Wirecard: Karl-Theodor zu Guttenbergs Firma machte Lobbyarbeit bei der Bundesregierung
Icon: vergrößernEx-Minister Guttenberg: "Enttäuscht und verärgert"
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Der 5. November 2019 war ein besonderer Tag für Wirecard und seinen damaligen Vorstandschef: Markus Braun feierte seinen 50. Geburtstag, und das Fintech-Unternehmen aus Aschheim bei München verkündete, dass es Anteile an einer chinesischen Firma, der AllScore Payment Services aus Peking, kaufen werde.
Wirecard stieß damit in einen der größten Wachstumsmärkte der Welt vor, neue Millionenumsätze standen in Aussicht, entsprechend erfreut zeigten sich die Anleger: Der Aktienkurs von Wirecard sprang an diesem Tag um bis zu 1,9 Prozent nach oben – und beförderte den Konzern zwischenzeitlich an die Spitze des Dax.
Auch der ehemalige deutsche Wirtschafts- und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg dürfte sich über das lukrative China-Geschäft gefreut haben. Seine Firma Spitzberg Partners hatte den Deal für Wirecard begleitet, als "Market Entry Advisor", also als Berater des Zahlungsdienstleisters. So steht es in einer Firmenpräsentation von Wirecard.
Nun kommt heraus: Im Zuge des China-Geschäfts wurde Guttenberg auch in Berlin vorstellig. 2019, räumte Guttenberg diese Woche auf Anfrage des SPIEGEL ein, habe Spitzberg Partners die Bundesregierung über den geplanten Markteintritt Wirecards in China "unterrichtet und die Möglichkeiten wohlwollender Begleitung im bilateralen Verhältnis mit China eruiert". Anders gesagt: Guttenberg und sein Unternehmen betrieben offenbar im Stillen Lobbyarbeit für Wirecard bei Spitzenpolitikern in der Hauptstadt.

