten. Kiew wird delegitimiert und Moskau behält sich vor, selbst zu bestimmen, mit wem am Ende gesprochen wird. Eine bewusste Leerstelle, die den Druck auf die ukrainische Seite weiter erhöht.

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Mit Blick auf Europa blieb Putin bei seiner bewährten Spaltungsstrategie. Eine Vermittlerrolle von Bundeskanzler Friedrich Merz schloss er kategorisch aus: Europa habe sich durch Waffenlieferungen und politische Unterstützung selbst zur "Kriegspartei" gemacht. Stattdessen brachte er den ehemaligen Bundeskanzler und Putin-Freund Gerhard Schröder erneut ins Spiel – einen Politiker, der aus russischer Sicht noch "aus Überzeugung" handelt.

Noch weiter ging eine wohlwollende Erwähnung der AfD: Die Partei verteidige "die Interessen Deutschlands und seiner Wirtschaft" offen und konsequent. Drei hochrangige AfD-Vertreter waren beim Wirtschaftsforum zu Gast und warben hüben wie drüben für eine Wiederaufnahme russischer Gasimporte nach Deutschland. Putins direkte Einmischung in die deutsche Innenpolitik ist kein Zufall, sondern Teil einer gezielten Strategie, bestehende gesellschaftliche Spannungen in Europa zu vergrößern, anti-westliche Kräfte zu stärken und das Bild eines gespaltenen, uneinigen Westens zu festigen.

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Besonders prägnant war seine Botschaft zur Ostsee-Pipeline Nordstream: "Es reicht, nur einen Knopf zu drücken, damit das Gas fließt." Die Entscheidung liege allein in Berlin. Mit wenigen Worten verknüpfte Putin ökonomischen Druck mit dem Angebot einer schnellen Rückkehr zur energiepolitischen Abhängigkeit. Es ist ein klassischer Zug aus dem Moskauer Spielbuch: das Versprechen wirtschaftlicher Normalität als Hebel, um politische Standfestigkeit zu untergraben.

Selenskyjs Brief? Hat Putin nicht gelesen

Noch am selben Abend antwortete Selenskyj mit einem offenen Brief. Er bot ein direktes Treffen in einem neutralen Drittland, einen vollständigen Waffenstillstand während der Verhandlungen und einen umfassenden Austausch aller Kriegsgefangenen an. Dieser ungewöhnlich persönliche Appell war zugleich ein Signal an die westlichen Partner: Kiew lehnt Gespräche nicht grundsätzlich ab, ist zu konkreten Schritten bereit und will nicht als Hindernis für eine diplomatische Lösung dastehen.

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Die Reaktion aus Moskau fiel bezeichnend kühl aus. Selenskyj könne "jederzeit nach Moskau kommen", hieß es. Kremlsprecher Peskow betonte, Putin habe den Brief noch nicht einmal gelesen. Diese demonstrative Gleichgültigkeit ist wieder eine Machtbotschaft: Kiew wird als unterlegener Bittsteller positioniert, nicht als gleichberechtigter Verhandlungspartner – eine Inszenierung, die Selenskyjs Angebot bewusst kleinmacht, ohne inhaltlich darauf eingehen zu müssen.

Das Fazit des Tages ist ernüchternd für alle, die auf baldige Waffenstillstandsverhandlungen hoffen: Putin hat in St. Petersburg kein ernsthaftes Verhandlungsangebot gemacht. Die angebotenen "Kompromisse" sind so gestrickt, dass sie eine weitere substanzielle Schwächung der Ukraine zur Voraussetzung für Gespräche erheben. Zugleich befördert Putin weiter die Erzählung vom gespaltenen und zunehmend isolierten Westen, während sich Russland immer enger mit China, Indien und dem Globalen Süden vernetze. Das Wichtigste aber: Trotz der zuletzt viel diskutierten militärischen Erfolge der Ukraine zeigt sich Putin vollkommen unbeirrt – zumindest nach außen.

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