News des Tages: Markus Söder hält Hof, Vereinigte Arabische Emirate wollen zum Mars
1. Schau'n Sie in Bayern rein, denn etwas Schau muss sein
Nicht immer ist Angela Merkel in Bayern freundlich empfangen worden. Unvergessen, wie sie neben Horst Seehofer auf dem CSU-Parteitag steht, wie bestellt und nicht abgeholt.
Die Bilder von heute wirken wie aus einer anderen Realität: gemeinsame Kutschfahrt mit dem bayerischen Ministerpräsidenten, Gruppenfoto mit den bayerischen Ministern und Ministerinnen auf der Freitreppe von Schloss Herrenchiemsee, Sitzung mit dem bayerischen Kabinett in der historischen Spiegelgalerie. Markus Söder hält Hof und empfängt die Kanzlerin. "Eine große Bayern-Show", nennt es mein Kollege Jan Friedmann aus unserem Münchner Büro, der sich das Ganze aus der Nähe angesehen hat.
Als gelernter Fernsehredakteur und erfolgreicher Selbstvermarkter weiß Markus Söder, was eine gute Show braucht:
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Eine dunkle Vergangenheit: Seehofer, Streit, Zorn.
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Eine versöhnliche Botschaft: Nach all dem Zwist hat sich die Union wieder lieb.
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Eine große Frage, um die Spannung zu halten: Wird es Andeutungen geben, ob sie ihn als Kanzlerkandidaten und damit als ihren möglichen Nachfolger unterstützt?
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Eine Kulisse, die über das Hier und Jetzt hinausweist: ein bayerisches Schloss, das die Leute in ganz Deutschland kennen.
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Bilder.
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Bilder.
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Bilder.
"Der Auftritt nutzt Söder", sagt Jan, "und schadet Merkel nicht." Der politische Gehalt? Nachrangig. "Das Land spricht über ihn als möglichen Bundeskanzler – diesen Stand hat er erst mal konserviert." Fortsetzung folgt.
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Lesen Sie hier die ganze Reportage: Jetzt ist Schloss
2. Das Morgenland greift nach den Sternen
Die Unwägbarkeiten der Weltraumfahrt sind meist irdischer Natur. Da planen die Verantwortlichen über Jahre, entwickeln Geräte für Millionen Dollar, bilden Astronauten aus, berechnen Flugbahnen von mehreren Millionen Kilometern – und dann spielt das Wetter nicht mit. Die arabische Marssonde "Amal" ("Hoffnung") sollte eigentlich heute Abend abheben, jetzt verschoben die Emirate den Start auf Donnerstag.
Die Vereinigten Arabischen Emirate zählen zu den raumfahrenden Nationen – allein das war für mich eine Neuigkeit. Für meinen Kollegen Christoph Seidler aus dem Wissenschaftsressort aber natürlich nicht (er kennt sich im All mindestens so gut aus wie Netzwelt-Kollege Matthias Kremp im Apple-Kosmos). "Gerade haben die Emirate ihr Astronautenkorps von zwei auf vier aufgestockt. Einer flog auch schon zur Internationalen Raumstation", sagt Christoph. Zunehmend drängen Länder ins All, "weil es einerseits eine gute Chance ist, sich international zu profilieren, andererseits – und darauf hoffen wohl die Emiratis – kann man mit solchen Missionen im Idealfall auch Wissenschaft und Technik im eigenen Land voranbringen."
Allein schickt der Wüstenstaat die Sonde nicht auf die Reise:
– Montiert haben sie Ingenieure in den USA, am Fuße der Rocky Mountains.
– Ein russisches Schwerlastflugzeug hat sie um den halben Globus geflogen.
– ins All tragen soll sie eine Mitsubishi-Rakete von Japan aus.
An der Mission beteiligen sich also vier Nationen, genauso viele wie bereits auf dem und um den Mars unterwegs waren (Amerikaner und Sowjets ließen Fähren landen, Europa und Indien schickten Sonden in den Orbit). Christoph sagt: "Die Emiratis haben mit erfahrenen Partnern zusammengearbeitet, aber natürlich kann bei einer Reise zum Mars immer etwas schiefgehen." Und wenn es nur das Wetter ist.
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Lesen Sie hier die ganze Geschichte: "Es geht nicht um Stolz, es geht um unsere Zukunft"
3. Großverdiener und Wenig-Bekommer
Beim Geld hört für viele der Spaß auf, also keine Witze jetzt. In den Meldungen heute ist zu lesen: Dax-Vorstände verdienen das 49-Fache ihrer Mitarbeiter, wie eine neue Gehaltsstudie zeigt. Nur eine Zahl aus dem Text: Im Schnitt kassieren Vorstandsmitglieder 3,4 Millionen Euro im Jahr.
Kurz darauf lese ich die Geschichte meines Kollegen Markus Dettmer und meiner Kolleginnen Cornelia Schmergal und Benita Stalmann aus dem Hauptstadtbüro über die Neuberechnung der Hartz-IV-Sätze. Nur zwei Zahlen aus diesem Text: Um 7 Euro pro Monat sollen sie steigen, auf dann 439 Euro.
Keine Pointe.
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Lesen Sie hier die ganze Geschichte über die Kritik an der Hartz-IV-Reform: "Absolut lebensfern"
Meine Lieblingsgeschichte heute: Die Erfolgsformel
Der Physiker mit dem aufregenden Namen Albert László Barabási gibt dem Begriff Populärwissenschaft eine ganz neue Bedeutung: Er hat nach der Formel für Erfolg gesucht – und will sie gefunden haben. Wie werde ich berühmt, egal, ob als Wissenschaftlerin, Maler oder Start-up-Unternehmer?
