Schach: Spielerinnen verurteilen Sexismus durch männliche Kollegen
Zahlreiche Frauen aus der Welt des Schachs haben eine Initiative gegen Sexismus in ihrem Sport gestartet. In einem Offenen Brief verurteilen mehr als 70 Unterzeichnerinnen sexistisches Verhalten von männlichen Kollegen scharf. »Wir, Schachspielerinnen, Trainerinnen, Schiedsrichterinnen und Managerinnen, haben sexistische oder sexuelle Gewalt durch Schachspieler, Trainer, Schiedsrichter oder Manager erlebt.« So beginnt der Offene Brief mit dem Titel »Wir, Schachspielerinnen« .
Die Initiative geht auf 14 französische Schachspielerinnen zurück, die den Brief zu Beginn des Monats veröffentlichten. Mittlerweile haben mehr als 70 Frauen aus zahlreichen Ländern den Brief unterschrieben, weitere Frauen schließen sich derzeit an. Zu den prominentesten Unterzeichnerinnen gehören etwa
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die iranische Schachschiedsrichterin Shohreh Bayat, die wegen ihres Umgangs mit dem Kopftuch nicht in ihr Heimatland Iran zurückreisen kann,
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Frauen-Großmeisterin und Kommentatorin Jovanka Houska,
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sowie die ehemalige US-Meisterin Jennifer Shahade.
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Auch die deutsche Nationalspielerin Annmarie Mütsch hat unterschrieben.
Kein Schweigen mehr
»Wir sind davon überzeugt, dass diese Belästigungen und Übergriffe immer noch einer der Hauptgründe sind, warum Frauen und junge Mädchen, insbesondere im Teenageralter, mit dem Schachspiel aufhören«, schreiben die Frauen. Sie hätten zu lange geschwiegen: »Doch zu schweigen bedeutet, die Last der Scham allein zu tragen. Die Worte und den Mut zu finden, die Stimme zu erheben, mag Zeit benötigen, aber wir glauben, dass dies notwendig und heilsam ist.«
Nun ermutige man alle Spielerinnen, erlittene Gewalt anzuprangern, schreiben die Frauen: »Damit die unterstützenden Spielerinnen, Trainer, Schiedsrichter, Manager und Eltern sich des Ausmaßes des Problems bewusst werden und Teil der Lösung sein können. Ihre Wachsamkeit, Unterstützung und Entschlossenheit sind unerlässlich.«
Sexistische Kommentare bis hin zu Übergriffen
Eine der Unterzeichnerinnen ist die französische Frauen-Großmeisterin Mathilde Choisy. Sie selbst habe sich etwa Kommentare über ihre Kleidung anhören müssen, oder dass Frauen grundsätzlich schlecht Schach spielten. So erzählte sie es chess.com . Die Erfahrungen von Mädchen und Frauen in der Schachwelt reichten von Sexismus bis hin zu Belästigungen, Missbrauch und Vergewaltigungen, sagte Choisy.
Auch Schachmeisterin Yosha Iglesias berichtet über Übergriffe. Bei einer Preisverleihung habe ein Mann ihr an den Hintern gefasst, schreibt die trans Frau bei Twitter. Im vergangenen Oktober habe ein Schachspieler sie bei einem Turnier gefragt, »wie viel ich für Sex verlange.«

