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US-Virologe Anthony Fauci hält Vorwürfe vom Weißen Haus für “Unsinn” und “bizarr”

July 16
00:01 2020
Anthony Fauci: "Ich verstehe es nicht ganz" Icon: vergrößern

Anthony Fauci: "Ich verstehe es nicht ganz"

Foto: Al Drago/ AP

Der führende US-Virologe Anthony Fauci hält Vorwürfe gegen ihn aus dem Weißen Haus für "Unsinn". Das sagte er dem Magazin "The Atlantic".

Zuvor hatte Präsident Donald Trump auf Fox News über den Virologen gesagt: "Er hat viele Fehler gemacht." Sein Handelsberater Peter Navarro schrieb in einem Gastbeitrag für "USA Today", Fauci habe in jedem Punkt, in dem er mit ihm in der Krise zu tun gehabt habe, falsch gelegen. "Wenn Sie mich also fragen, ob ich auf Dr. Faucis Rat höre, ist meine Antwort: nur mit Skepsis und Vorsicht."

Das Weiße Haus hatte am Sonntag zudem eine Liste mit Aussagen Faucis an ausgewählte Medien geschickt, die zeigen sollte, dass sich dieser in der Pandemie mehrfach getäuscht habe. Die "New York Times" wertete die Liste des Weißen Hauses als Versuch, die Glaubwürdigkeit des Experten zu untergraben. Viele Gesundheitsexperten waren entsetzt.

Fauci sagte dem "Atlantic" zufolge über die Verbreitung dieser Liste: "Ich kann mir in den wildesten Träumen nicht ausmalen, wieso sie das machen würden". Das Dokument sei "Unsinn" und die ganze Sache komplett falsch.

Über die mutmaßlichen Diskreditierungsversuche sagte er: "Wissen Sie, es ist ein bisschen bizarr. Ich verstehe es nicht ganz." Vernünftige Menschen im Weißen Haus würden den "großen Fehler" sicher realisieren. Die Anschuldigungen rückten das Weiße Haus letztendlich in ein schlechtes Licht. Das habe nicht die Intention sein können.

Fauci berät Trump nicht mehr direkt

Fauci berät nach eigenen Angaben Präsident Trump inzwischen nicht mehr direkt, sondern über Vizepräsident Mike Pence. Es gebe dabei keinen Zweifel, dass dieser den Experten jeden Tag zuhöre, sagte Fauci.

Der Virologe ist bekannt für seine kritische Stimme in der Coronakrise. So hatte er vor einigen Tagen bemängelt, dass manche Bundesstaaten die Corona-Regeln zu früh gelockert hätten und führte die hohe Zahl der Neuinfektionen auch auf die zerstrittene Politik zurück.

Im Interview mit dem "Atlantic" forderte Fauci, im Kampf gegen die Coronavirus-Epidemie den "Reset-Knopf" zu drücken. Er meine damit keinen neuen Lockdown, sagte er. Vielmehr müsse man "eine Auszeit nehmen" und dafür sorgen, dass alle an einem Strang ziehen. Wenn die nun von hohen Fallzahlen betroffen Bundesstaaten beschließen würden, es einige Wochen lang richtig zu machen – etwa mit einer Maskenpflicht – "garantiere ich, dass diese Zahlen fallen würden", sagte Fauci.

Die Spannungen zwischen dem Virologen und Präsident Trump hatten zuletzt deutlich zugenommen. Inzwischen ist Fauci aus dem Rampenlicht weitgehend verschwunden.

Icon: Der Spiegel

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