Schottland: Polizei nimmt Nicola Sturgeon fest – Fragen zur Spendenaffäre
Schottlands Ex-Regierungschefin Nicola Sturgeon, 52, ist am Sonntag im Zusammenhang mit Ermittlungen zu den Parteifinanzen der SNP festgenommen worden.
Die schottische Polizei bestätigte die Festnahme einer 52-jährigen Frau im Zuge der Ermittlungen, den Namen nannte sie wie üblich nicht. »Die Frau befindet sich in Gewahrsam und wird von Ermittlern befragt«, so die Polizei.
Sturgeon habe in Absprache mit der Polizei an einem Gespräch teilgenommen, bei dem sie festgenommen und befragt werden sollte, sagte ein Sprecher. Sie kooperiere mit den Ermittlungsbehörden. Eine Sprecherin der SNP sagte, man werde sich während der laufenden Ermittlungen nicht weiter äußern, kooperiere aber ebenfalls mit den Behörden.
Polizei durchsuchte auch Sturgeons Haus
Bei den seit 2021 laufenden Ermittlungen geht es um eine mögliche Zweckentfremdung von Spenden in Höhe von knapp 667.000 Pfund (rund 780.000 Euro), die für die Unabhängigkeitskampagne der SNP vorgesehen waren.
Bereits im April waren erst ihr Ehemann Peter Murrell und dann auch SNP-Schatzmeister Colin Beattie festgenommen worden. Beide kamen später wieder frei, ohne dass Anschuldigungen gegen sie erhoben wurden. Murrell war fast 25 Jahre lang Generalsekretär der SNP. Im Zuge der Ermittlungen durchsuchten die Polizisten auch Sturgeons und Murrells gemeinsames Haus.
Sturgeon, die seit 2014 regierte, hatte Mitte Februar nach mehr als acht Jahren überraschend ihren Rückzug von der Parteispitze angekündigt. Sie verwies vor allem auf die körperlichen und psychischen Belastungen des Jobs. Insbesondere während der Coronapandemie sei ihr die für den Job nötige Energie zunehmend abhandengekommen. Damals gab es jedoch bereits Vorwürfe gegen ihren Ehemann. Neuer Partei- und Regierungschef ist seit Ende März Sturgeons Vertrauter Humza Yousaf, 38.
Der Wahlkampf um die Nachfolge Sturgeons hatte zu Streit in der SNP geführt. Die Festnahme Murrells verstärkte die Krise der Partei noch. Zuletzt hatten die Regierung in London und das Oberste Gericht die Forderungen der SNP nach einem erneuten Unabhängigkeitsreferendum abgewiesen.

