News des Tages: Glatteis und Winter in Deutschland, Hamas, Donald Trump, Grand Theft Auto VI
1. Spekulation um mutmaßliche Hamas-Spekulation
Die Geschichte hat das Zeug zum Spionagethriller: Bevor die Kämpfer der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober ihren blutigen Angriff auf Israel begannen, sollen Aktienhändler an der Börse milliardenschwere Wetten auf den Sturz israelischer Wertpapierkurse abgeschlossen haben – um dann abzukassieren, als die Kurse israelischer Aktien gefallen sind. Das behaupten zwei US-Forscher in einer Studie, die gerade weltweit Schlagzeilen macht. Sie weist aber offenbar methodische Mängel auf, wie mein Kollege Michael Brächer aus unserem Wirtschaftsressort berichtet .
Was wirklich dran ist an den Vorwürfen, bleibt demnach umstritten. »Zwar haben israelische Behörden umgehend angekündigt, die verdächtigen Handelsaktivitäten zu prüfen«, berichtet Michael. »Doch schon kurz nach der Publikation des Papiers tauchten Zweifel am Vorgehen der beiden Forscher auf.« Demnach spricht der Chef der Börse von Tel Aviv in der israelischen Finanzzeitung »Globes« von gravierenden methodischen Mängeln: So hätten die Autoren etwa bei der Berechnung der mutmaßlichen Profite der Shortseller die Währungseinheit verwechselt. Sie hätten mit Schekeln statt der kleineren Einheit Agorot gerechnet und dadurch die Profite um den Faktor 100 zu hoch angesetzt.
Weitere Gründe, der Studie mit Skepsis zu begegnen: Es handelt es sich um eine Vorabveröffentlichung, die noch nicht von anderen Forschern überprüft wurde. Und auch die Methodik weckt Zweifel. Michael schreibt: »Die beiden Rechtswissenschaftler bezeichnen das hohe Volumen an Short-Positionen zwar als ›unwahrscheinlich‹ – räumen aber selbst ein, dass es an anderen Tagen noch größere Wetten gegen israelische Aktien gab.«
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Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen: Hat die Hamas wirklich mit israelischen Aktien abkassiert?
Weitere Nachrichten und Hintergründe zum Krieg in Nahost finden Sie hier:
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Wie die Deutschen über den Nahostkonflikt denken: Kanzler Scholz sieht Deutschlands Platz an der Seite Israels. Doch viele Deutsche stimmen ihm einer Umfrage zufolge nicht zu. Experten erklären, wie das kommt .
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Greta Thunberg wirft Israel Völkermord im Gazastreifen vor: Die Klimaaktivistin Greta Thunberg und die schwedische Sektion von Fridays for Future haben Israel zum wiederholten Mal des Genozids im Gazastreifen bezichtigt. Thunberg beruft sich dabei auf einen israelischen Historiker.
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Israel erwägt womöglich die Flutung des Hamas-Tunnelsystems im Gazastreifen: Israel hat offenbar Pumpen installiert, um Meerwasser in die Tunnel der Hamas einzuleiten. Das könnte Terroristen an die Oberfläche treiben, aber auch Geiseln gefährden – und hätte womöglich Folgen für das Ökosystem.
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Als es noch Hoffnung für Gaza gab: Das, was wir heute als »Gazastreifen« kennen, war über Jahrtausende hinweg ein Handelszentrum, über einen Seehafen mit der Welt verbunden. 1998 sollte ein Flughafen daran anknüpfen und eine neue Ära einleiten. Dann kam alles anders.
2. Government of Trump, by Trump, for Trump
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»Warum eine zweite Trump-Präsidentschaft radikaler sein könnte als seine erste«, titelt die »New York Times«.
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In der »Washington Post« fürchtet ein Kommentator: »Eine Trump-Diktatur erscheint immer unvermeidlicher. Wir sollten aufhören, uns etwas vorzumachen.«
Zwei Schlagzeilen, die zeigen, welche Stimmung herrscht in den USA: »Der Ex-Präsident erlebt derzeit in den Umfragen einen Höhenflug«, berichtet mein Kollege Roland Nelles aus Washington . »Ein Sieg Trumps bei den internen Vorwahlen der Republikaner scheint so gut wie sicher.« Und auch im direkten Vergleich mit Joe Biden sehen die meisten Umfragen derzeit Trump im Vorteil.
