Steht sie unter Hausarrest?: Russische Zentralbankchefin Nabiullina verschollen
Politik
Steht sie unter Hausarrest?Russische Zentralbankchefin Nabiullina verschollen
13.06.2026, 16:01 Uhr Artikel anhören(03:43 min)00:00 / 03:43
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Termine abgesagt, Name gestrichen: Das Rätsel um den Verbleib von Elwira Nabiullina wächst. Während der Kreml von einer Krankheit spricht, spekulieren Exil-Medien über Hausarrest und ein Ultimatum an Präsident Putin.
Russische Oppositionelle und Exil-Medien heizen Spekulationen über den Verbleib der russischen Zentralbankchefin Elwira Nabiullina an. Der ehemalige Chefredakteur des russischen Staatsfernsehens, Dmitri Skorobutow, behauptet in einem Youtube-Video, die Zentralbankchefin stehe faktisch unter Hausarrest. Hintergrund sei ein hitziger Austausch mit Wladimir Putin Ende Mai oder Anfang Juni gewesen. Dabei habe Nabiullina dem russischen Präsidenten angeblich ein Ultimatum gestellt: Sie werde ihren Posten verlassen, sollte Putin eine Totalmobilmachung ausrufen. Skorobutow lebt im Schweizer Exil.
Regierungssprecher Dmitri Peskow erklärte hingegen, Nabiullina sei lediglich krank. "Menschen werden manchmal krank – daran ist nichts Ungewöhnliches". Da Nabiullinas Gesundheit Privatsache sei, wolle der Kreml diese nicht kommentieren. Öffentlich wünschte Peskow ihr nur "Gesundheit und Kraft". Die offizielle Linie lautet seither, dass sich Nabiullina im "Krankenstand" befinde.
Der Telegram-Kanal "Mozhem Obyasbit" legt nahe, Nabiullinas Abwesenheit könnte eine Art stiller Protest gegen die Kriegspolitik des Kreml sein. Die Vertraute des russischen Machthabers spiele mit dem Gedanken, zurückzutreten und das Land zu verlassen. Ihre Amtszeit endet 2027. "Mozhem Obyasbit" beruft sich auf Quellen in der Zentralbank, laut denen Nabiullina Putin signalisiert habe, ihr Amt nur unter bestimmten Umständen fortführen zu wollen: Im Falle einer totalen Mobilmachung und von Grenzschließungen wolle sie ihre Aufgaben nicht mehr übernehmen.
Technokratin des KremlsDie Bankerin, die Putin rettet
Eine der zitierten Quellen sprach demnach von einer "diplomatischen Erkrankung" Nabiullinas. Sie habe den Präsidenten über ihre Pläne informiert, sei dann "diplomatisch erkrankt" und warte nun auf seine Antwort. Sollte eine totale Mobilmachung ausgerufen werden, könnte ein Rücktritt Nabiullinas und ihr möglicher Abschied aus Russland als "extreme Untreue" gedeutet werden, argumentiert "Mozhem Obyasbit".
Die Spekulationen nahmen zu, nachdem die 60-Jährige mehr als eine Woche nicht mehr öffentlich aufgetreten war. Besonders auffällig war ihr Fehlen bei mehreren wichtigen Terminen: Am 4. Juni etwa wurde ihr Name kurzfristig von der Rednerliste des St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums (SPIEF) gestrichen. Sie fehlte zudem bei einer Ausstellung in Moskau und am 9. Juni bei einer Konferenz des Nationalen Verbands der Wertpapiermarktteilnehmer. Besonders schwer wiegt ihre Abwesenheit bei einem Treffen mit Putin am 10. Juni. Dort ging es um Inflation und Leitzinsen – also um ihre Kernthemen.
Es ist nicht das erste Mal, dass in Russland über die Gesundheit von Spitzenfunktionären spekuliert wird, wenn diese politisch unter Druck geraten. Schon früher gab es Gerüchte, Nabiullina liege im Krankenhaus. Spätestens Anfang Juli steht jedoch ein nächster Auftritt Nabiullinas beim Finanzkongress der russischen Zentralbank an.