Mein Kollege Hilmar Schmundt aus dem Wissenschaftsressort hat den Mann porträtiert: "Mit seinem Team wühlte Barabási sich durch Zigtausende Datensätze, darunter die Publikationen von 10.000 Wissenschaftlern aus sieben Disziplinen; er studierte Aufsätze über Tausende erfolgreiche Unternehmer; und er wertete die Karrieren von fast einer halben Million Künstlern aus." Manche Erkenntnis klingt erst mal ein bisschen banal: "Wer Erfolg haben will, muss natürlich gut sein, aber auch gut vernetzt."
Aber Barabási räumt eben auch mit Mythen auf, zum Beispiel dem Gerücht, dass nur jungen Wissenschaftlern Durchbrüche gelingen – selbst Einstein ging davon aus. Und ganz praktische Tipps liefert er auch: Bei Bewerbungen lohnt es sich, als Letzter anzutreten.
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Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Einsteins Irrtum
Was heute sonst noch wichtig ist
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Hessens Landespolizeipräsident Udo Münch tritt zurück: Die Affäre um Drohmails, die von hessischen Polizeicomputern verschickt worden sein sollen, hat Konsequenzen. Der Behördenchef hat um Versetzung in den einstweiligen Ruhestand gebeten.
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Bafin hegt Insiderverdacht gegen Wirecard: Haben Insider das Ergebnis der Bilanzprüfung vorab verbreitet – und damit Geld verdient? Die Finanzaufsicht sieht Hinweise darauf und hat die Staatsanwaltschaft informiert.
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Ermittler gehen gegen Zoll-Spezialeinheit vor: Haben Zöllner der Polizei bewusst Hinweise auf Geldwäsche vorenthalten? Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt deswegen. Nach SPIEGEL-Informationen wurden nun die Büros der Behörde durchsucht.
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Bund und Länder streiten über Reaktion auf lokale Corona-Ausbrüche: Gibt es künftig Ausreisesperren in betroffenen Landkreisen? Nach SPIEGEL-Informationen soll am Mittwoch erneut nach einer Einigung gesucht werden.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
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Eine Partnerschaft auf Augenhöhe – wie kann das funktionieren, wenn einer als hochintelligent gilt? Marianna und Michael haben einen Weg gefunden.
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Viele Deutsche wollen in diesem Sommer nicht in den Urlaub fahren. Was fehlt, wenn wir die Welt nicht entdecken? Hier erzählen Politikerinnen und Politiker von Reisen, die sie prägten.
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Es wird höchste Zeit für die Steuererklärung. Marieke Einbrodt von der Stiftung Warentest erklärt, was man beachten muss und was eine gute Hilfssoftware kosten darf.
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Für seinen furchtlosen Einsatz bekam Ronnie Russell einst von der Queen einen Orden verliehen. Warum will er ihn jetzt nicht mehr haben?
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Der Psychologe Robert Enright erklärt im Interview, wie man es schafft zu vergeben – und warum das so wichtig für die eigene Gesundheit ist.
Was heute nicht ganz so wichtig ist
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Volley genommen: Andrea Petkovic, 32, reagiert auf Äußerungen in sozialen Netzwerken, die mit Kritik nur unzureichend beschrieben wären, weil sie kommunikativ im Aus landen, ziemlich souverän. Sie veröffentlichte die Nachricht eines Pöblers (Auszug: "Du bist schrecklich") und retourniert: "Ich habe drei Berufe gleichzeitig, will mich nicht selbst loben, aber ich bin großartig."
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Der Weißheit letzter Schluss: Rechtzeitig zur Veröffentlichung ihres neuen Albums hat die Sängerin Ellie Goulding, 33, sich erneut zu den Black-Lives-Matter-Protesten geäußert, die seit dem Tode George Floyds die USA beschäftigen. "Wir als Weiße sind endlich aufgewacht und sehen, was schon seit Jahren direkt vor unserer Haustür los ist", sagte sie. "Ich schäme mich dafür, und es ist mir peinlich, dass ich nicht schon vorher mehr darauf geachtet habe."
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Ab ins Lab-Ohr: Christian Drosten, 48, Deutschlands bekanntester Virologe und derzeit erfolgreichster Podcaster in Sommerpause, hat seine Anhängerschaft auf die Punkband ZSK erweitert. Die Berliner Gruppe veröffentlichte ein Lied über den "Punk der Wissenschaft". Sänger Joshi sagt: "Wir hoffen, dass Drosten nicht mit uns schimpft."
Tippfehler des Tages, inzwischen korrigiert: "Der Prozess wurde auf den 11. Februar 2021 vertragt."
Cartoon des Tages: Das Kanzleramt auf dem Weg nach München
Und heute Abend?
Die Gerd-Show einschalten: Sie haben gestern bei uns ein Gespräch mit Oskar Lafontaine lesen können, heute Abend sendet Arte eine Doku über seinen einstigen Gegenspieler, Gerhard Schröder, bis 2005 Bundeskanzler, manche sagen ein sozialdemokratischer. Genau darum geht es in dem Film: Er "untersucht mit kritischer Sympathie das Verhältnis des Agenda-Kanzlers zu seiner Partei – in der er erfolgreich, aber nie heimisch wurde", wie ein SZ-Kollege schreibt. Linear zu sehen um 21.45 Uhr, in der Mediathek hier.
In diesem Sinne: erst Abendbrot, dann Agenda-Zapping.
Ihnen einen schönen Abend. Herzlich,
Ihr Oliver Trenkamp
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