»Dabei liefern Trump und seine Anhänger nicht erst seit Kurzem reichlich Hinweise dafür, dass die US-Demokratie unter ihrer Regentschaft tatsächlich in Gefahr geraten könnte«, schreibt Roland. Kaum ein Tag vergeht demnach, ohne dass Details zu Plänen aus Trump-nahen Thinktanks bekannt werden. Auch er selbst macht immer wieder Andeutungen. Dreierlei kristallisiert sich für eine mögliche neue Trump-Regierung heraus:
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Er würde die wichtigsten Bundesbehörden wohl mit einer Heerschar besonders treuer Mitarbeiter besetzen. Speziell das Justizministerium könnte er dann dazu nutzen, Ermittlungen gegen seine politischen Gegner einzuleiten.
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Um mögliche Proteste gegen seine Amtsführung auszuschalten, könnte Trump auf den sogenannten Insurrection Act zurückgreifen, ein 150 Jahre altes Gesetz, das dem Präsidenten erlaubt, das Militär bei Unruhen auch im Innern einzusetzen. Falls es im Pentagon oder in der weiteren Militärführung Widerstand gegen solche Anordnungen des Präsidenten geben sollte, könnte Trump auch hier das Führungspersonal auswechseln.
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Er hätte die Befugnis, die Chefs der wichtigsten Sicherheitsbehörden wie FBI oder CIA auszuwechseln. Zwar müssten die Neubesetzungen durch den Senat bestätigt werden, doch die Republikaner haben gute Chancen, im Senat nach den nächsten Wahlen die Mehrheit zurückzuerobern, dies könnte die Einsetzung von Trump-treuen Sicherheitschefs erleichtern. Zudem könnte Trump die Posten im Sicherheitsapparat bis zu einer Senatsbestätigung mit willfährigen Interimskandidaten besetzen.
»Loyale Justiz, gefügiges Militär, entmachteter Kongress: Eine Trump-Diktatur im freiesten Land der Erde wäre deshalb zumindest nicht auszuschließen«, meint Roland. »So verrückt das auch klingen mag.«
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Lesen Sie hier mehr: Wie eine Trump-Diktatur aussehen könnte
3. Automatic for the people
Auto-Deutschland blickt bange auf die Straße, im Radio läuft R.E.M.: What if I ride, what if you walk? Im Kopf die Fragen: Wie lange bleibt es glatt? Wie lange brauche ich, um die Scheiben freizukratzen? Und wie lange würde es dauern, wenn ich doch in die Bahn umsteige? Im Süden, im Norden und im Osten droht auch in der kommenden Nacht überfrierende Nässe. Heute gab es Tote bei mehreren Unfällen auf Autobahnen; München machte vorübergehend den Flughafen dicht (hier mehr dazu, hier ein Video. Und hier erfahren Sie , was passiert, wenn Sie wegen des Wintereinbruchs zu spät zur Arbeit kommen. Und hier lesen Sie , ob es ratsam ist, bei Frost joggen zu gehen).
Gamer-Deutschland blickt gebannt aufs YouTube-Fenster: Der Spielehersteller Rockstar Games hat den ersten Trailer zu »Grand Theft Auto VI« veröffentlicht. Er spielt im fiktiven US-Bundesstaat Leonida und der Vorzeigestadt Vice City, das virtuelle Pendant zu Miami, also eher glatteisfrei. Bis zum Nachmittag klickten über 64 Millionen Leute drauf; nach kaum einem Spiel sehnt sich die Szene so sehr: »Es ist der Moment, auf den Gamingfans zehn Jahre lang gewartet haben«, sagt mein Kollege Markus Böhm aus unserem Netzwelt-Ressort. »Die Spielreihe hat etwas Monumentales, das erklärt auch den Mythos.« Das habe mit dem ungeheuren Produktionsaufwand für eine absurd detailreiche Digitalwelt zu tun: »Du kannst Tage, Wochen oder Jahre darin verbringen: zu Fuß oder im geklauten Cabrio oder Flugzeug«, sagt Markus. Vom harmlosen Sightseeing bis zum Nachtklub-Besuch oder Amoklauf ist in ›GTA‹ einiges möglich. »Was neben Erwachsenen, für die das Spiel gedacht ist, natürlich auch Kinder fasziniert.«
Dazu kommt: »Rockstar Games ist berühmt-berüchtigt für seinen düsteren Humor und Tabubrüche, von Sex bis Folter.« Andere Studios scheuen den Shitstorm, das GTA-Entwicklerteam lotet immer wieder die Grenzen des Mediums aus. »Ich bin gespannt, welche Debatten das neue Spiel – der erste 3D-Teil mit weiblicher Hauptfigur – auslösen wird«, sagt Markus. Erscheinen wird es allerdings erst 2025, zwölf Jahre nach dem vorherigen Serienteil. Hey kids, rock and roll / Nobody tells you where to go, baby .
