Weltgesundheitsorganisation meldet Rekord an neuen Corona-Infektionen
Icon: vergrößernAufbau eines provisorischen Krankenhauses im Convention Center, Austin, Texas.
Foto: Bob Daemmrich/ dpa
Noch nie seit Beginn der Coronavirus-Pandemie sind der Weltgesundheitsorganisation (WHO) innerhalb von 24 Stunden so viele Neuinfektionen gemeldet worden wie am Freitag. Insgesamt waren es 284.196 Fälle, teilte die WHO am Abend mit. Die Zahl der Toten sei um 9753 gestiegen, so viele wie seit dem 30. April nicht mehr.
Mit Abstand die meisten Infektionen verzeichneten die USA und Brasilien, jeweils mehr als 67.000. In Indien waren es fast 50.000, in Südafrika 13.000.
Auch in Deutschland breitet sich das Coronavirus wieder stärker aus. 815 neue Infektionen mit dem Sars-CoV2-Virus meldeten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag. Dies ist der höchste Wert seit Mitte Mai, abgesehen vom Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies. Und: Anders als im Fall Tönnies fehlt diesmal ein klar zuzuordnender Ausbruch mit Hunderten Ansteckungen.
Schon in den vergangenen Tagen hatte sich die Zahl der Positivtests gehäuft. Da vermeldete das RKI wiederholt mehr als 500 Fälle pro Tag. Zuvor lag die übliche Spanne eher bei 300 bis 400 bestätigten Neuinfektionen. Allerdings wurde zuletzt auch mehr getestet – und die Positiv-Quote lag in der vergangenen Woche mit 0,6 Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie in der Woche davor.
Für Sachsens Ministerpräsident ist die zweite Welle schon da
Nach Einschätzung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) ist die zweite Welle schon da. "Sie findet bereits jeden Tag statt. Wir haben jeden Tag neue Infektionsherde, aus denen sehr hohe Zahlen werden könnten", sagte Kretschmer der Düsseldorfer "Rheinischen Post".
Die Aufgabe bestehe darin, mit den Gesundheitsämtern diese Welle jeden Tag neu zu brechen. Das klappe "erstaunlich gut", sagte Kretschmer. Deutschland könne durch sein föderales System viel präziser vorgehen als zentralistisch regierte Länder wie Frankreich oder Polen. Die Ministerpräsidenten könnten abwägen, was gezielt für einzelne Regionen geregelt werden könne. "Das ist nur im Föderalismus möglich."
Kein einziger Landkreis reißt zurzeit die Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Dafür aber verbreitet sich das Coronavirus wieder in der Fläche. Am 14. Juni hatten 155 Landkreise dem RKI in den vorangegangenen sieben Tagen keinen einzigen Corona-Fall vermeldet. Am Mittwochabend gab es nur noch 98 solcher Kreise. Die Reproduktionszahl R lag am Donnerstagabend laut RKI mit 0,93 noch knapp unter der kritischen Marke von 1,0. Allerdings waren die 815 Fälle vom Donnerstag noch nicht einberechnet.
Ein Grund für die erhöhten Zahlen sind wohl die Sommerferien. Zumindest in manchen Bundesländern wurde das Coronavirus vermehrt bei Rückkehrern von Auslandsreisen entdeckt. In Baden-Württemberg kamen die Infizierten vor allem aus Balkanländern, in Hamburg aus der Türkei.
Wer künftig aus einem Risikogebiet in Deutschland landet, soll noch am Flughafen kostenlos einen Corona-Test machen können – allerdings freiwillig. Bisher gab es nicht an allen deutschen Flughäfen Testmöglichkeiten für Heimkehrer. Ohne negatives Testergebnis müssen die Urlauber in zweiwöchige Quarantäne.
Österreichs Regierung geht noch weiter: Sie lässt Einreisende aus Risikogebieten in der Regel nur noch dann ins Land, wenn diese einen negativen Test vorweisen können, der nicht älter als 72 Stunden ist. Zudem müssen sich alle Rückkehrer selbst bei einem negativen Test für 14 Tage in Heimquarantäne begeben.
In Deutschland ist die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner zurzeit nur etwa halb so hoch wie in Österreich.
Auch in anderen europäischen Ländern ist die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Tagen wieder gestiegen. In Spanien, eines der von der Pandemie am schwersten betroffenen Länder Europas, wurden binnen 24 Stunden mehr als 900 neue Infektionen registriert, wie das Gesundheitsministerium in Madrid mitteilte. Fast die Hälfte der Fälle wurden aus Katalonien und der Nachbarregion Aragón gemeldet.
Weltweit waren der WHO seit dem Ausbruch des Virus Ende vergangenen Jahres bis Freitag 15,3 Millionen Infektionen gemeldet worden. Knapp 630.000 Menschen starben nachweislich mit einer Coronavirus-Infektion.
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