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News des Tages: Corona-Impfstoff, Polen, Motorradlärm

July 13
21:50 2020

1. Wettrüsten gegen Corona

160, diese Zahl macht Hoffnung: An so vielen verschiedenen Substanzen arbeiten Labore, Pharmafirmen und Universitäten, um einen Corona-Impfstoff zu entwickeln, heißt es bei der Weltgesundheitsorganisation – Wettrüsten gegen das Virus. Da muss doch etwas dabei sein, was hilft.

Die Zahl, die leider niemand kennt: Wie viele Monate bliebe man nach einer Impfung immun? Wie lange nach einer durchgemachten Krankheit? Schützt ein Corona-Impfstoff kürzer als der Grippe-Shot, den man sich jedes Jahr neu holen muss?

Mit diesen Fragen bin ich nicht allein, zu den meistgelesenen Meldungen auf unserer Seite gehörte am Wochenende diese: Bluttests der ersten Corona-Patienten aus Deutschland zeigen, dass die Konzentration von Antikörpern schnell abnimmt. Das könnte sich auf die Wirksamkeit einer Impfung auswirken.

Meine Kollegin Heike Le Ker aus unserem Gesundheitsteam hat die Antworten auf die wichtigsten Fakten hier zusammengetragen. Sie dämpft auch die Hoffnung auf ein Allheilmittel: "Der Impfstoff wird nicht alle Probleme lösen können", sagt sie. "Zum einen wird er nicht so schnell kommen, wie jetzt viele hoffen, zum anderen können oder wollen nicht alle geimpft werden."

Warum man ihn trotzdem braucht?

  • Um die Risikogruppen zu schützen.

  • Um die Überlastung der Kliniken und Praxen im Winter zu verhindern und damit die Versorgung aller Kranken sichern zu können.

  • Und auch um in Ländern wie den USA die Ungleichheiten auszugleichen.

Lesen Sie hier die Hintergründe: Auf der Suche nach Nummer sicher

2. Die politischen Pole Polens

In unserem Nachbarland Polen ist ein politisches Kunststück gelungen: Die Präsidentschaftswahl gewann jemand, der nicht angetreten war, wie mein Kollege Jan Puhl aus dem Auslandsressort analysiert. Der Sieger vom Sonntag heißt Jaroslaw Kaczynski. Der Gründer und Chef der Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) führt das Land seit einem halben Jahrzehnt auf einen autoritär-nationalen Kurs, ganz ohne ein Amt innezuhaben. "Das Staatsoberhaupt ist seine Marionette", schreibt Jan Puhl.

Diese Marionette heißt Andrzej Duda und hat sich trotz allen Wahlkampfgetöses nur sehr knapp gegen den Kandidaten der Liberalen durchgesetzt. Der wiederum heißt Rafal Trzaskowski – und überzeugte fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler, vor allem jene in großen Städten, und jene im Alter zwischen 30 und 49. Erst ab 50 und in den Dörfern holt Duda auf.

"Viele Dörfler sehen ihre Lebensweise von diesen fortschrittlichen Städtern gering geschätzt", so Jan, "der Glaube, die Nation, die Familie – all das ist nichts mehr wert in Warschau oder Poznan." In dieser Wahl zeigt sich, wie polarisiert Polen ist.

  • Lesen Sie hier die ganze Analyse: Die Eminenz im Schatten

3. Aus der Kurve

Ganz schnell: Österreich hat beliebte Strecken in Tirol für laute Motorräder gesperrt, auch die Fahrer können mit der Regelung leben. In Süddeutschland würde man das Modell gern kopieren – aber der Bundesverkehrsminister blockiert. Warum eigentlich? Der Frage geht mein Kollege Emil Nefzger nach. Ein Teil der Antwort fängt mit "Sch" an und hört mit "euer" auf.

  • Lesen Sie hier seinen Bericht: Ausgeknattert

Mein Lieblingsinterview heute: Oskar Lafontaine

"Alternativlos" – mir fällt kaum ein unpolitischeres Wort ein, das zugleich enormere politische Wirkung entfaltete. Natürlich gibt es in der Politik immer Alternativen, das macht ihr Wesen aus – entscheiden wir uns für oder gegen Reformen, Rettungspakete, Rentenformeln? Oder entscheiden wir uns, nicht zu entscheiden; dann machen es andere. Der Soziologe Andreas Reckwitz schrieb mal: "Das Motto der Alternativlosigkeit ist Gift für die liberale Demokratie." Am Ende bleibe nur noch Problemverwaltung übrig.

Sowohl Angela Merkel als auch Gerhard Schröder haben große Vorhaben als "alternativlos" durchgedrückt, die Euro-Rettung und die Agenda 2020. Beides führte zur Geburt von Parteien, die sich selbst im Namen als "Alternative" bezeichneten, eine rechts, eine links.

