Thalia-Chef Michael Busch: “In einer Krise kannst du nicht jeden Popularitätswettbewerb gewinnen”
Icon: vergrößernMichael Busch
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John M. John / Thalia
Michael Busch gibt das Interview per Videotelefonie aus dem westfälischen Hagen, seine Pressesprecherin mit Maske neben sich. Hagen ist kein Hort der Hochkultur, das wird man sagen dürfen, ohne unhöflich zu wirken. Und doch ist Hagen der Sitz der Thalia Bücher GmbH, des größten Buchhandelsunternehmens in Europa und des zweitgrößten weltweit. Die Firma betreibt fast 380 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Jahresumsatz: knapp 1,3 Milliarden Euro. Busch ist Mitinhaber und Geschäftsführer.
SPIEGEL: Herr Busch, in welche Netflix-Serie haben Sie sich in diesem Seuchenjahr geflüchtet?
Busch: Ich hab noch nie eine Netflix-Serie gesehen.
SPIEGEL: Sie wollen uns gestehen, dass Sie ein Amazon-Prime-Abo haben?
Busch: Ich will sagen, dass ich wenig Fernsehen schaue, mit Ausnahme von Sport. In schwierigen Situationen nehme ich mir ein historisches Buch. Das schafft Abstand.
SPIEGEL: Haben Sie während der Pandemie mehr gelesen als sonst?
Busch: Ich habe mehr gearbeitet als sonst. Das Wichtigste, was ich abends brauchte, war Distanz. Noch mehr Informationen zu Corona aus den Medien hätten zu einem Overload geführt. Also habe ich Geschichtsbücher gelesen, zum Beispiel "Der Tyrann" von Stephen Greenblatt. Der Harvard-Professor erklärt, was wir von Shakespeare über Trump, Putin und Orban lernen können.

