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Frauenrechte in Afghanistan: Ein Fotograf porträtiert den Alltag von Sportlerinnen unter den Taliban

March 08
13:26 2023

Der Fotograf Ebrahim Noroozi reist durch Afghanistan, mit der Frage: Wie sieht das Leben für Frauen und Mädchen unter den Taliban aus? Er hat Sportlerinnen porträtiert, die keine mehr sein dürfen.

Die Taliban verbieten Frauen und Mädchen in Afghanistan

  • zu studieren,

  • in einen Park zu gehen,

  • im Sportcenter zu trainieren,

  • den Zugang zu Freizeitparks in Kabul,

  • für Hilfsorganisationen zu arbeiten (außer im Gesundheitssektor),

  • ohne Hidschab oder Burka das Haus zu verlassen,

  • ohne Hidschab im Auto mitzufahren,

  • eine Schule zu besuchen,

  • Krankenhäuser und Arbeitsstätten gemeinsam mit Männern zu betreten,

  • teilweise, als Schauspielerinnen in Filmen und Serien vorzukommen.

Seit die Taliban im August 2021 zurück an der Macht sind, haben sie Frauen Stück für Stück aus dem öffentlichen Leben gedrängt, ihnen die Möglichkeit auf Arbeit, Freizeit, Bildung, Teilhabe genommen. Die Islamisten fügen Frauen und Mädchen massiven Schaden zu, für den Moment und langfristig: Mädchen und Frauen wachsen fern von Schule und Weiterbildung auf, und ja, natürlich auch: fernab von dem, was Freude macht.

Der iranische Fotograf Ebrahim Noroozi besuchte das Land im September vergangenen Jahres, um den neuen, erzwungenen Alltag der Afghaninnen zu dokumentieren. Er sagt: »Den Frauen hat man alles genommen. Tag für Tag werden sie weiter in ihren Rechten eingeschränkt, sie sind fast nur noch zu Hause. Es ist bitter und schmerzhaft anzusehen.«

Um dieses Leid zu zeigen, nutzte Noroozi die Inszenierung als Mittel. Er porträtiert in einer Serie ehemalige afghanische Sportlerinnen, die nun ihren Sport nicht mehr ausüben dürfen, mit ihren Sportgeräten. Alle Athletinnen tragen eine Burka, um anonym zu bleiben, da sie Repressalien der Taliban fürchten. Aber auch, weil einige von ihnen ihren Sport weiterhin im Geheimen ausüben. Auch vor der Übernahme der Taliban hätten Mädchen und Frauen oft kämpfen müssen, um Fußball spielen, laufen, Rad fahren, boxen, skateboarden zu dürfen, berichtet Noroozi. Nun sind solche Aktivitäten unmöglich geworden.

Es sei schwierig gewesen, Protagonistinnen für seine Serie zu finden. Dort, wo Sport stattfindet, in den Hallen, auf den Hartbahnen, den Trainingsgeländen der Hauptstadt Kabul sind Frauen nicht mehr geduldet. »Ich habe lange nach Sportlerinnen gesucht. Und noch schwieriger war es, sie zu überzeugen, mitzumachen. Alle sind voll Angst.«

Diese Frauen haben sich getraut:

Frau mit Fahrrad in Kabul: »Die Mädchen und Frauen, die ich traf, sind total enttäuscht. Ihre Träume und Ziele sind dahin«, sagt der Fotograf Ebrahim Noroozi.

Eine Boxerin posiert für das Foto. Noroozi erzählt: »Ein Mädchen war früher in der Nationalmannschaft. Jetzt sucht sie einen neuen Job: Wäsche waschen, die Häuser der Leute putzen – sie würde alles machen, um ein Einkommen zu haben, damit sie ihre Familie und ihre jüngeren Geschwister unterstützen und ihnen Essen kochen kann. Die Not in den meisten Familien ist groß.«

Diese Frauenfußballmannschaft musste sich schon vor der Rückkehr der Taliban ihr Recht auf den Sport hart erkämpfen. Schließlich schafften sie es, trainierten viel. Inzwischen ist ihnen der Zutritt zu Sportstätten verboten. Kicken und ein Team sein, das gemeinsam für etwas kämpft und etwas schafft, dürfen sie nicht mehr.

Das Sportverbot raubt Afghaninnen viel mehr als nur die körperliche Aktivität. Es wirkt sich negativ auf die physische und mentale Gesundheit der Mädchen und Frauen aus. Verhindert, Freundinnen zu finden oder wiederzutreffen. Und zu spüren, was sie zu lernen imstande sind.

Taekwondo in Kabul? Unmöglich. Manche Mädchen, so Ebrahim Noroozi, trainierten heimlich zu Hause weiter.

Auch Skateboarden durch die Straßen Kabuls ist gegenwärtig nicht mehr möglich. Noroozi sagt: »Der Vater einer Sportlerin erzählte mir, dass sich seine Tochter, nachdem ihr der Sport verboten worden war, zwei Monate lang in ihrem Zimmer verschanzte und die ganze Zeit weinte. Er habe sie kaum überzeugen können, überhaupt noch vor die Tür zu treten und am Leben teilzunehmen.«

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