Die linke "Wahlalternative soziale Gerechtigkeit", inzwischen mit der PDS zur Linken fusioniert, hatte mit SPD-Ex-Chef Oskar Lafontaine ihren Superstar. Meine Kollegen Kevin Hagen und Jonas Schaible aus unserem Hauptstadtbüro haben mit ihm telefoniert, um noch einmal über alte Schlachten und neue Probleme zu sprechen, über linke Radikalpositionen und die Gründe, warum Linken-Wählerinnen auf einmal ihr Kreuz bei der AfD machen.

Die beiden haben einen Mann erlebt, der nicht bereit ist aufzugeben. "Lafontaine ist noch immer im Kampfmodus und angriffslustig wie eh und je", sagt Kevin. "Das bekommen seine alten und heutigen Genossen bei SPD und Linken zu spüren." All die Jahre sei es ihm darum gegangen, die SPD auf eine linke Linie zu bringen. "Oder besser gesagt: auf seine eigene Linie. Insofern ist auch die Linkspartei für ihn nur Mittel zum Zweck." Und über Schröder hat Lafontaine natürlich auch gesprochen. Wenn einem Namenswitze gefallen würden, könnte man sagen: Er hat einen vom Gerd erzählt.

  • Lesen Sie hier das ganze Interview: "Die SPD ist nicht mehr die Partei Willy Brandts"

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Französinnen protestieren gegen Macrons neue Regierungsmitglieder: Der neue Justizminister wird von ehemaligen Kollegen als "Ungeheuer" bezeichnet, dem neuen Innenminister wirft eine Frau Vergewaltigung vor. Es gibt Proteste.

  • Die Welt steuert auf den höchsten CO2-Wert in der Luft seit 3,3 Millionen Jahren zu – schon 2025: Forscher haben Klimadaten entschlüsselt, die in winzigen Fossilien gebunkert waren. Der Rückblick offenbart, wie die Erde damals aussah – und lässt Schlüsse zu, was ihr nun bevorstehen könnte.

  • Betreibt die Stuttgarter Polizei "Stammbaumforschung"? Diese Formulierung ist so offenbar nie gefallen, die Ermittler recherchieren jedoch bei Standesämtern zum Migrationshintergrund von Tatverdächtigen. Ein Blick in das Protokoll.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

  • Die Schattenkrieger: Staaten wie Russland oder die Türkei setzen immer häufiger ausländische Söldner ein. Für die Kämpfer wird das Töten zur Lebensform.

  • Kara Bos und die schmerzhafte Suche nach Mister Oh: Kein Land gab so viele Babys zur Adoption frei wie Südkorea. Auch Kara Bos wurde ausgesetzt und in die USA vermittelt. Als erstes Adoptivkind hat sie ihren leiblichen Vater darauf verklagt, sie anzuerkennen.

  • Was tun, wenn die Wut kommt? Kaum jemand schreit gern sein Kind an, seinen Partner oder seine Chefin – und trotzdem passiert es. Psychiater Claas-Hinrich Lammers sagt, ob das schlimm ist und wie es sich verhindern lässt.

  • So halten Sie Ihr Herz gesund: Der Mediziner Roger Blumenthal erklärt, wie Herzinfarkte und Schlaganfälle zu vermeiden sind – und warum der Lebenswandel wichtiger ist als die Einnahme von Pillen.

Was heute nicht ganz so wichtig ist

  • Dependence Day: Seine Ehekrise hat das Schauspielerpaar Will Smith, 51, und Jada Pinkett, 48, überwunden und, das gehört einfach dazu, jetzt in einer Talkshow darüber Auskunft gegeben. Trennung, anderer Mann, Versöhnung, alles dabei, auch Kalenderblattzitate: "Wir sind jung zusammengekommen, und wir waren beide auf unsere eigene Art kaputt. Die Erfahrung, Fehler machen zu können, ohne deine Familie zu verlieren, ist so wichtig."

  • Jump'n'Fun: Handwerkerrechnungen fallen meist höher aus als erwartet, der berühmteste Klempner der Welt ist da keine Ausnahme. Für das erste Videospiel mit Super Mario, 34, hat ein anonymer Käufer 114.000 Dollar aus dem Konto hüpfen lassen, wie der texanische Auktionator mitteilte. Über die Originalverpackung hieß es: "Der Pappaufhänger eines jeden frühen Entertainment-System-Spiels verleiht ein bestimmtes, ungeschlagenes Gefühl von 'Vintage', mit dem Nachfolger nicht mithalten können."

Tippfehler des Tages, inzwischen korrigiert: "Heute nimmt Paar die Krise in einigen Punkten sogar als positiv wahr."

Cartoon des Tages: Virus voller Hoffnung

Und heute Abend?

"Star Trek" gucken, auch das immer eine gute Idee. Aber heute feiert Captain-Picard-Darsteller Patrick Stewart seinen 80. Also schauen Sie entweder die "Next Generation"-Doppelfolge "Best of both Worlds" (Borg entführen Picard) oder den Kinofilm "First Contact" (Picard kämpft gegen die Borg) oder die aktuelle Serie "Picard" (Picard trifft auf resozialisierte Borg). Vertrauen Sie mir, machen Sie es so.

In diesem Sinne: erst Abendbrot, dann Earl Grey, heiß.

Ihnen einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Oliver Trenkamp

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