Syrien: Die brutale Dynastie der Assads
Icon: vergrößernDynastiegründer Hafiz al-Assad mit Familie 1974 (Sohn Baschar r.)
Foto: Alexandra de Borchgrave / Gamma / laif
Es war im November 1989, jenem Monat, als die Welt sich drehte. In der DDR spazierten die Menschen plötzlich ungehindert in die Freiheit, in Rumänien regte sich Widerstand gegen das Diktatorenpaar, der zu einer blutigen Revolution eskalierte. Die Regime des Ostblocks implodierten, der Zerfall der Sowjetunion nahm seinen Lauf.
Doch nicht überall drehte sich die Welt. In Syrien, zumindest an der Oberfläche auch ein sozialistischer Bruderstaat, stand sie vollkommen still. Hier wurde am 16. November wie stets der offizielle Jahrestag der Machtergreifung mit routinierten Feierlichkeiten begangen. Und ich feierte als Student mit, ungefragt.
Fähnchen schwingende Schulklassen sangen Hymnen, andere freuten sich über einen freien Tag. Seit 1970 lag das Land unter eiserner Kontrolle des ehemaligen Luftwaffengenerals Hafiz al-Assad. Aber er inszenierte seine Macht nicht so martialisch wie Saddam Hussein im Irak oder Muammar Gaddafi, der seine Diktatur in Libyen als fortdauernde Revolution etikettierte. Nein, in Assads Syrien trug der Geburtstag seines Putsches einen derart harmlosen Namen, dass man an eine kleine verwaltungstechnische Maßnahme glauben mochte. Das Land feierte: die »Korrekturbewegung«.