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Lesen Sie hier mehr: Darauf haben Gamingfans Jahre gewartet
Was heute sonst noch wichtig ist
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Dax steigt auf Rekordhoch: Krisenstimmung? Zumindest nicht an der Börse. Der Deutsche Aktienindex hat einen neuen Höchststand erreicht. Am späten Nachmittag überstieg er die bisherige Bestmarke von Ende Juli.
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Steuerzahler werden um bis zu 1600 Euro entlastet: Geänderte Steuersätze, erhöhter Kinderfreibetrag: 2024 könnte ein vielversprechendes Jahr für deutsche Steuerzahler werden. Allerdings steigen auch die Sozialabgaben.
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Faeser warnt vor akuter Gefahr durch Islamisten in Europa: Die Innenministerinnen und Innenminister der EU wollten in Brüssel vor allem über Migrationsfragen debattieren. Doch der islamistische Mordanschlag von Paris überschattet das Treffen. Nun beraten sie über das aktuelle Risiko.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
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Fast ein Drittel der 15-Jährigen scheitert an einfachen Matheaufgaben: Immer mehr Schüler werden abgehängt, die Leistungsspitze schrumpft auch an Gymnasien, das System ist sozial ungerecht: Rund 20 Jahre nach dem Pisa-Schock legen OECD-Forscher neue »besorgniserregende« Ergebnisse vor .
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Was die Generation Weltreise gern verschweigt: Eugen und Anna Lambrecht reisten um die Welt und erfüllten sich einen Lebenstraum. Nach fünf Jahren kehrten sie ernüchtert zurück. Heute sagt der YouTuber: Ich fiel auf ein falsches Versprechen herein .
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Was ist denn jetzt schon wieder? Patrice Lumumba war ein Freiheitsheld, ermordet kurz nach der Unabhängigkeit Kongos. Dass sein Name nun für ein klebriges Kakaogetränk herhalten muss, regt viele auf – zu Recht .
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Verbrenne ich beim Laufen mehr Kalorien, wenn es kalt ist? Wer gern läuft, lässt sich von Eis und Schnee nicht aufhalten. Ein Sportmediziner gibt Tipps, worauf man achten sollte – und welche Vorteile das Training bei winterlichen Temperaturen haben kann .
Was heute weniger wichtig ist
Leinwandfrei: Der Schauspieler Nicolas Cage, 59, hat bekannt gegeben, dass er demnächst keine Kinofilme mehr drehen will. Stattdessen plant er TV-Projekte, wie er dem Entertainmentportal »Uproxx« sagte: »Nach mehr als 45 Jahren, in denen ich das mache, und nach mehr als 100 Filmen habe ich alles zum Thema Kino gesagt, was ich zu sagen habe.«
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Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Und heute Abend?
Könnten Sie es sich auf dem Sofa gemütlich machen und der Empfehlung meiner Kollegin Frauke Böger folgen , den Film »Höhere Gewalt« zu gucken. In dem Drama von 2014 macht eine vierköpfige Familie aus Schweden Skiurlaub in den französischen Alpen, es sind gut situierte Leute in farblich korrespondierender Skiunterwäsche. Auf der Terrasse eines Restaurants werden sie von einer Lawine überrascht. Der Vater folgt seinem Impuls und flieht, Frau und Kinder lässt er sitzen. »Von der Lawine wird niemand verletzt, nachhaltig erschüttert aber ist die Ehe«, schreibt Frauke. »Die Aufarbeitung dieses Vorfalls ist grotesk bis grausam, zwischenzeitlich hält man es kaum aus. Auf jeden Fall ein grandioser Film, um Winterzeit totzuschlagen.« (Hier finden Sie weitere Tipps aus unserem Kulturressort , wie man dem Winter Paroli bietet – oder es sich darin gemütlich macht: mit Schubert und Morgenstern, mit Haftbefehl und »Game of Thrones«.)
Ihnen einen schönen Abend, Stiefel rausstellen nicht vergessen. Herzlich
Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion

