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Zoonosen: Forscher entwickeln Datenbank für gefährliche Tierkrankheiten

April 08
05:16 2021
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Durch Landwirtschaft rücken Mensch und Tier enger zusammen: Das erhöht auch das Übertagungsrisiko für Krankheiten

Foto: Lucas Ninno / Getty Images

Die Wucht und die Ausmaße der Corona-Pandemie hat die allermeisten Menschen überrascht. Erst durch Sars-CoV-2 wurde vielen klar, welche Gefahr von Viren ausgehen kann, die aus dem Tierreich stammen: Laut WHO-Untersuchungen entwickelte sich das Coronavirus erst in Fledermäusen, bevor es später über ein bisher unbekanntes Tier auf den Menschen überging.

Dabei haben sehr viele Erreger, die den Menschen plagen, ihren Ursprung in tierischen Organismen. HIV, Ebola oder Sars sind bekannte Beispiele für solche sogenannten Zoonosen. Um die Gefahr durch sie besser einschätzen und erkennen zu können, haben US-Wissenschaftler eine frei zugängliche Datenbank entwickelt, die das Risiko der Übertragung einstuft. Die in den »Proceedings« der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften («PNAS») veröffentlichte Liste soll dazu beitragen, solche Erreger zur weiteren Erforschung und Überwachung zu priorisieren.

Das Überspringen solcher Erreger vom Tier auf den Menschen wird als Spillover bezeichnet, bislang sind mehr als 250 zoonotische Krankheitserreger bekannt. Schätzungen gehen indes davon aus, dass Hunderttausende Tierviren das Potenzial haben, auf den Menschen überzuspringen.

Angesichts dieser Bedrohung identifizierten Forscher der Universität von Kalifornien in Davis auf Grundlage einer Analyse von Studien sowie einer Befragung von internationalen Experten Faktoren, die das Spillover-Risiko solcher Viren beschreiben. Dazu gehört etwa, wie oft und wie viele verschiedene Tierarten ein Erreger befallen kann, wie weit diese Wirte geografisch verbreitet sind und wie eng ihr Kontakt zum Menschen ist. Weitere Faktoren sind etwa die genetische Struktur des Erregers sowie seine Übertragungswege.

Diese insgesamt 31 Risikofaktoren bilden das Gerüst für die Spillover-Datenbank, die die Wissenschaftler mit Informationen zu 887 Wildtier-Viren fütterten. Die ersten zwölf Plätze auf dieser Liste besetzen Erreger, die bereits auf den Menschen übergesprungen sind: Den ersten Rang belegt das Lassa-Virus, dann folgen Sars-CoV-2, Ebola, Seoul und Nipah-Virus halten.

Das meist mild verlaufende Lassa-Fieber tauchte Ende der Sechzigerjahre erstmals in Afrika auf. Der natürliche Wirt des Virus ist eine Mausart. Beim hauptsächlich in Asien verbreiteten Seoul-Virus, das häufig zu schweren Krankheitsverläufen führt, ist es die Wanderratte. Das Nipah-Virus, das häufig tödlich verlaufende Gehirnentzündung auslöst, geht vermutlich auf Flughunde zurück.

Weiter hohe Gefahr durch Coronaviren

Dass Sars-CoV-2 nur auf Platz 2 rangiert, begründen die Autoren damit, dass die Liste das Potenzial für einen weiteren Spillover in der Zukunft bewerte. Ob dieser erfolgt, ist aber spekulativ. Zudem seien wichtige Informationen über Sars-CoV-2 noch unbekannt. Über andere Viren, die schon länger erforscht werden, weiß man dagegen mehr – etwa Daten über die Anzahl und Reichweite der Wirtsarten.

Um das Risiko auch für die zukünftige Entwicklung des Virus besser einschätzen zu können, wäre es beispielsweise hilfreich, wenn bekannt wäre, über welchen Zwischenwirt das Virus von Fledermäusen auf dem Menschen übertragen wurde – dieses Szenario wird derzeit für das wahrscheinlichste gehalten. Im Verdacht stehen etwa Schuppentiere, aber genaueres ist bisher nicht bekannt.

Generell schätzen die Forscher das Spillover-Risiko durch verschiedene Coronaviren als sehr hoch ein: Allein die Top 20 der Liste enthalten fünf Coronaviren, die noch nicht auf den Menschen übergegangen sind. Insgesamt sind etwa ein Drittel der 50 Viren mit dem höchsten Übertragungsrisiko Coronaviren.

»Sars-CoV-2 ist nur ein Beispiel für viele tausend Viren, die das Potenzial haben, von Tieren auf den Menschen überzuspringen«, wird Erstautorin Zoë Grange in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert. »Wir müssen virale Bedrohungen mit dem größten Spillover-Risiko nicht nur identifizieren, sondern auch priorisieren, bevor es zu einer weiteren verheerenden Pandemie kommt.«

Die interaktive Liste kann von jedem Nutzer angepasst werden, indem sie daraus zum Beispiel ein Land oder eine Virusfamilie auswählen, die sie besonders interessieren. Vor allem aber handelt es sich beim «SpillOver»-Projekt um eine fortlaufend aktualisierte Liste: Wissenschaftler können Daten zu Viren beisteuern, das Risiko durch neue Erreger bewerten und so die Datenbank mit der Zeit verbessern und präziser gestallten.

Kooperationen in Echtzeit

»Die Datenbank soll eine globale Diskussion in Gang setzen. Außerdem erhoffen wir uns eine wissenschaftliche Zusammenarbeit in Echtzeit, um neue Bedrohungen frühzeitig zu erkennen«, erläutert Studienleiterin Jonna Mazet. »SpillOver kann dazu beitragen, unser Verständnis durch virale Bedrohungen zu verbessern. Es versetzt uns hoffentlich in die Lage, zu handeln, um das Risiko einer Übertagung auf den Menschen zu reduzieren, bevor eine Pandemie ausbricht.«

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